16.04.08

RUDOLF SCHOCK SINGT LUDWIG VAN BEETHOVEN (1)


LUDWIG VAN BEETHOVEN (1770-1827)

Der Buchstabe B führt mich zum grossen Komponisten Beethoven: dem Musiker von flämischer Herkunft, in Bonn geboren, in Wien gestorben.
Wien: um das Jahr 1800 herum die musikalische Hauptstadt Europas. Die Stadt von Mozart, Haydn und Beethoven. Um 1800 herum auch die Periode, worin Goethe und Schiller die europäische Literatur dominieren.
Ludwig van Beethoven, dessen Hörleiden im Laufe der Jahre zur 'romantischen' Klischeevorstellung werden würde (in Romanen und besonders Filmen, worin dieser Komponist/Dirigent/Pianist UND seine Taubheit eine unveränderliche Rolle spielten), leidet seit dem Jahre 1800 an einer unheilbaren Krankheit, wodurch es ihm in zunehmendem Masse unmöglich wird, sich den eigenen Kompositionen anzuhören. Nach dem Jahre 1819 hört er gar nichts mehr.

Er hat den Wunsch, auch Opern zu komponieren, z. B. eine Faust-Oper (nach Goethe) oder eine Macbeth-Oper (nach Shakespeare), aber es bleibt letzten Endes bei einer einzigen Oper. Eine Oper, die mühsam zustande kommt. Das Werk kennt 3 Fassungen und 4 Ouvertüren. Die 1. Fassung aus dem Jahre 1805 hat 3 Akten und heisst 'Leonore'. Die 2. und 3. Fassung aus bezw. den Jahren 1806 und 1814 haben 2 Akten und heissen 'FIDELIO'. Beethoven versucht immer wieder unter Zuhilfenahme verschiedener Texte und 'des Roten Bleistifts' die Handlung zu beschleunigen. Zugleich vertieft sich die Sicht auf das Thema. Der Charakter des musikalischen Schauspiels ändert sich. Anfangs läuft die Opernhandlung irdisch und konkret ab. Später spielt sich das Werk auf abstrakterem, höherem Niveau ab. Allmählich gerät die Oper unter den Einfluss der damaligen grossen, politischen Veränderungen in Europa. Beethoven lässt sich vom Freiheits- und Gleichheitsideal UND von Friedrich Schillers Ideen inspirieren. Schiller betont, die Freiheit des Andern dürfe beim Freiheitsstreben des Individuums nie aus den Augen verloren werden. Jedermanns persönliche Freiheit werde von der Freiheit des Andern eingeschränkt. Die Freiheit des Menschen sei unter allen Umständen eine 'Freiheit in Gebundenheit' (Vgl. Schillers 'Ode an die Freude' mit dem berühmten Statement 'Alle Menschen werden Brüder' im opernhaften (!) Finale der Neunten Beethoven-Symphonie).

Wie wir heute 'Fidelio' (in der endgültigen Fassung aus dem Jahre 1814) kennen, haben die sich ändernden Zeiten, worin das Werk sich entwickelte, überdeutlich Spuren hinterlassen:
Die sechseinhalb Minuten dauernde Ouvertüre ist die der letzten Fassung, aber in mancher Ausführung wird mitten im 2. Akt, dem Opernfinale vorangehend, eine als 'Leonore 3' bezeichnete zweite Ouvertüre gespielt. Diese Ouvertüre war eigentlich für die 2. Premiere im Jahre 1806 gemeint, aber bei näherer Betrachtung fand Beethoven sie doch zu lange dauern, und das ist verständlich, weil sie mehr als 15 Minuten zählt! Es ist auf den ersten Blick denn auch erstaunlich, dass Dirigent/Komponist Gustav Mahler und später u.a. Dirigent Wilhelm Furtwängler diese 3. Leonore-Ouvertüre als ZWISCHENSPIEL mitten im 2. Akt der Oper ausführen lässen! Bei der Besprechung der Furtwängler-Aufnahmen komme ich gerne darauf zurück.

Die Dialoge und die vokalen Nummern im ersten Teil der Oper (Duett Jaquino-Marzelline, Arie von Marzelline und Roccos Arie 'Hat man nicht auch Gold beineben') haben in bezug auf den Stil ihren Ursprung in der Tradition der so genannten 'Spielopern': komischer Opern mit gesprochenen Texten und irdischen Themen. Marzelline ( Vgl. Ännchen in Von Webers 'Freischütz', aber auch die nach Liebe schmachtenden Mädchen bei Lortzing und Von Flotow) hat sich ernsthaft in 'Fidelio' verliebt, von dem sie denkt, 'er' sei ein Mann. Rocco, Marzellines Vater, meint, 'Fidelio' sei eine gute Partie für seine Tochter, weil 'dieser' imstande ist, gut mit Geld umzugehen. Jaquino hat dagegen das Nachsehen: Er möchte Marzelline für sein Leben gern heiraten, aber umgekehrt ist das gar nicht der Fall. Die Bravourarie des schurkischen Pizarro (1. Akt Nr. 8) ist wieder kennzeichnend für einen andern Stil, und zwar den italienischen.
Das monumentale Marzelline-Leonore-Rocco-Jaquino-Quartett 'Mir ist so wunderbar'(1. Akt Nr. 3) ist, was die Form betrifft kennzeichnend für den Beethoven-Stil, aber die sich völlig voneinander unterscheidenden Textinhalte der vier gesungenen Monologe, die auf ingeniöse Weise musikalisch mit- und ineinander verflochten sind, bleiben - mit Ausnahme von Leonores Monolog - der Erdoberfläche nahe.
Erst beim Chor der Gefangenenen im 1. Akt (Nr. 11: 'O, welche Lust') ändert sich die Atmosphäre der Oper. Der Begriff 'Freiheit' ist aber auch in diesem Moment noch nicht viel mehr als eine Befreiung aus der Gefängniszelle.





















Im 2. Akt ist alles anders. Die Handlung konzentriert sich auf den politischen Gefangenen Florestan und seine heroische Gattin Leonore, die ihren Geliebten mit dem Körper schützt in dem Augenblick, da Pizarro ihn ermorden will. Sofort schon - im Anfang der 2. Akt - klingt die Musik der Verzweiflung. Diese Verzweiflung wird vom Tenor im ersten Teil seiner grossen Arie ('Gott! Welch Dunkel hier!') weitergeführt. Im Zwischenteil erinnert sich Florestan mit Wehmut an glücklichere Tage: 'In des Lebens Frühlingstagen'. Dann verwandelt sich die Musik radikal: Erst das Orchester und dann der Tenor jubeln vor Begeisterung: 'Und spür' ich nicht linde sanft säuselnde Luft!' Leonore erscheint vor Florestans geistigem Auge wie ein Engel im Grabe, der ihm die himmlische Freiheit schenkt. Absolute Verzweiflung löst sich in göttlicher Herrlichkeit auf! Die Liebe für eine heroische Frau, eine Liebe die vom Himmel gegeben und nicht von dieser Erde ist, befreit den Menschen. Die Stimmen von Florestan und Leonore vereinigen sich im leidenschaftlichen Duett: 'O namenlose Freude!'

DIE FIDELIO-AUFNAMEN MIT RUDOLF SCHOCK
Es gibt VIER mehr oder weniger vollständige Aufnahmen mit Rudolf Schock. In all diesen Aufnahmen singt Schock die kleinere (Haupt)Rolle des jungen Gefängnisportiers Jaquino. Daneben gibt es eine Stereo-Studio-Aufnahme der Florestan-Szene einschliesslich der Introduktion für Orchester (Anfang 2. Akt).
Von den vier Fidelios sind drei Aufnahmen live: Salzburg 3.8.1948 unter Wilhelm Furtwängler, Wien 5.6.1953 unter Herbert von Karajan und Wien 12.10.1953 unter Furtwängler.
Die einzige vollständige Studio-Aufnahme ist zwischen dem 13. und 17. Oktober 1953 auf Schallplatte (Electrola/Emi) festgehalten, und wird auch von Furtwängler dirigiert. Die Sängerbesetzung stimmt nahezu mit jener der Live-Ausführung vom 12. Oktober 1953 überein.

