03.04.20

RUDOLF SCHOCKS TONAUFNAHMEN IN VORGERÜCKTEM ALTER (1)

'Die Uhr' von Carl Loewe


Selbstverständlich hat sich Rudolf Schocks Stimme im Laufe der Jahre geändert.
Selbst sagte er darüber: "Meine Stimme ist einsetzfähig geblieben, in Erkenntnis veränderter Möglichkeiten".

Bekanntlich war seine Glanzzeit die Periode 1946-1964.
Dann - im Alter von 48 Jahren - nahm die Stimmqualität langsam aber sicher ab.
Jedoch, sein Gesang faszinierte weiterhin dank einer intuitiv tadellosen Herangehensweise an unterschiedliche Musikgenres und einem ungekünstelten, sehr gut verständlichen Vortrag. Bis zu seinem Tod.

'Tom der Reimer' von Carl Loewe


Im letzten Teil des Dokumentarfilms 'Rudolf Schock: Das singe ich auch!' wird das erörtert, und auf YouTube gibt es angebrachte Beispiele.
Ich bin daher nicht überrascht, dass einige davon außergewöhnlich oft gehört werden.
Dies gilt z.B. für die beiden (bearbeiteten) Teile aus Franz Schuberts "Deutsche Messe" von 1973, für "Im Kahne" von Grieg ebenfalls aus 1973, für "Tom der Reimer" von Loewe aus 1980, für Kálmáns opernhaftes "Komm Zigane" live aus dem Amsterdamer Konzertsaal 1985 und 1986 für Norbert Schultzes 'Gutenachtliedchen'.

Aufnahmen des Sängers in fortgeschrittenem Alter:
> 'Gutenachtliedchen' (1948) von Norbert Schultze (1911-2002):













Das Schlafliedchen erinnert an die deutschen und österreichischen Heimkehrer, die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg aus Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt sind.
Rudolf Schock sang es in seinem Todesjahr 1986 in einer Radiosendung zum 75. Jahrestag des Komponisten Norbert Schultze.

Norbert Schultze, Komponist des weltberühmten Soldatenliedes 'Lily Marleen' (1938), entpuppte sich im 2. Weltkrieg zu einem nicht unbedeutenden, propagandistischen Rad in der Kriegsmaschine des deutschen NS-Regimes.
Nach dem Krieg wurde er im Rahmen der "Entnazifizierung"  als "Mitläufer"  qualifiziert.
Tatsache ist aber, dass er danach alle zwischen 1933 und 1945 erhaltenen Gelder testamentisch dem Deutschen Roten Kreuz vermachte.
Schultze schrieb bereits 1948 sein 'Gutenachtliedchen', veröffentlichte es aber erst 1986. Er begleitet Rudolf Schock am Klavier bei dieser Erstausführung.

> 'Es neigt sich der Tag', Lied von Cornelius Suythof aus der Oper 'Rembrandt van Rijn' (1937) von Paul von Klenau (1883-1946):
RUDOLF SCHOCK: "Ich hatte die schöne Arie des Cornelius durch eine sehr alte Schallplatte von Marcel Wittrisch (1901-1955) kennengelernt.
Hiermit und mit Hilfe einiger erhaltener Violinstimmen - das Orchestermaterial ist im Krieges zerstört worden - hat mein Freund Fried Walter (Schocks Dirigent) die Partitur sorgfältig rekonstruiert und damit ein besonders schönes Beispiel spätromantischer Operntradition der Vergessenheit entrissen".

AUS DEM BLOGTEXT: 'RS SINGT ALBAN BERG':
Das 'normale' Komponieren geht von 7 Tönen aus, die zusammen eine Tonleiter bilden. Der erste und zentrale Ton dieser Leiter heisst der Grundton. Alle anderen Töne sind auf diesen Grundton bezogen, bewegen sich also gleichsam auf ihn zu. Die Folge ist, dass der Zuhörer die Erfahrung hat, dass ein Musikstück 'stimmt'. Bei der 12-Tonmethode gibt es keine zentrale (Grund)tonalität, und ist also keine Bewegung zum Grundton möglich. Die Folge ist, dass für manchen Zuhörer die Musik 'nicht stimmt', nicht harmonisch und nicht zugänglich ist. 