1948: Live-Salzburg am 3. August (u.a. CD auf TAHRA unter nr. FURT 1047-1048) mit Erna Schlüter (Leonore), Lisa della Casa (Marzelline), Julius Patzak (Florestan), Ferdinand Frantz (Don Pizarro), Otto Edelmann (Don Fernando), Herbert Alsen (Rocco), Hermann Gallos (1. Gefangene), Kart Dönch (2. Gefangene) und WILHELM FURTWÅNGLER (Dir.)















Diese Aufnahme der Salzburger Festspiele aus dem Jahre 1948 ist tontechnisch akzeptabel, aber die Nummern 5 - 8 des 1. Aktes fehlen. Es gibt mehrere Produzenten, die diese unvollständige Aufnahme herausgebracht haben. Die Tonqualität ist überall dieselbe. Meine 'Fidelio-1948' ist eine Veröffentlichung des französischen Tahra-Labels.

Der legendäre Dirigent Wilhelm Furtwängler (1886-1954) hält die Tempi ziemlich langsam. Die Dialoge sind vollständiger als in den späteren Aufnahmen.
Erna Schlüter (1904-1969) als Leonore singt mit starkem Vibrato und macht auch darstellerisch geringeren Eindruck als Martha Mödl in den anderen drei Aufnahmen.

Julius Patzak (1898-1974) ist ein idealer Florestan. Er öffnet die Arie 'Gott! Welch Dunkel hier!' buchstäblich-meinen Atem -beraubend (crescendo: zuerst ganz leise, dann zunehmende Tonstärke). Der Arienschluss ist tatsächlich eine Klimax. Wohl - und das macht Wolfgang Windgassen in den übrigen Aufnahmen anders - klingt Patzak im Finale der Oper äusserst vital. Für einen, der nach Hunger und langwieriger Gefangenschaft sehr geschwächt sein muss, scheint mir dies eine übernatürlich schnelle Besserung zu sein.
Ferdinand Frantz (1906-1959) und Otto Edelmann (1917-2003) singen die beiden, einander entgegengesetzten Rollen des bösartigen Gefängnisdirektors Don Pizarro und des gerechten Ministers und Bringers glücklicher Zeiten Don Fernando. Frantz ist ein echter Heldenbariton, und das gehört sich so. Edelmann ist ein echter Bass-Bariton von grossherzigem Format und das gehört sich auch so.

Lisa della Casa (1919-) ist eine vortreffliche Marzelline, und der Gefängnisaufseher Rocco, ihr Vater, wird genauso vortrefflich vom Bassisten Herbert Alsen (1906-1978) gesungen. Alsen mutet in seinen Dialogen aber wohl ziemlich väterlich-brav an.
Der Gefangenenchor singt kräftig, und Hermann Gallos (1886-1957) und Karl Dönch (1915-1994) als die zwei Gefangenen sind stark unterschiedlich, aber beide gut. Gallos bedient sich einer Art von 'Sprechgesang', und Dönch warnt expressiv vor Übermut.
Auf RUDOLF SCHOCK in der JAQUINO-ROLLE komme ich weiter im Text nach Besprechung der vier Aufnahmen zurück.

1953: Live-Aufnahme vom 5. Juni aus dem Saal des Wiener Musikvereins (WALHALL WLCD 0063) mit Martha Mödl (Leonore), Elisabeth Schwarzkopf (Marzelline), Wolfgang Windgassen (Florestan), Josef Metternich (Don Pizarro), Hans Braun (Don Fernando), Otto Edelmann (Rocco), Erich Majkut (1. Gefangene), Hans Schweiger (2. Gefangene) und HERBERT VON KARAJAN (Dir.)



















Der Sommer vom Jahre 1953 trennt diese konzertant ausgeführte 'Fidelio' von der Live-Aufnahme aus dem Theater an der Wien (wo die Wiener Staatsoper bis November 1955 spielte) und der bekannten Studio-Aufnahme, beide unter Furtwängler.
Die Aufnahme ist in bezug auf den Orchesterklang mässig. Die menschlichen Stimmen kommen glücklicherweise besser zur Geltung. Herbert von Karajan (1908-1989) ist an mehren Stellen in der Partitur schneller als Furtwängler im Jahre 1948. Er lässt im Geiste Beethovens im 2. Akt das Zwischenspiel mit der Leonore-3-Ouvertüre aus. Das Quartett 'Mir ist so wunderbar' ist wieder langsamer als bei Furtwängler, aber genauso schön.
Der Schluss des 1. Aktes ist verlorengegangen, aber wird von Walhall durch denselben Teil aus der Furtwängler-Live-Ausführung (12.10.1953) ersetzt. Im Hinblick auf die Spannungen, die es in den frühen Fünfzigern zwischen Von Karajan und Furtwängler gab, hätten beide Dirigenten, wenn sie noch am Leben wären, gegen eine solche Lösung gewiss energisch protestiert.
Die Dialoge fehlen in dieser Aufführung aus dem Konzertsaal. Auch hat Von Karajan dem Publikum vielleicht den Auftrag gegeben, nach den einzelnen Opernnummern nicht zu applaudieren.

Martha Mödl (1912-2001) macht als Leonore grossen Eindruck.
Elisabeth Schwarzkopf (1915-2006) scheint mehr mit technisch vollendetem Gesang als mit der Marzelline-Figur beschäftigt. Im Duett mit Schock (1. Akt Nr. 2) fällt das noch nicht auf. Aber in der Arie danach schleicht schon ab und zu Manieriertheit in ihre vokale Darstellung.

Der Heldentenor von Wolfgang Windgassen (1914-1974) klingt nicht nach dem Alter, das Windgassen im Moment der Ausführung hatte. Sein Florestan ist in seiner Interpretation ja durch langjährige Gefangenschaft älter geworden und sehr geschwächt. Er arbeitet am Ende seiner Szene auf eine wahre Klimax hin.
Josef Metternich (1915-2005) scheint auf das erste Gehör der gegebene Heldenbariton für die Rolle des korrupten Don Pizarro zu sein. Wie Metternich z.B. das Wort 'Mörder' fast röchelnd singt, macht keiner ihm nach, aber dennoch bin ich der Meinung, dass es seiner Pizarro-Darstellung, mit der von Otto Edelmann (1953) verglichen, an Subtilität fehlt.
Otto Edelmann (1917-2003) singt jetzt nicht wie im Jahre 1948 den grossherzigen Don Fernando, und seine 1953-Aufnahmen als Don Pizarro waren noch nicht gemacht worden. Dieses Mal singt er eine dritte (!) Hauptrolle in 'Fidelio' und zwar die von Rocco. Man könnte sagen, dass er auf der Schallplatte in ein und derselben Fidelio-Aufnahme die drei Bass/Bariton-Rollen hätte singen können. Aber sein Rocco ist eine Enttäuschung. Wenn es sich um reinen Gesang handelt, ist er perfekt (Quartett im 1. Akt!), aber im übrigen bleibt er dem einerseits ziemlich opportunistischen und andrerseits menschlichen und sympathischen Rocco allerhand schuldig. Edelmann kann mit Roccos Charakter nicht zurechtkommen, und bleibt in einem neutralen oratoriumhaften Gesang stecken.
Hans Braun (1917-) ist prima als Don Fernando.

Im Gefangenenchor herrschen das Zaudern und Zittern vor: Man erlebt in Von Karajans Darstellung, wie sich die blinzelnden Augen der befreiten Gefangenen ans Tageslicht gewöhnen müssen. Man versteht den Unglauben, womit sie der Freiheit entgegengehen. Die beiden Gefangenen (Erich Majkut und Hans Schweiger) singen schlotternd vor Angst.

1953: Live-Aufnahme vom 12. Oktober der Wiener Staatsoper aus dem Theater an der Wien (ARCHIPEL ARPCD 0181-2) mit Martha Mödl (Leonore), Sena Jurinac (Marzelline), Wolfgang Windgassen (Florestan), Otto Edelmann (Pizarro), Alfred Poell (Don Fernando), Gottlob Frick (Rocco), Hermann Gallos (1. Gefangene), Franz Bierbach (2. Gefangene) und WILHELM FURTWÄNGLER (Dir.)














Diese 'Fidelio' halte ich für die schönste!
Die Operndialoge sind auf ein Minimum von kaum acht Minuten reduziert worden. Vor Dezennien gab es schon die Schallplatte (auf dem Replica-Label mit dünnem Stereo-Anstrich). Später kamen die CDs. Aber 2003 produziert Archipel eine noch präsentere und wärmer klingende Live-Aufnahme von 'Fidelio'. Die Theateratmosphäre ist möglichst fühlbar und erreicht für mich den Höhepunkt - wie ist das nur möglich! - ausgerechnet bei der Leonore-3-Ouvertüre im Herzen des 2. Aktes.














Hätten Gustav Mahler und Wilhelm Furtwängler dann doch recht gehabt? Zuerst überwältigt ein heftig gesungenes 'O namenlose Freude!' das Wiener Publikum im 20. UND den 'Fidelio'-hörer im 21. Jahrhundert. Dann spielen die Wiener Philharmoniker (wie die Niederländer sagen) 'die Sterne vom Himmel' während einer noch immer mehr als fünfzehn Minuten dauernde Leonore-3-Ouvertüre. Einen ganz kurzen Augenblick gibt es so etwas wie den Anfang donnernden Beifalls, und noch bevor Applaus und Jubelgeschrei die Gelegenheit bekommen, Hören und Sehen vergehen zu lassen, feuert Furtwängler den Startschuss zum grossen und grandiosen Finale ab! Welch ein einmaliger Theatermensch war dieser Dirigent, und wie unrecht hatten/haben die Kritiker, die Furtwängler Trägheit vorwarfen/vorwerfen und ihn mehr einen Oratorien- als einen Operndirigenten fanden/finden! Gesetzt den völlig fiktiven Fall, ich dürfe selber eine 'Fidelio' dirigieren, würde ich ohne Bedenken auch für einen 2. Akt MIT Zwischenspiel wählen.
Ich darf nicht vergessen, zu bemerken, dass Furtwängler 1953 bedeutend schneller ist als im Jahre 1948.

Die Solisten sind ohne Ausnahme mustergültig: Mödl ist aufs neue überzeugend und grossartig als Fidelio/Leonore. Windgassen ist ergreifend. Er durchläuft die verschiedenen Phasen seiner grossen Szene mit skrupulöser Aufmerksamkeit für jedes Detail. Nur die Steigerung am Schluss realisiert er nicht ganz.

















 
Sena Jurinac (1921-) singt Marzelline rührend schön. Sie ist von den drei Marzellinen die eindruckvollste!






Sena Jurinac als Marzelline (1953)











Gottlob Frick(1906-1994) ist ein intelligenter Rocco, der mit seiner 'schwarzen' Bass-Stimme den beiden Seiten des Rocco-Charakters mühelos Form und Inhalt gibt.

Otto Edelmann als Pizarro ist Metternich überlegen, aber übertrifft auch Frantz (1948). Er singt die 'italienische' Arie aus dem 1. Akt agressiv und ist im Gesang genauso wie im Dialog frostig und grimmig. Welch ein Unterschied mit der Manier, worauf er unter Von Karajan den Rocco NICHT charakterisiert!
Alfred Poell (1900-1968) ist mit seiner würzigen Stimme vollkommen glaubhaft als humaner Herrscher, der eine neue und bessere Zeit ankündigt.

Der Gesang des Gefangenenchores unterstricht das graue Schicksal Florestans. Gallos als erster Gefangener wiederholt die feinsinnige Leistung aus dem Jahre 1948 und zweiter Gefangener Franz Bierbach ist ein Bassist, dessen schöne Stimme der von Frick ähnelt.

1953: Studio-Aufnahme vom 13. - 17. Oktober aus dem Saal des Wiener Musikvereins (EMI CLASSICS CHS 764496 2 und auf NAXOS 8.111020-21) mit DENSELBEN SOLISTEN UND DEMSELBEN DIRIGENTEN wie in der Live-Aufnahme vom 12. Oktober mit einer einzigen Ausnahme: Der 1. Gefangene wird nicht von Hermann Gallos gesungen. Auch nicht von Alwin Hendricks, wie schon 55 Jahre auf den LP- und CD-Covern seht, sondern von dessen Bruder: Rudolf Schock!






















Diese Studio-Aufnahme legt tatsächlich die Live-Fidelio-Premiere, die einige Tage davor stattfand, fest. Wenn man die Aufnahmen direkt nacheinander hört, ist der Unterschied gross: Die Theater-Atmosphäre am 12. Oktober macht abrupt der relativen Sterilität des Studios-ohne-Publikum Platz (wenn auch dieses Studio sich im Saal des Wiener Musikvereins befindet, wo Von Karajan Juni 1953 seine konzertante Fidelio zu Gehör brachte).
Die Leonore-3-Ouvertüre befindet sich jetzt einsam isoliert zwischen 'O namenlose Freude!' und dem Opernfinale, wodurch die Handlung drastisch unterbrochen wird. Dazu kommt, dass die EMI-CDs ein wenig verhalten klingen. Die Naxos-Wiederveröffentlichung, die von möglichst unbeschädigten LPs kopiert worden ist, macht den Eindruck, etwas natürlicher und direkter zu klingen: zum Beispiel Schocks Stimme mutet authentischer und etwas präsenter an.
Die Dialoge fehlen, aber die Solisten sind im grossen und ganzen genauso gut wie in der Live-Performance. Das Quartett 'Mir ist so wunderbar' könnte vielleicht wohl das allerschönste der vier Ausführungen genannt werden. Windgassen erreicht nun wohl eine Klimax in der grossen Florestan-Szene, und der Sänger. der den Ersten Gefangenen singt, heisst Rudolf Schock (siehe Video oben!!)

RUDOLF SCHOCK ODER ALWIN HENDRICKS ALS
ERSTER GEFANGENER
Hinten in Schocks Biographie steht es in der detaillierten Diskographie zum ersten Mal schwarz auf weiss: Rudolf Schock singt in dieser Studio-Aufnahme aus dem Jahre 1953 nicht nur den Gefängnispförtner Jaquino, sondern auch den 1. Gefangenen.
Warum sind die neueren CD-Veröffentlichungen in diesem Punkt nie korrigiert worden? Warum erwähnt man bei dieser Rolle immer wieder den Namen des älteren Bruders Alwin (wie ich es verstanden zu haben glaube)?

Es ist dokumentiert worden, dass Alwin Schock (1911-1959) unter dem Artistennamen ALWIN HENDRICKS nach dem Krieg an der Berliner Staatsoper sang. Einst sah ich sein Photo in einem Gedenkbuch der Berliner Oper. In Rudolf Schocks Biographie kommt der zweitälteste Bruder Alwin, zusammen mit seiner Gattin Else, wiederholt nach vorne als jemand, der Rudolf Schock(s Familie) in den chaotischen, ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg vielfältig unterstützte und stimulierte.
Alwin Hendricks Stimme kann man wohl (kurz) in einer Schallplatten-Aufnahme (jetzt auch auf CD) mit Rudolf Schock hören. Es betrifft eine Opernszene aus 'Les Contes d'Hoffmann' von Jacques Offenbach ('Es war einmal am Hofe von Eisenack') vom 5. November 1954. Er singt die Rolle eines Studenten.
Warum der Name 'Alwin Hendricks' mit der Furtwängler-Studio-Aufnahme von 'Fidelio' verknüpft bleibt, ist ein Rätsel. Wahrscheinlich liegt irgendeine Erklärung auf der Hand (Hendricks könnte z. B. sehr kurz vor der Aufnahme krank geworden sein, und Rudolf Schock könnte es eine gute Sache gefunden haben, Alwins Namen auf diese Weise für die Nachwelt zu erhalten??), aber nirgendwo habe ich je eine Erklärung gelesen oder gehört.