PAUL VON KLENAU: "Meine Zwölftontheorie nenne ich die Tonartbestimmte Zwölftontheorie. Ich richte meine Zwölftonreihen so ein, dass ich aus ihnen Harmonie (!), Disharmonie und tonartbestimmt wirkende Polyphonien zwanglos ableiten kann ... Daraus erklärt sich die Tatsache, dass viele Kritiker gar nicht bemerkt haben, dass meine Musik Zwölftonmusik ist".

Über Von Klenau:
Der in Dänemark geborene Dirigent und Komponist Paul von Klenau fühlte sich von spätromantischen deutsch-österreichischen Musikströmungen angezogen.

Er zog nach Wien, lernte Arnold Schönberg und Alban Berg kennen und wurde von ihrer Zwölftonmusik berührt. Als die Nazis an die Macht kamen, reiste Schönberg kehrte Österreich den Rücken und liess sich als amerikanischer Staatsbürger einbürgern. In Österreich und Deutschland wurden seine Musik und die von Alban Berg als "entartet" eingestuft und deshalb verboten.

Der Däne Von Klenau fühlte sich sicher, weil seine Zwölftonmusik kaum als solche erkennbar war.
Capriccio Kulturforum (2020): "Als er dennoch von den nationalsozialistischen Kulturbehörden zur Rede gestellt wurde, behauptete Von Klenau daher, die Reihe sei die musikalische Entsprechung des Führungsprinzips: Alles ist einer einzigen Grundidee unterworfen".
Die Behörden akzeptierten Klenaus Erklärung und erlaubten die Uraufführung von drei seiner Opern in den Dreissigern, darunter die Oper 'Rembrandt van Rijn' von 1937.

Uraufführung 'Rembrandt van Rijn'-
(Stuttgart 1937). Mit Rembrandt, seiner Frau Hendrickje,
Cornelia (links) und Cornelis (rechts)
Über die Aufnahme:
Rudolf Schock nahm am 3. April 1978 die Arie von Cornelis* auf.
Das Liebeslied stammt aus der 2. Szene des 2. Aktes der Oper.
Im Video habe ich ein Bühnenbild-Anzeige von Paul von Klenau für diese Szene erwähnt und befolgt. Er wünschte sich in der Szene das Gemälde 'Die Mühle' von Rembrandt als Hintergrund auf der Bühne.

Schocks Stimme ist in einem ziemlich halligen Klangrahmen enthalten. Dadurch wirkt die Stimme eigentlich zu groß.
Ein einziges Mal muss er auch einer höheren Note einen zusätzlichen Schub geben.
Die Ausführung ist aber ausdrucksstark. Je mehr man die Arie hört, desto schöner wird sie.
Sie klingt übrigens harmonisch (!) und das passt genau zu dem, was Von Klenau oben über die eigene Zwölftonmusik gesagt hat.

* 'Cornelis' hat wirklich gelebt: Der Maler Cornelis Suythof heiratete 1670 im Alter von 24 Jahren die 16-jährige Cornelia van Rijn und wurde damit Rembrandts Schwiegersohn.
Später wanderte er mit seiner Frau nach Niederländisch-Ostindien aus.
Cornelia und Cornelis starben 1684 bzw. 1691 in Batavia - heute Jakarta.

>'Die Uhr', Opus 123-Nr. 3, Lied (1852) von Carl Loewe (1796-1869) zu einem Gedicht von Johann Gabriel Seidl (1804-1875):















"Ich hätte auch gerne eine solche Uhr!"
soll ein kleiner Junge aus dem Publikum begeistert ausgerufen haben, nachdem Tenor Carl Loewe das eigene Lied "Die Uhr" gesungen hatte.
Ein weises Lied, das Rudolf Schock 1964 mit Orchester und 1980 mit Klavierbegleitung von Ivan Eröd auf der Schallplatte sang.

Der Gedichttext stammt von Johann Gabriel Seidl, von dem Franz Schubert auch eine Reihe von Gedichten vertonte (darunter "Der Wanderer an den Mond", "Sehnsucht" und "Die Taubenpost").

"Die Uhr" geht über die Lernreise eines Menschen durch die Zeit, die durch ein Uhrwerk in Form einer Westentaschenuhr symbolisiert wird. Ein Mensch, der das Leben einmal dankbar angenommen hat und es, nachdem er es gelebt hat, genauso dankbar wieder in die Hände seines Schöpfers legt.
Ein "Lied des Lebens", das in seiner Einfachheit absolut aufrichtig ist. Von bleibendem Wert. Nicht sentimental, sondern grundehrlich.

Schocks Auftritt 1964 mit Orchester unter Werner Eisbrenner dauert fast eine Minute länger als die aus dem Jahre 1980. Überlegen gesungen. Ist aber ausgedehnter und bekommt durch ein paar Falsett-Momente doch noch einen Hauch von Sentimentalität.

Die Aufführung von 1980, die Ivan Eröd (1936-2019) hervorragend am Klavier begleitet, klingt anders.
Einfacher, direkter.
Alter und Lebenserfahrung singen mit.
Der Sänger identifiziert sich mit dem sterblichen Besitzer der Uhr.
Die Stimme ist sicherlich nicht mehr so ​​wie 1964. Aber die Darstellung übertrifft sie.

> 'Tom der Reimer' Opus 135a von Carl Loewe. Der Text ist von Theodor Fontane. Ivan Eröd begleitet Rudolf Schock am Klavier. Es ist Schocks letzte bedeutende Tonaufnahme.



Krijn de Lege, 21.4.2020

RUDOLF SCHOCK'S SOUND RECORDINGS AT ADVANCED AGE (1)

'The Clock/Die Uhr'  by Carl Loewe:

Naturely Rudolf Schock's voice changed over the years.
He himself said about it: "... my voice has remained deployable, aware of changed possibilities ...".
As is known, his great years were in the period 1946 - 1964.

'Tom the Rymer' by Carl Loewe:


Then - at the age of 48 - the voice quality slowly but surely regressed.
But his vocals continued to fascinate thanks to intuitively flawless approach to widely divergent genres of music and honest very intelligible presentation. Until his death.

On YouTube I covered that in the last part of the documentary 'Rudolf Schock: I sing that too!' and in a lot of separate audio videos.
I am therefore not surprised that some of them are listened to exceptionally much.
This also applies to the two (reworked) parts from Franz Schubert's 'Deutsche Messe ' in 1973, to 'Im Kahne' by Grieg also in 1973, to Kálmán's opera-like 'Komm Zigane' live from the Amsterdam Concert Hall in 1985 and to Norbert Schultze's 'Goodnightsong' in 1986.

Recordings of the singer at an advanced age:
> 'Gutenachtliedchen/Goodnightsong' (1948) by Norbert Schultze (1911-2002):
















The lullaby is a reminder of the German soldiers ("Heimkehrer") returning from captivity in the years after the Second World War.
Rudolf Schock sang it in his year of death 1986 in a radio broadcast on the 75th anniversary of the composer Norbert Schultze.

Schultze, composer of the world famous soldier song 'Lily Marleen' (1938), turned into a not insignificant propagandistic cog in the war machine of the German Nazi regime.
After the war, judges classified him in the context of the "Entnazifizierung" as "Mitläufer/foot soldier".
A fact is, that he leaved by will all the money he received between 1933 and 1945 to the German Red Cross.
Schultze wrote his 'Gutenachtliedchen' as early as 1948, but did not publish it. Until 1986 and he accompanies Rudolf Schock at the piano in this late world premiere.

> 'Es neigt sich der Tag/The Day is coming to an End', aria by Cornelius Suythof from the opera 'Rembrandt van Rijn' (1937) by Paul von Klenau (1883-1946):
















RUDOLF SCHOCK: "I got to know the aria through an old gramophone record by the tenor Marcel Wittrisch (1901-1955).
With this and with the help of a few surviving violin fragments - the orchestral material had been lost during the war - my friend Fried Walter (Schock's conductor) has carefully reconstructed the score, thereby saving from oblivion a particularly fine example of late romantic opera tradition".

From my blog text: 'RS SINGS ALBAN BERG': "The usual way of composing is based on the seven well-known tones, which together form a scale. The FIRST TONE of that scale is the CENTRAL TRIBE TONE. The six other tones are related to the tribe tone, as if moving towards that tribe tone. The listener has the experience that a piece of music "is right".
The 12-tone music has NO central tribe tone. The twelf tones are in equal relationship to each other. The listener experiences such a piece of music as "not right, not harmonious and inaccessible".