Als letztes muss ich nur noch sagen, dass Rudolf Schock den 1. Gefangenen - im Gegensatz zu Hermann Gallos, dessen SPRECHgesang eine schöne Wirkung hat - vor allem SINGT. Schock legt den vielsagenden Akzent auf das zentrale Wort 'Freiheit', und auch das hat schöne Wirkung.

RUDOLF SCHOCK ALS JAQUINO




















Rudolf Schock singt diese Rolle zum ersten Mal in Hannover (Januar 1946). Danach (siehe oben) 1948 unter Furtwängler bei den Salzbuger Festspielen. Dann zwischen dem 1. Juni 1953 und dem 15. Dezember 1957 mindestens 15 Male in Wien. Darunter die schon genannte konzertante Ausführung unter Von Karajan. Es fällt auf, dass Schock diese kleinere Rolle bis Ende 1957 auf der Bühne gesungen hat. In der Biographie (Seite 243) erzählt Schock, dass er sich 1948 intensiv auf die Rolle vorbereitet. Nicht nur, weil er stolz darauf ist, dass Furtwängler ihn für diese Rolle auserkoren hat, sondern auch weil dieser ihm erklärt: "an dem Quartett 'Mir ist so wunderbar' muss ein den anderen Solisten stimmlich gleichwertiger lyrischer Tenor beteiligt sein, sonst gerät das Ganze aus den Fugen".

Nebenbei bemerkt Schock, dass Furtwängler "äusserst liebenswürdig" und geduldig mit 'seinen'' Sängern umgeht, aber dass er "wirklich gefürchtet" ist, weil er den Sängern "kaum oder nie klare Einsätze" gibt.

Schocks Stimme ist 1948 (Duett Marzelline-Jaquino) eine Kleinigkeit 'heldischer' als 1953. Er singt (und spielt) die Jaquino-Rolle jedes Mal angenehm einfach im Stil der deutschen Spieloper. Im Quartett ist er ganz und gar der hochkwalifizierte, lyrische Sänger, den Furtwängler vor Augen gehabt haben muss.
Die heutige Kritik staunt und konstatiert, das Sena Jurinac und Rudolf Schock 'grandios' und 'hervorragend' sind: Die Bezeichnung 'Luxusstimmen' taucht auf und ein englischer Kritiker sagt: "Schock might very well filled in for Windgassen". Auch Leo Riemens urteilt vor vielen Jahren , dass Schock"...einfach den Florestan hätte singen können".
Ich glaube, dass das so hätte sein können. Jedenfalls für die Schallplatte. Andere Schock-Aufnahmen aus den fünfziger Jahren mit 'heldischen' Tenorpartien beweisen das. Dann - September 1966 - nimmt Schock mit 'seinem' Operndirigenten Wilhelm Schüchter eine Solo-LP mit Arien von Mozart, Gluck und u.a. auch von Beethoven auf. Aus 'Fidelio' singt er (wahrscheinlich zum ersten Male) die grosse Szene von Florestan: 'Gott! Welch Dunkel hier....'.

RUDOLF SCHOCK ALS FLORESTAN
1966: Studio-Aufnahme ('Eine unvergessene Stimme' SONY/EURODISC GD 69314) : 'Introduktion' (Orchester) und Szene 'Gott! Welch Dunkel hier' (Florestan) aus dem 2. Akt von 'Fidelio' mit WILHELM SCHÜCHTER (Dir.)














Eurodisc bringt einige Jahre nach Schocks Tode drei CDs unter dem Titel 'Rudolf Schock, eine unvergessene Stimme' heraus. Eine CD ist der (deutschen) Oper, eine der Operette und eine dem Volkslied gewidmet.

Die Florestan-Aufnahme (auf der 1. CD) ist selbstverständlich stereo. Schüchter dirigiert die orchestrale Introduktion nicht so dramatisch wie Furtwängler. Seine eher romantische Auffassung befindet sich irgendwo zwischen Furtwängler und Von Karajan. Schock ist prachtvoll bei Stimme und zeigt, dass er für die Szene kompetent ist ( In 'Opera on Record', veröffentlicht von Alan Blyth 1979, wird das bestätigt).

Schock (im Moment der Aufnahme 51 Jahre alt) betont das Altern und die Auszehrung Florestans nicht. Seine klare Darstellung, was Text und Musik betrifft, ist erzählend und angemessen. Er lässt bald lyrisch, bald heldisch Beethovens Musik aus sichselbst sprechen oder - besser - singen. Das Ergebnis ist, dass er Florestan dem irdischen Jammertal entsteigen lässt und auf eine höhere Ebene bringt. Und was die Klimax der Arie angeht? Die bekommen wir auch und zwar als ein überraschendes Geschenk.

Krijn de Lege, 21.4.2008
(NÄCHSTES MAL: RUDOLF SCHOCK IN BEETHOVENS 'MISSA SOLEMNIS' (UNTER DIRIGENT OTTO KLEMPERER) und 'DIE HIMMEL RÜHMEN DES EWIGEN EHRE')

28.03.08

RUDOLF SCHOCK ZINGT LUDWIG VAN BEETHOVEN (1)


LUDWIG VAN BEETHOVEN (1770-1827)
















De letter B brengt mij het eerst bij Beethoven: de grote componist van Vlaamse afkomst, geboren in Bonn, gestorven in Wenen.
Wenen: rond 1800 de muzikale hoofdstad van Europa. De stad van Mozart, Haydn en Beethoven.
Rond 1800 ook de periode, waarin Goethe en Schiller de Europese literatuur domineren.
Ludwig van Beethoven, wiens gehoorstoornis in de loop der jaren tot een 'romantisch' cliché-beeld zou worden (talrijk de romans en vooral films, waarin deze componist/dirigent/pianist én zijn doofheid een onveranderlijke rol speelden), lijdt vanaf 1800 aan een ongeneeslijke ziekte, waardoor het hem in toenemende mate onmogelijk wordt zijn eigen composities te beluisteren. Na 1819 hoort hij helemaal niets meer.

Graag wil hij (ook) opera's schrijven, bijvoorbeeld een opera 'Faust' (naar Goethe) of 'Macbeth' (naar Shakespeare), maar het blijft uiteindelijk bij één enkele opera.
Een opera, die moeizaam tot stand komt. Het werk kent 3 versies en 4 ouvertures.
De 1e versie uit 1805 heeft 3 aktes en heet 'Leonore'.
De 2e en 3e versie uit resp. 1806 en 1814 hebben 2 aktes en heten 'FIDELIO'.

Beethoven probeert voortdurend met behulp van verschillend tekstmateriaal en het rode potlood de handeling meer vaart te geven. Tegelijkertijd verdiept zich zijn kijk op het onderwerp. Het karakter van het muzikale drama verandert. Eerst verloopt de operahandeling aards en concreet. Later speelt het werk zich op abstracter, hoger niveau af. Steeds meer komt de opera onder invloed van de grote, politieke veranderingen in Europa. Beethoven laat zich inspireren door het vrijheid- en gelijkheidsideaal én door de ideeën van Friedrich Schiller. Schiller wijst erop, dat bij het vrijheidsstreven van het individu de vrijheid van de ander niet uit het oog mag worden verloren. Ieders persoonlijke vrijheid wordt ingeperkt door de vrijheid van de ander.De vrijheid van de mens is onder alle omstandigheden een 'vrijheid in gebondenheid' (Vgl. Schillers 'Ode an die Freude' met het beroemde 'Alle Menschen werden Brüder' in de opera-achtige (!) finale van Beethovens Negende Symfonie).
Zoals wij 'Fidelio' nu (in de definitieve versie van 1814) kennen, hebben de veranderende tijden, waarin het werk zich ontwikkelde, hun sporen nagelaten:

De zeseneenhalve minuut durende ouverture is die van de laatste versie, maar in menige uitvoering wordt midden in de 2e akte, voorafgaand aan de finale de zogeheten 'Leonore 3'-ouverture gespeeld. Die ouverture was eigenlijk voor de 2e première in 1806 bedoeld, maar bij nader inzien vond Beethoven haar toch te lang en dat is begrijpelijk, als je je realiseert, dat 'Leonore 3' meer dan een kwartier duurt. Het is op het eerste oog dan ook verbazingwekkend, dat dirigent/componist Gustav Mahler en later o.a. dirigent Wilhelm Furtwänger deze 3e Leonore-ouverture als TUSSENSPEL laten uitvoeren midden in de 2e akte van de opera! Bij de bespreking van de Furtwängler-opnamen kom ik hier graag op terug.
De dialogen en de vocale nummers in het eerste gedeelte van de opera (duet Jaquino-Marzelline, aria van Marzelline en Rocco's aria: 'Hat man nicht auch Gold beineben') stammen qua stijl direct uit de traditie van de zogeheten 'Spiel'-opera's: komische opera's met gesproken teksten en aardse thema's. Marzelline (Vgl Ännchen in Von Webers 'Freischütz', maar ook de naar liefde smachtende meisjes bij Lortzing en Von Flotow) is verliefd op Fidelio (Leonore), waarvan zij denkt dat het een man is. Rocco, Marzellines vader, vindt 'Fidelio' een prima partij voor zijn dochter, omdat deze zo verstandig met geld kan omgaan en Jaquino vist achter het net, want hij wil dolgraag met Marzelline trouwen, maar omgekeerd is dat niet het geval. De bravouraria van de schurkachtige Pizarro (1e akte nr. 8) is typerend voor een weer andere stijl en wel die van de Italiaanse opera. Het monumentale Marzelline-Leonore-Rocco-Jaquino-kwartet 'Mir ist so wunderbar' (1e akte nr. 3) is wat de vorm betreft typerend voor de stijl van Beethoven, maar de sterk van elkaar verschillende tekstinhouden van de vier gezongen monologen, die op ingenieuze wijze muzikaal in en door elkaar zijn gevlochten, blijven - op die van Leonore na - dicht bij het aardoppervlak.
Pas bij het gevangenenkoor in de 1e akte (nr. 11: 'O, welche Lust!') verandert de sfeer in de opera. Het begrip 'vrijheid' is op dat moment echter nog niet veel meer dan een bevrijding uit de gevangeniscel.

In het 2e bedrijf is alles anders. De handeling concentreert zich op de politieke gevangene Florestan en zijn heldhaftige vrouw Leonore, die haar man met haar lichaam beschermt als Pizarro hem wil vermoorden. Direct al aan het begin van de 2e akte klinkt de muziek van de wanhoop. Die wanhoop wordt overgenomen door de tenor in het begin van zijn grote aria ('Gott! Welch Dunkel hier!'). In het tussengedeelte denkt Florestan met weemoed terug aan gelukkiger dagen ('In des Lebens Frühlingstagen'). Dan verandert de muziek radicaal: Eerst het orkest en dan de tenor jubelen het uit: 'Und spür' ich nicht linde sanft säuselnde Luft!'. Leonore verschijnt voor Florestans geestesoog als engel, die hem in zijn graf de hemelse vrijheid schenkt. Absolute wanhoop lost zich op in Goddelijke heerlijkheid! De liefde voor een heroïsche vrouw, een liefde die door de hemel gegeven en niet van deze aarde is, bevrijdt de mens. De stemmen van Florestan en Leonore verenigen zich in het hartstochtelijke duet 'O namenlose Freude!'.

DE FIDELIO-OPNAMEN MET RUDOLF SCHOCK
Er bestaan VIER min of meer complete opnamen met Rudolf Schock. In al die opnamen zingt Schock de kleinere (hoofd)rol van de jonge gevangenisportier Jaquino.
Daarnaast is er een stereo-studio-opname van de Florestan-scene (begin 2e akte), compleet met voorspel.
Van de vier Fidelio-opnames zijn er drie live: Salzburg 3 augustus 1948 onder Wilhelm Furtwängler, Wenen 5 juni 1953 onder Herbert von Karajan en Wenen 12 oktober 1953 onder Wilhelm Furtwängler.
De enige complete studio-opname is van 13 tot 17 oktober 1953 en wordt opnieuw door Furtwängler gedirigeerd. De zangersbezetting is vrijwel gelijk aan die van de live-uitvoering van 12 oktober 1953.

1948:Live-Salzburg (o.a. CD op het Franse label TAHRA onder nr. FURT 1047-1048) met Erna Schlüter (Leonore), Lisa della Casa (Marzelline), Julius Patzak (Florestan), Ferdinand Frantz (Don Pizarro), Otto Edelmann (Don Fernando), Herbert Alsen (Rocco), Hermann Gallos (1e gevangene), Karl Dönch (2e gevangene) en WILHELM FURTWÄNGLER (Dir.)

Deze opname van de Salzbuger Festspiele uit 1948 is geluidstechnisch acceptabel, maar de nr's 5 t/m 8 van het 1e bedrijf ontbreken. Er zijn verscheidene producenten, die deze incomplete opname hebben uitgebracht. De geluidskwaliteit is overal gelijk. Mijn 'Fidelio' uit 1948 is een uitgave van het Franse Tahra-Label.

De legendarische dirigent Wilhelm Furtwängler (1886-1954) houdt de tempi tamelijk langzaam. De dialogen zijn completer dan in de latere opnamen.
Erna Schlüter (1904-1969) als Leonore zingt met sterk vibrato en maakt minder indruk dan Martha Mödl in de andere drie opnamen.
Julius Patzak (1898-1974) is een ideale Florestan. Hij opent de aria 'Gott! Welch Dunkel hier!' letterlijk-mijn-adem-benemend mooi (van heel zacht naar forte) Het slot van de aria is werkelijk een climax. Wél - en dat doet Wolfgang Windgassen in de andere opnamen anders -klinkt Patzak in de finale van de opera uiterst vitaal. Voor iemand, die door langdurige gevangenschap en uithongering zeer verzwakt moet zijn, lijkt mij dit een bovennatuurlijk voorspoedig herstel.
Ferdinand Frantz (1906-1959) en Otto Edelmann (1917-2003) zingen de tegenover elkaar gestelde rollen van de boosaardige gevangenisdirecteur Don Pizarro en die van de rechtvaardige minister en brenger van gelukkiger tijden Don Fernando.
Frantz is een echte heldenbariton en dat hoort zo. Edelmann is een bas-bariton van edele allure en dat hoort ook zo.

Lisa della Casa (1919-) is een voortreffelijke Marzelline en de cipier Rocco, haar vader, wordt al even voortreffelijk gezongen door de bas Herbert Alsen (1906-1978). Alsen klinkt echter in zijn dialogen wel erg vaderlijk-braaf.
Het gevangenenkoor zingt krachtig en Hermann Gallos (1886-1957) en Karl Dönch (1915-1994) als de beide gevangenen zijn sterk verschillend, maar allebei goed. Gallos bedient zich van een soort 'Sprechgesang' en Dönch waarschuwt expressief voor overmoed.
Op RUDOLF SCHOCK in de JAQUINO-ROL kom ik na bespreking van de vier opnamen verder in de tekst apart terug.

1953: Live-opname van 5 juni 1953 uit de zaal van de Wiener Musikverein (Walhall WLCD 0063) met Martha Mödl (Leonore), Elisabeth Schwarzkopf (Marzelline), Wolfgang Windgassen (Florestan), Josef Metternich (Don Pizarro), Hans Braun (Don Fernando), Otto Edelmann (Rocco), Erich Majkut (1e gevangene), Hans Schweiger (2e gevangene) en HERBERT VON KARAJAN (Dir.)



De zomer van 1953 scheidt deze concertant uitgevoerde 'Fidelio' van de live-opname uit het Theater an der Wien (waar de Wiener Staatsoper tot november 1955 speelde) en van de bekende studio-opname, beide onder Furtwängler.De opname is voor wat de orkestklank betreft matig. De stemmen komen gelukkig beter tot hun recht.