PAUL VON KLENAU: "My 12 tone theory is determined by keys. I make my 12 tone rows in such a way that I can easily extract harmony (!), disharmony and combinations of more independent melodic lines ... That explains that many critics have no idea that my music is 12-tone music".

About von Klenau:
Danish born conductor and composer Paul von Klenau was attracted to the late romantic German/Austrian music style.
He went to live in Vienna, met Arnold Schönberg & Alban Berg and was attracted by their 12-tone music. When the Nazis came to power, Schönberg left Austria and was naturalized as an American citizen. In Germany his music and that of Alban Berg were declared "entartet/degenerated" and forbidden.
The Dane Von Klenau felt safe, because his 12-tone music was hardly recognizable as such.
Capriccio Kulturforum 2020: "When he was then called to account by the national socialist culture authorities, he defended himself with the statement: "The 12-tone sequence is the musical equivalent of the principle of leadership (the "Führerprinzip"): Everything is subject to a single basic idea".

The authorities accepted Klenau's explanation and allowed the premiere of three new operas in the thirties, including the 1937 opera 'Rembrandt van Rijn'.


Premiere of 'Rembrandt van Rijn'
(Stuttgart 1937).
With Rembrandt, his wife Hendrickje,
Cornelia (left) and Cornelis (right)

About the recording:
Rudolf Schock recorded the aria of Cornelis* on April 3, 1978.
The love song is from the second scene of the second act of the opera.
In the video I mention and follow a set design from Paul von Klenau for this scene. He wanted to have the painting 'The Mill' by Rembrandt on the stage as a background.

Schock's voice is contained in a rather hefty sound frame. This makes the voice louder then normal. Occasionally he has to give an extra push to a higher note. But the total performance is nicely expressive. The more you hear the aria, the more beautiful it becomes. She sounds harmonious (!) and that fits in with what Von Klenau said about his 12 tone music.

* 'Cornelis' really existed: The painter Cornelis Suythof married in 1670 at the age of 24 the 16-year-old Cornelia van Rijn and thereby became Rembrandt's son-in-law.
Later he emigrated with his wife to the Dutch East Indies.
Cornelia and Cornelis died in Batavia - nowadays Jakarta - in 1684 and 1691 respectively.

>'The Clock/Die Uhr', opus 123-nr. 3, song (1852) by Carl Loewe (1796-1869), to a poem by Johann Gabriel Seidl (1804-1875)




"I would like to have such a watch too!"
is said to have proclaimed a boy from the audience, after tenor Carl Loewe recited his own "song of life" "Die Uhr".
A remarkable song, which Rudolf Schock recorded with orchestra in 1964 and in 1980 with piano accompaniment by Ivan Eröd.

The poem text is by Johann Gabriel Seidl, of whom Franz Schubert also set a number of poems to music (including 'Der Wanderer an den Mond' 'Sehnsucht' and 'Die Taubenpost').

"The clock" is about a human’s learning  journey through time, which is symbolized by a clock in the form of a vest pocket watch. A human who has once gratefully accepted life and, after living it, puts it back gratefully in the hands of his maker.
Hence I call this song a "song of life", which is utterly sincere in its simplicity. Of lasting value. Not sentimental, but honest.

Schock's performance in 1964 with orchestra under Werner Eisbrenner lasts almost a minute longer than that of 1980. Sung in a superior way. But is more drawn out and gives it a touch of sentimentality through a few falsetto moments.
The 1980 performance, superbly accompanied on the piano by Ivan Eröd (1936-2019), sounds different. It is simpler, more direct. Age and life experience sing along. The singer identifies with the mortal owner of the watch. The voice is certainly no longer what it was in 1964. However, the interpretation exceeds her.

>'Tom the Rhymer', opus 135a by Carl LOEWE with lyrics of Theodor FONTANE:       
    


Iván Eröd accompanied on the piano Rudolf Schock's last major record recording.

Krijn de Lege, 21.4.2020

25.02.20

2.0 RUDOLF SCHOCK & CHARLES GOUNOD 2.0

Rudolf Schock sings the Cavatine from 'Faust et Marguerite':



BEING YOUNG AGAIN!
Mephistopheles - a devil of a demon – has for Faust two one-time offers: A second youth and the blood-young Marguerite.
The ancient scholar Faust seizes his chance and pays the highest price: his soul!

NOCH EINMAL JUNG SEIN!
Mephistopheles - ein Teufel eines Dämons – bietet Faust eine zweite Jugend und dazu die sehr junge Marguerite als einzigartiges Angebot an.
Der gelehrte Greis nutzt seine Chance und zahlt den höchsten Preis: seine Seele!

NOG EENMAAL JONG ZIJN!
Mephistopheles – een duivel van een demon -  biedt Faust twee unieke aanbiedingen aan:
Een tweede jeugd en de bloedjonge Marguerite.
De geleerde grijsaard Faust grijpt zijn kans en betaalt de hoogste prijs: zijn ziel!

E N G L I S C H :
November 2012, I published on YouTube my first two Rudolf Schock video's with music of Charles Gounod
February 2020, the number of views was a reasonable 3000, but the video's were due for replacement.
My intention is, that a music video must be a valuable addition to an audio recording. Well-chosen images can - especially if your screen is not too small - enhance the listening experience.
My old Gounod videos could not do that.

Also, I wanted to come to interaction between my YouTube video's and Blog texts.
That is, why I have shortened and split the blog article "RS Sings Gounod" into two parts:

The first part introduces Gounod, zooms in on the 'Ave Maria' by Bach/Gounod and describes the history of Gounod's 'Spring song' ( L I N K :
https://tenorschock.blogspot.com/2012/11/rudolf-schock-charles-gounod-1.html). 

The second part focuses on Gounod's opera 'Faust' ( L I N K :
https://tenorschock.blogspot.com/2012/11/rudolf-schock-charles-gounod-2.html).

On YouTube I replaced the old Rudolf Schock/Charles Gounod videos with new ones.

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Übersetzung Text auf YouTube zum Frühlingslied-Video!

Aus einer Zeitschrift um 1900:
Es ist 1894. Ich bin in einem Café chantant.
Eine junge Frau singt mit frischer Stimme ein altes Lied von Charles Gounod:
"Liebchen komm mit in's duft’ge Grün".
Erinnerungen kommen in mir hoch.

Ein Bild meiner ersten Kindheit:
Ich höre das Lied in einer kleinen Stadt.
In den menschenleeren Straßen wächst zwischen den Steinen Gras.
Ein langsam fließender Bach spielt mit den Wasserpflanzen.
In mir ist ein schüchternes Verlangen ...

Das Bild eines jungen Mädchens, das am Flügel Gounods Lied singt.
Sie ist blass und zierlich. Hat einen stolzen Blick.
Eveline! Sie erschien mir wie ein Engel, der sich über den Staub der Erde erhebt,
ich liebte sie und eine innerliche Stimme rief ihr zu:
"Liebchen, komm mit in's duft’ge Grün ...".

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D E U T S C H :
November 2012 habe ich meine ersten beiden Rudolf Schock-Videos mit Musik von Charles Gounod auf YouTube veröffentlicht.
Februar 2020 erreichten sie die vernünftige Anzahl von 3000 Views, aber ich urteilte, sie müssten ersetzt werden.
Meine Meinung ist nämlich, ein Musikvideo sollte eine wertvolle Ergänzung zu einer Audioaufnahme sein. Ausgewählte Bilder können - insbesondere wenn das Bildschirm nicht zu klein ist - das Hörerlebnis verstärken.
Die alten Gounod-Videos konnten dem nicht gerecht werden.

Auch wollte ich zur Interaktion zwischen YouTube-Video und Blog-Text kommen.
Deshalb kürzte ich den Blog-Artikel "RS Sings Gounod" und teilte ihn in zwei Teile:

Der erste Teil introduziert Gounod, zoomt auf das 'Ave Maria' von Bach/Gounod hinein und beschreibt die Geschichte von Gounods 'Frühlingslied' (L I N K :
https://tenorschock.blogspot.com/2012/11/rudolf-schock-charles-gounod-1.html).

Der zweite Teil konzentriert sich auf Gounods Oper 'Faust' ( L I N K :
https://tenorschock.blogspot.com/2012/11/rudolf-schock-charles-gounod-2.html).