Herbert von Karajan (1908-1989) is op veel plaatsen in de partituur sneller dan Furtwängler. Hij laat in de geest van Beethoven in het 2e bedrijf het tussenspel met de Leonore-3-ouverture weg. Het kwartet 'Mir ist so wunderbar' is echter langzamer dan bij Furtwängler en is toch net zo mooi.
Het slot van het 1e bedrijf is verloren gegaan, maar wordt door Walhall vervangen door het zelfde gedeelte uit de Furtwängler-live-uitvoering van oktober 1953. Gezien de spanningen, die er in de vroege jaren vijftig tussen Von Karajan en Furtwängler bestonden, zou tegen deze oplossing waarschijnlijk door beide dirigenten, als zij nog in leven waren, fel zijn geprotesteerd.
De dialogen ontbreken in deze concertzaal-uitvoering. Ook lijkt Von Karajan het publiek opdracht te hebben gegeven na de afzonderlijke operanummers niet te applaudisseren.

Martha Mödl (1912-2001) maakt als Leonore enorme indruk.
Elisabeth Schwarzkopf (1915-2006) lijkt meer met technisch volmaakte zang bezig dan met de figuur van Marzelline. In het duet met Schock (1e bedrijf nr. 2) valt dit nog niet op. In haar daarop volgende aria sluipt echter al af en toe gemaniëreerdheid in haar zangstijl.
De heldentenor van Wolfgang Windgassen (1914-1974) klinkt niet naar de leeftijd, die Windgassen op het moment van de uitvoering had. Zijn Florestan is in Windgassens opvatting door langdurige gevangenschap ouder geworden en verzwakt. Hij werkt aan het eind van zijn scene naar een ware climax toe.
Josef Metternich (1915-2005) lijkt op het eerste gehoor de aangewezen heldenbariton voor de rol van de corrupte Don Pizarro. Zoals Metternich bijv. het woord 'Mörder (moordenaar)' bijna rochelend zingt, doet niemand hem dat na, maar toch vind ik, dat zijn Pizarro-interpretatie, vergeleken met die van Otto Edelmann uit 1953, subtiliteit mist.
Otto Edelmann (1917-2003) zingt nu niet zoals in 1948 de edele Don Fernando en de opnamen uit 1953 van hem als Don Pizarro waren nog niet gemaakt. Dit keer zingt hij een derde (!) hoofdrol in 'Fidelio' en wel die van Rocco. Je zou kunnen zeggen, dat hij op de grammofoonplaat in één en de zelfde Fidelio-opname de drie bas/bariton-rollen had kunnen zingen. Maar zijn Rocco is een teleurstelling. Als het om pure zang gaat, is hij perfect (kwartet 1e akte!), maar voor het overige blijft hij de enerzijds nogal opportunistische en anderzijds menselijke en sympathieke Rocco veel schuldig. Edelmann kan met het karakter van Rocco niet uit de voeten en blijft steken in een neutraal oratorium-achtig gezang.
Hans Braun (1917-) is prima als Don Fernando.

In het gevangenenkoor domineert de aarzeling en de angst: je beleeft in Von Karajans interpretatie, hoe de knipperende ogen van de gevangenen moeten wennen aan het daglicht en je begrijpt het ongeloof, waarmee zij hun vrijheid tegemoet gaan. De eerste gevangene (Erich Majkut) zingt sidderend, de tweede (Hans Schweiger) is bang.





1953: Live-opname van 12 oktober van de Weense Staatsopera uit het Theater an der Wien (Archipel ARPCD 0181-2) met Martha Mödl (Leonore), Sena Jurinac (Marzelline), Wolfgang Windgassen (Florestan), Otto Edelmann (Don Pizarro), Alfred Poell (Don Fernando), Gottlob Frick (Rocco), Hermann Gallos (1e gevangene), Franz Bierbach (2e gevangene) en WILHELM FÜRTWÄNGLER (Dir.)

Dit is de mooiste live-opname. De opera-dialogen zijn tot een minimum van amper 8 minuten teruggebracht. Al decennia geleden bestond de grammofoonplaat (op het Replica-label met een dun stereo-sausje). Later kwamen de CD's. Maar in 2003 produceert het Archipel-label een nog presenter en warmer klinkende live-opname van 'Fidelio'. De theatersfeer is zo voelbaar als maar mogelijk is en bereikt voor mij zijn hoogtepunt bij - hoe bestaat het! - uitgerekend de Leonore 3-ouverture in het hart van het 2e bedrijf. Hadden Gustav Mahler en Wilhelm Furtwängler dan toch gelijk? Eerst overweldigt een heftig gezongen 'O namenlose Freude!' het Weense publiek én de luisteraar-anno-nu. Dan speelt de Wiener Philharmoniker de sterren van de hemel tijdens de ruim een kwartier durende Leonore-3-ouverture. Heel even is er dan zoiets als het begin van donderende bijval, maar nog voordat applaus en gejuich de kans krijgen horen en zien te doen vergaan, lost Furtwängler het startschot voor de grote en grandioze finale! Wat een theatermens was deze dirigent en wat een ongelijk hadden/hebben de critici, die Furtwängler traagheid verweten/verwijten en hem meer een oratorium- dan een operadirigent vonden/vinden! Als ik zelf de capaciteiten zou hebben, om een 'Fidelio' te dirigeren, zou ik zonder mij te bedenken nu ook kiezen voor een tweede akte MET tussenspel. Tenslotte mag ik niet vergeten op te merken, dat Furtwängler in 1953 beduidend sneller is dan in 1948.

De solisten zijn zonder uitzondering ideaal: Mödl is overtuigend en groots als Leonore/Fidelio. Windgassen is aangrijpend. Hij doorloopt de verschillende fasen van zijn grote scene met scrupuleuze aandacht voor elk detail. Alleen de climax van het slot bereikt hij niet helemaal.





Sena Jurinac als Marzelline





Sena Jurinac (1921-) zingt Marzelline ontroerend mooi. Zij is van de drie genoemde Marzellines de beste.


Gottlob Frick (1906-1994) is een intelligente Rocco, die met zijn 'zwarte' zangstem de beide kanten van zijn karakter moeiteloos vorm en inhoud geeft.
Otto Edelmann als Don Pizarro is superieur aan Metternich, maar overtreft ook Frantz (1948). Hij zingt zijn 'Italiaanse' aria agressief en is zowel in zang als dialoog kil en kwaadaardig. Wat een groot verschil met de manier, waarop hij onder Von Karajan Rocco NIET karakteriseert.



staand: Otto Edelmann
als Don Pizarro
zittend: Gottlob Frick
als Rocco



Alfred Poell (1900-1968) is met zijn gekruide stem volkomen geloofwaardig als menselijk bestuurder, die een nieuwe en betere tijd aankondigt.

De zang van het gevangenenkoor onderstreept het grauwe lot van Florestan. Gallos als eerste gevangene herhaalt zijn fijnzinnige prestatie uit 1948 en tweede gevangene Franz Bierbach is een bas, wiens mooie stem op die Frick lijkt.





1953: Studio-opname van 13 tot 17 oktober gemaakt in de zaal van de Wiener Musikverein (EMI CLASSICS CHS 7 64496 2 en vanaf 2005 ook op NAXOS 8.111020-21): met DE ZELFDE SOLISTEN EN DIRIGENT als in de live-opname van 12 oktober op één uitzondering na: de 1e gevangene wordt niet door Hermann Gallos gezongen. Ook niet door Alwin Hendricks, zoals al 55 jaar op de covers van LP en CD staat, maar door Rudolf Schock.

Deze studio-opname legt in feite de live-Fidelio-première vast van enkele dagen daarvoor. Als je de opnamen direct na elkaar hoort, is het verschil groot: De theatersfeer van 12 oktober maakt abrupt plaats voor de steriliteit van de studio-zonder-publiek (Ook al bevindt die studio zich in de zaal van de Wiener Musikverein, waar Von Karajan juni 1953 zijn concertante Fidelio ten gehore bracht).