Auf YouTube ersetzte ich die alten Rudolf Schock/Charles Gounod-Videos durch neue.

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Vertaling tekst op YouTube bij de Lentelied-video!

Uit een tijdschrift van rond 1900:
“Het is 1894. Ik zit in een café chantant.
Een jonge vrouw zingt een lied van Charles Gounod:
‘Liefste, kom met mij mee in het geurige groen’.
Herinneringen komen in mij op.

Een beeld van mijn eerste jeugd.
Ik hoor het lied in een verlaten stad.
Gras groeit tussen de stenen.
Een langzaam stromende beek speelt met de waterplanten.
In mij is een schuchter verlangen …

Het beeld van een meisje, dat aan de vleugel Gounod’s lied zingt.
Ze is bleek en tenger. Heeft een trotse blik.
Eveline! Ze kwam mij voor als een engel, die zich boven het stof der aarde verheft.
Ik beminde haar en een stem in mij riep: “Liebchen, komm’ mit in’s duft’ge Grün …”.

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N E D E R L A N D S :
November 2012 publiceerde ik op YouTube mijn eerste twee Rudolf Schock-video's met muziek van Charles Gounod. 
Februari 2020 stond het weergave-aantal daarvan op een redelijke 3000, maar  ze waren aan vervanging toe. 
De bedoeling is namelijk, dat een muziekvideo een waardevolle aanvulling moet zijn op een audio-opname. Goed gekozen beelden kunnen - vooral als je scherm niet te klein is - de luisterbeleving versterken. 
Mijn oude Gounod-video's konden dat niet waarmaken.

Verder wilde ik tot een wisselwerking komen tussen YouTube-video en blogtekst.
Daarom heb ik het blogartikel ''RS zingt Gounod" ingekort en gesplitst in twee delen:

Het eerste deel leidt Gounod in, zoemt in op het 'Ave Maria' van Bach/Gounod en beschrijft de historie van Gounod's 'Lentelied' (L I N K :  https://tenorschock.blogspot.com/2012/12/rudolf-schock-charles-gounod-1.html).

In het tweede deel staat Gounod's opera 'Faust' centraal ( L I N K :  https://tenorschock.blogspot.com/2012/12/rudolf-schock-charles-gounod-2-faust-et.html).

Op YouTube verving ik de twee oude Rudolf Schock/Charles Gounod-video's door twee nieuwe.

Krijn de Lege, 26.2.2020

06.01.20

Rudolf Schock, der Tenor und seine Salonlieder/The Tenor and his Salon Songs

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My first gramophone record with Rudolf Schock was the 10-inch LP
 “The Tenor and his Songs”.
The five SALON SONGS on the 2nd side hit me, a 12-year old boy, right into the heart.

Im zwölfjährigen Alter hörte ich Rudolf Schock zum ersten Mal auf Schallplatte.
“Der Tenor und seine Lieder” (Plattentitel!) trafen mich mitten ins Herz. 
Besonders die fünf  'SALONLIEDER' 
auf der B-Seite machten bleibend tiefen Eindruck.

Toen ik twaalf jaar was, hoorde ik Rudolf Schock voor de eerste keer op de grammofoonplaat.
Van de LP 'Der Tenor und seine Lieder' maakten de vijf liederen aan de b-kant enorme indruk op mij.
Van 'Salonliederen' had ik toen nog nooit gehoord.

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The five salon songs/Die fünf Salonlieder/De vijf salonliederen:

1) 'Es muss ein Wunderbares sein' Liszt/Von Redwitz
     Wilhelm Schüchter, conductor/Helmut Heller, violin 

2) 'Serenata (Regret/Rimpianto)' Toselli/(Bohm?)
       Werner Eisbrenner, conductor/MaxKayser, violin 

Max Kayser









3) 'La Paloma (Mich rief es an Bord)' De Yradier 
Werner Eisbrenner, conductor

T O E L I C H T I N G (nederlands):

Lied van LIEFDE en DOOD, HOOP en TROOST
1ste couplet:
Nina is bang, dat haar geliefde op zee omkomt.
Deze weet echter, dat dan een witte duif naar haar toe vliegt.
Met haar zal zijn ziel bij Nina zijn!

REFREIN (“Auf Matrosen …”):
Onbezorgd is hij op de wilde zee.

2e couplet:
Thuisgekomen staat hij diep geschokt aan Nina’s graf.
Plotseling herinnert hij zich, dat hij op zee droomde van een witte duif, die naar hem toe vloog.
Die duif moet Nina zijn geweest!
Met haar zal Nina’s ziel nu voor altijd bij hem zijn!

REFREIN ("Auf Matrosen ..."):
Hij is getroost!
Zwarte gedachten verdwijnen in storm en wind …


E R L A Ü T E R U N G (deutsch):
 
Lied von LIEBE und TOD,  HOFFNUNG und TROST

1. Strophe:
 Nina hat Angst, ihr Geliebter gehe auf See zugrunde.
 Dieser weiß jedoch, eine weiße Taube werde dann zu ihr fliegen.
 Mit ihr werde seine Seele bei Nina sein!

REFRAIN ("Auf Matrosen ..."):
Sorgenfrei ist er auf dem wilden Meer.

1    2.  Strophe:
     Daheim steht er tief erschüttert am Grabe seiner Geliebten.
     Dann trifft ihn die Erinnerung!
     Er träumte auf See von einer weißen Taube, die auf ihn zuflog.
     Diese Taube  musste Nina gewesen sein.
     Mit ihr wird Ninas Seele jetzt für immer bei ihm sein!  

REFRAIN (“Auf Matrosen …”):
Er hat Trost gefunden! Schwarze Gedanken ”fliehen uns geschwind wie Sturm und Wind ...”

4) 'Musica Proibita (Verbotener Gesang)' Gastaldon
Wilhelm Schüchter, conductor

T O E L I C H T I N G (nederlands):
De twintigjarige Stanislao Gastaldon schreef zijn succeslied in 1881 voor SOPRAAN-stem.
Merkwaardigerwijs veranderde het in de loop der jaren in een geliefd lied voor TENOREN als Caruso, Gigli, Pavarotto, Del Monaco, Schock, Di Stefano en Domingo.

In de eerste twee coupletten ziet en hoort een meisje vanaf het balkon elke avond een jongeman, die haar een hartstochtelijke serenade brengt.
Ze wordt hevig verliefd op de zanger en zijn lied. Dolgraag zou zij het lied ook willen zingen, maar haar moeder verbiedt het haar om een reden, die het meisje niet begrijpt (waarschijnlijk, omdat haar moeder een uiterst ongelukkige liefde heeft gekend).

In het derde couplet, grijpt het meisje haar kans, wanneer haar moeder niet thuis is. Nu kan ze eindelijk het lied zingen ("de ernstige ogen ...")!
Het vierde couplet: Weer zingt de jongeman zijn verleidelijke serenade onder het balkon ...

E R L A Ü T E R U N G (deutsch):

Der 20-jährige Stanislao Gastaldon schrieb 1881 sein Erfolgslied für SOPRAN-Stimme.
Im Laufe der Jahre hat es sich seltsamerweise in ein beliebtes Lied für TENÖRE wie Caruso, Gigli, Pavarotto, Del Monaco, Schock, Di Stefano und Domingo verwandelt.

In den beiden ersten Versen sieht und hört ein Mädchen vom Balkon jeden Abend einen jungen Mann, der ihr eine leidenschaftliche Serenade bringt.
Sie verliebt sich in den Sänger und sein Lied. Sie würde das Lied auch sehr gerne singen, aber ihre Mutter verbietet es ihr aus einem Grund, den das Mädchen nicht versteht (wahrscheinlich hat ihre Mutter eine äußerst unglückliche Liebe gekannt).

Im dritten Vers nutzt das Mädchen ihre Chance, wenn ihre Mutter nicht zu Hause ist.
Jetzt kann sie endlich das Lied singen ("die ernsten Augen ...")!
Der vierte Vers: Wieder singt der junge Mann seine verführerische Serenade unter dem Balkon ...

5) 'Still wie die Nacht' Bohm
Otto Dobrindt, conductor       

T o e l i c h t i n g:

Een volkomen onderwerping aan onvoorwaardelijke liefde!

De naam van de dichter is onbekend, de tekst waarschijnlijk een Duits liefdesrijm uit de 15e/16e eeuw.
Carl Bohm, zeer gerespecteerd componist/pianist in de 2e helft van de 19e eeuw, zette het kleine gedicht op muziek voor stem en piano (Liederen: ‘Opus 326, nr. 27’).