De Leonore-3-ouverture staat nu geïsoleerd tussen 'O namenlose Freude!' en de finale van de opera in, waardoor de opera-handeling wel onderbroken is. Daarbij komt dat de CDs van EMI een tikje gesmoord klinken. De heruitgave van NAXOS, die gecopieerd is van zo gaaf mogelijke LP's, maakt de indruk natuurlijker te klinken: bijvoorbeeld de stem van Schock lijkt authentieker en zelfs wat presenter dan op de Emi-CDs.







Dialogen ontbreken, maar de solisten zijn over het geheel genomen even goed als in de live-performance.
Het kwartet 'Mir ist so wunderbar' kan misschien wel de allermooiste van de vier uitvoeringen genoemd worden. Windgassen bereikt nu wel een climax in zijn grote scene.
De zanger, die de eerste gevangene zingt, is een ander dan die in de live-uitvoering van 1953.



RUDOLF SCHOCK OF ALWIN HENDRICKS ALS 1e GEVANGENE (zie video bovenaan!)
Achter in Schocks biografie staat het in de gedetailleerde discografie voor het eerst zwart op wit: Schock zingt in de studio-opname van 1953 niet alleen de gevangenisportier Jaquino, maar ook de 1e gevangene.
Waarom zijn recente CD-uitgaven op dit punt niet gecorrigeerd? Waarom wordt altijd weer de naam van - naar ik meen te hebben begrepen - Rudolf Schocks oudere broer ALWIN bij de rol van 'eerste gevangene' vermeld?
Gedocumenteerd is, dat Alwin Schock onder de artiestennaam ALWIN HENDRICKS na de oorlog bij de Berlijnse Staatsopera zong. Ooit kwam ik zijn foto tegen in een jubileumboek van de Berlijnse Opera. In de biografie van Rudolf Schock komt de op één na oudste broer Alwin (1911-1959) samen met zijn vrouw Else bij herhaling naar voren als iemand, die (het gezin van) Rudolf Schock in de chaotische, eerste jaren na de oorlog op allerlei manieren heeft ondersteund en gestimuleerd.
De stem van Alwin Hendricks is wel (even) te horen in een grammofoonplaat-opname samen met Rudolf Schock van 5-11-1954 en wel in de scene: 'Es war einmal am Hofe von Eisenack' uit de opera 'Les Contes d'Hoffmann' van Jacques Offenbach. Alwin zingt daar de rol van één van de studenten.
Waarom de naam van Alwin Hendricks verbonden blijft aan de Furtwängler-studio-opname van 'Fidelio' is een raadsel. Waarschijnlijk is de verklaring heel voor de hand liggend (Hendricks werd misschien op het laatste moment ziek en Rudolf Schock vond het een goede zaak, dat de naam van Alwin voor het nageslacht behouden bleef?), maar nergens en nooit ben ik zo'n verklaring tegengekomen.
Rest mij nog te vermelden, dat Rudolf Schock de 1e gevangene - in tegenstelling tot Hermann Gallos, wiens SPRECHgesang een mooi effect sorteert - vooral ZINGT. Op het centrale woord 'Freiheit' legt Schock een veelzeggend accent en ook dat sorteert een mooi effect.



RUDOLF SCHOCK ALS JAQUINO

Schock zingt deze rol voor het eerst in januari 1946 (Hannover). Daarna (zie hierboven) in 1948 bij de Salzburger Festspiele onder Furtwängler. Dan tussen 1 juni 1953 en 15 december 1957 in Wenen minstens 15 keer, waaronder de bovengenoemde concertante uitvoering onder Von Karajan.
Het valt op, dat Schock deze kleinere rol tot eind 1957 op de Bühne heeft gezongen. In de biografie (blz. 243) vertelt Schock, dat hij zich in 1948 intensief op de rol voorbereidt. Niet alleen, omdat hij trots is op het feit, dat Furtwängler hem voor deze rol heeft uitgekozen, maar ook omdat deze hem heeft uitgelegd, dat het kwartet 'Mir ist so wunderbar' een aan de andere solisten vocaal gelijkwaardige, lyrische tenor nodig heeft. Anders zou het geheel uit balans raken.
Terloops merkt Schock nog op, dat Fürtwängler op uiterst vriendelijke en geduldige wijze met 'zijn' zangers omging, maar dat hij gevreesd was vanwege het feit, dat hij aan de zangers zelden of nooit de inzetten duidelijk aangaf.
Schock klinkt in 1948 (duet Marzelline-Jaquino) een vleugje 'heldischer' dan in 1953. Maar hij zingt (en speelt) de Jaquino-rol aangenaam eenvoudig in de stijl van de Duitse 'Spieloper'. In het kwartet is hij geheel en al de hooggekwalificeerde lyrische zanger, die Furtwängler voor ogen moet hebben gehad.
De hedendaagse kritiek stelt vast, dat Sena Jurinac en Rudolf Schock 'grandioos' en 'uitstekend' zijn: De kwalificatie 'Luxusstimmen' valt en een Engelse criticus zegt: 'Schock might very well filled in for Windgassen'. Ook Leo Riemens vond vele jaren geleden, dat Schock 'gemakkelijk de Florestan had kunnen zingen'.
Ik denk dat dat zo had kunnen zijn. Zeker op de grammofoonplaat. Andere opnamen van Schock uit de jaren vijftig met 'heldische' tenorrollen onderbouwen dat. En dan - in september 1966 - neemt Schock met 'zijn' operadirigent Wilhelm Schüchter een solo-LP op met aria's van Mozart, Gluck én o.a. Beethoven. Uit 'Fidelio' zingt hij de grote scene van Florestan 'Gott! Welch Dunkel hier...'.


RUDOLF SCHOCK ALS FLORESTAN

1966: Studio-opname ('Eine unvergessene Stimme' SONY/EURODISC: GD 69314) 'Introduktion' (orkest) en scene 'Gott! Welch Dunkel hier!' (Florestan) uit de 2e akte van 'Fidelio' met WILHELM SCHÜCHTER (Dir.)
Eurodisc brengt enkele jaren na Schocks overlijden (1986) drie CDs op de markt onder de noemer 'Rudolf Schock, eine unvergessene Stimme'. Eén CD is aan de (Duitstalige) opera gewijd, één aan de operette en één aan het volkslied.
De Florestan-opname staat op de opera-CD en is (1966!) in stereo. Schüchter dirigeert de orchestrale introductie niet zo dramatisch als Furtwängler. Zijn romantischer aanpak gaat eerder in de richting van de Karajan-lezing.
Schock is zeer goed bij stem en bewijst, dat hij competent is voor de scene (In 'Opera on Record', edited by Alan Blyth 1979 wordt dat bevestigd).
Hij (op het moment van de opname 51 jaar) vergroot de veroudering en verzwaktheid van Florestan niet uit. Zijn benadering van tekst en muziek is verhalend en adequaat. Schock laat nu eens lyrisch, dan weer 'heldisch' Beethovens muziek voor zichzelf spreken of - beter - zingen. Het resultaat is, dat hij Florestan de wereld laat ontstijgen en op een hoger plan plaatst. En wat de climax van de aria betreft? Wel, die krijgen we erbij cadeau.

Krijn de Lege, 21 april 2008
(De volgende keer: Rudolf Schock in Beethovens 'Missa Solemnis' (onder dirigent Otto Klemperer) en 'Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre')

20.02.08

RUDOLF SCHOCK SINGS DANIËL AUBER


from Label RELIEF CR 1909































DANIËL FRANÇOIS ESPRIT AUBER (1782-1871)





















Als ich Adolphe Adam und seine komische Oper 'Si j'étais Roi (Wenn ich König wär')' mit Rudolf Schock als verwirrtem Fischer, der eine Prinzessin fangen will, in den Mittelpunkt rückte, fing ich mit ein bisschen Musikgeschichte an. Das tue ich Ihnen nicht noch einmal an, aber wohl mache ich Sie wieder darauf aufmerksam, dass in der (heiteren) Opéra-comique gesprochene Dialoge an die Stelle der gesungenen Rezitative treten.Verständlich ist es, dass diese Dialoge-ohne-Musik eine anständige Qualität haben müssen. Sie sollen in solchen Opern vor allem witzig sein und 'wie am Schnürchen laufen'. Die Musik macht ja nicht mit, und das bedeutet, dass man Textdichter mit gut entwickeltem Theatergefühl braucht.