E r l ä u t e r u n g:
Eine vollkommene Ergebung in unbedingte Liebe!

Der Name des Dichters ist unbekannt, der Text wahrscheinlich ein altdeutscher Liebesreim aus dem 15. oder 16. Jht.
Carl Bohm, sehr respektierter Komponist/Pianist in 2. Hälfte des 19. Jhts., vertonte das kleine Gedicht für Gesangstimme und Klavier (Lieder: ‘Opus 326, Nr. 27’). 

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Über die Salonmusik:

G E R M A N  T E X T:

Die 'Salonmusik' des 19. Jhts. war eine Fortsetzung der 'Kammermusik durch und für den hohen Adel' aus dem 17. und 18. Jht.

Franz Schubert z.B.  schrieb Musik, die Zeitgenossen in den Salons der wohlhabenden Bürgerschaft ausführten.
Er machte sich dabei gar keine Gedanken über Lieder, die Musikkritiker später als “gehoben” oder “populär” klassifizieren sollten.
Er komponierte für seine Fans und Freunde und war in seiner Zeit ganz einfach populär, genauso wie ein paar Jahrzehnte davor Mozart.

Im fortschreitenden 19. Jht. entwickelte sich die Salonmusik zu einem Wühltisch mit allerhand eingängigem Ohrenschmaus.
Ausser zugänglichen Kunstliedern (wie Bohms 'Still ist die Nacht' und Giordanis 'Caro mio ben'), Kammermusik und virtuosen Klavierwerken (Chopin!) rechnete man allmählich ebensogut gefühlvolle Volks-, Opern- und Operettenlieder dazu.
Diese Lieder wurden nicht nur gesanglich, sondern auch in geglätteten Kammermusikversionen dargeboten: z.B. Arien/Lieder von Von Flotow, Massenet, Godard und Ganne, Händels 'Largo', Gastaldons 'Musica Proïbita', Tosellis 'Serenade' De Yradiers 'La Paloma' und Liszts ‘Es muss ein Wunderbares sein’ .  

N E D E R L A N D S E  T E X T:

De "SALONMUZIEK" van de 19e eeuw is een voortzetting van de "kamermuziek door en voor de hoge adel' van de 17e en 18e eeuw.

Een componist als Franz Schubert schreef kamermuziek en liederen, die door tijdgenoten in de salons van de welgestelde burgerij werden uitgevoerd.
Schubert maakte geen onderscheid tussen "echte kunst" en "entertainment". Hij schreef eenvoudigweg voor zijn vrienden en fans en was in zijn tijd buitengewoon populair evenals Mozart een paar decennia eerder.
Pas later begonnen muziekrecensenten te wikken en te wegen. Ze classificeerden: dat lied was populair, maar daarom nog niet goed. De liederen echter van die en die waren van een veel hoger artistiek niveau.

In de voortschrijdende 19e eeuw ontwikkelde de salonmuziek zich tot een
grabbelton uitgroeide voor allerlei uitingen van aangenaam in het oor liggende muziek.
Naast toegankelijke liederen zoals Carl Bohm's 'Still wie die Nacht' en Giordani's 'Caro mio ben', lichtvoetige kamermuziek en pianocomposities rekende het muziekpubliek gevoelige volkliedjes, opera-aria's en operetteliederen ook tot de salonmuziek.



E N G L I S H  T E X T:

The 'SALON MUSIC' of the 19th century is a
continuation of the 'chamber music through and
for the high nobility’ of the 17th and 18th
centuries.

A composer like Franz Schubert wrote chamber
music and songs, that contemporaries
performed in the salons of the wealthy
citizenship.
Schubert made no distinction between "real art"
and "entertainment". He wrote simply for his
friends and fans and was very popular as well as
Mozart a few decades before.

In the progressing 19th century salon music
developed to a garbage table with all kinds
of catchy ear candy.
Out of accessible art songs like Bohm's
'Calm as the night' or Giordani's 'Caro mio ben'
and a lot of chamber music and piano works
people counted sensitive folk, opera - and operetta songs
to salon music just as well.

Krijn de Lege, 6.1.2020/28.1.2020/10.2.2020/30.12.2021