Der französische Komponist Daniël François Espril Auber hatte zum Glück solch einen Textdichter: Eugène Scribe (1791-1861), einen vielseitigen Bühnenautor, der für das Musiktheater von grosser Bedeutung gewesen ist. Scribe war nicht nur imstande, typisch komische Opern mit einem ausgezeichneten Textbuch zu versehen, sondern auch grosse, thematisch historische Opern von Meyerbeer ('Les Huguenots', 'L'Africaine' usw.), Halévy ('La Juive' u.a.), Verdi ('I Vespri Siciliani') und Rossini ('Le Comte Ory'). Sein Libretto für Aubers heute vergessene Oper 'Le Philtre' diente als Modell für 'Élisir d'Amore' (1832) von Geatano Donizetti und das Überraschende ist, dass ich ( noch in Unwissenheit darüber, dass Auber und Donizetti Zeitgenossen waren) beim abermals Abhören der äusserst virtuosen Ensembles aus Aubers 'Fra Diavolo'(1830!) auf einmal an die populäre Donizetti-Oper denken musste. Der Zeitgeist spielt immer wieder eine Hauptrolle, aber es ist wohl gut, hier und jetzt festzustellen, dass Aubers 'Fra Diavolo' zwei Jahre früher Premiere hatte.
Aubers Opern sind (vielleicht?) zum Teil von der Zeit eingeholt worden, aber 'Fra Diavolo' und die ganz andersartige 'La Muette de Portici' sind Opern, die einen festen Platz auf der Opernbühne verdienen.

In 'Elseviers Groot Operaboek' (1. Auflage 1959) von Leo Riemens bemerkt dieser, dass Rossinis 'Wilhelm Tell ' (1829) als die allererste grosse, historische Oper betrachtet wird. Der "kleine" Komponist Daniël Auber aber - betont Riemens - verfasste ein Jahr früher, also schon 1828 auf Text von Eugène Scribe, die monumentale 'Grande Opéra' 'La Muette de Portici' über den Aufstand der Neapolitaner gegen die spanische Besatzungsmacht im Jahre 1647. Dieses Werk wurde vom Pariser Opernpublikum an dem Tag der Premiere (28-2-1830) mit grosser Begeisterung empfangen, und machte Auber über Nacht zur europäischen Berühmtheit. Am 25. August desselben Jahres war in Brüssel, während der Aufführung dieser Oper im 'Théatre de la Monnaie' ein kraftvolles Duett ('Amour sacré de la Patrie') sogar der Anlass für den Ausbruch eines Volksaufstands, der dazu führte, dass Belgien unabhängig von den Niederlanden wurde.
Richard Wagner bewunderte 'La Muette de Portici' sehr wegen des "dramatischen Elans und der dramatischen Geballtheit" der Musik.

Der bescheidene französische Patriot Auber selber lebte ein strikt bürgerliches Leben, reiste selten, denn warum würde er das tun? Die Textbücher des Kollegen Scribe hätten ihn ja durch die ganze Welt geführt? Und weiter wollte er ein breites Publikum "nur ein wenig amüsieren". Sein Schüler Ambroise Thomas (Komponist von 'Mignon') umsorgte ihn, als Auber nach einem langen Leben ernsthaft erkrankte und Alexander Dumas Jr. (Verfasser von u.a. 'La Dame aux Camélias') sagte am Grabe: "...Wie oft liess dieser Zauberer uns die Sorgen auf den anderen Morgen vertagen, und als der andere Morgen kam, hatten wir sie vergessen."

FRA DIAVOLO:
'Den Bruder des Teufels' hat es in Wirklichkeit gegeben. Er hiess Michele Pezza, war ursprünglich ein Mönch, der als Fra Angelo ('Bruder des Engels') bekannt war, aber sich später in den gefürchteten Räuberchef Fra Diavolo verwandelte. Er führte mit Erfolg eine Art Guerillakrieg mit der herrschenden, französischen Macht, aber wurde letzten Endes 1806 im 46-jährigen Alter in Neapel aufgehängt.

Scribes Opern-Skript verknüpft geschickt (und depolitisierend) den Humor einer Komödie mit der Romantik des Räuberlebens (der 'Robin Hood-Touch' : sie - in diesem Plot die römischen Soldaten - sind schlau und es sind ihrer viele, wir - Fra Diavolos Bande - sind mit wenigen, aber schlauer, UND berauben - meistens - keine unschuldigen Mädchen und Mönche). Die Hinrichtung des wahren Fra Diavolo wird in erster Instanz von einer gewöhnlichen Festnahme ersetzt, denn in einer komischen Oper kann und soll ein Schurke von den schliesslich doch schlaueren und sympathischen Römern (!) wohl gefangen, aber nicht getötet werden. In späteren Aufführungen wagt man es, den Räuberhauptmann durch Flintenkugeln der Römer töten zu lassen, wonach er in eine Schlucht stürzt.

Die Oper wurde in Italien und auch in Deutschland im Laufe der Jahre eigentlich beliebter als in Frankreich. Tito Schipa und Benjamino Gigli sangen den Marquis von San Marco/Fra Diavolo. Auch wurde die Geschichte einige Male verfilmt. Angenehme Erinnerungen habe ich an den heiteren 'Fra Diavolo (The Devils Brother)' aus dem jahre 1933 von Regisseur Hal Roach mit Stan Laurel und Oliver Hardy als Beppo und Giacomo, den linkischen Helfershelfern des Marquis/Oberschurken (von Dennis King gespielt). Aubers sprudelnd-ironische Musik ist in diesem Film, der als einer der besten, grösseren Spielfilme mit Laurel & Hardy angesehen wird, zum Glück nicht vergessen worden!


Dennis King
als Marquis,
Laurel & Hardy
als Beppo und
Giacomo







DIE MUSIK
Von den Ensembles sagte ich schon, dass sie äusserst virtuos sind. Es sind wahre Spektakel, worin Wort und Musik sich vollkommen im Gleichgewicht halten, und die Bühnenhandlung von Aubers Musik energisch vorwärtsgetrieben wird. Dasselbe gilt auch den spannenden Finales der drei Akten, deren Funken aus den Lautsprecherboxen in die Ohren sprühen. Die Solos von Fra Diavolo und Zerline haben Humor und Bravour.

DIE FRA DIAVOLO-AUFNAHMEN MIT RUDOLF SCHOCK:


Cover LP 1980
(Lipp, Schock, Pease
und Schüchter)










1954: Studio-Aufnahme (Relief CD 1909, Walhall WLCD 0138 u.a.) mit Wilma Lipp (Zerline), James Pease (Lord Kookburn), Ursula Zollenkopf (Lady Pamela), Ernst August Steinhoff (Lorenzo), Kurt Marschner (Beppo), Karl Otto (Giacomo), Sigmund Roth u.a. und WILHELM SCHÜCHTER (Dir.)
Die Tonaufzeichnung war für eine Fernsehsendung (von NDR/ARD Hamburg) bestimmt, die am 22. Oktober 1954 ausgestrahlt wurde. Diese Fernsehsendung war die zweite Fernsehoper, die in der BRD produziert wurde (Die erste war Mascagnis 'Cavalleria Rusticana' - gleichfalls mit Schüchter und Schock - , die ein halbes Jahr früher gesendet wurde).

Die deutschen Texte waren von Karlheinz Gutheim und die Dialogregie hatte Herbert Junkers. Die Fernsehaufnahmen fanden im sogenannten 'Fernsehbunker am Gasellenkamp' in Hamburg statt. Frau Gisela Schock erinnert sich - und das bringt wohl einiges zum Ausdruck über die Lebens- und Arbeitsumstände im ersten Dezennium nach dem Krieg - , dass die Familie Schock an jenem 22. Oktober 1954 noch nicht über ein Fernsehgerät verfügte, und sich in positiver Hinsicht notgedrungen die Sendung bei Freunden ansehen musste. Im Laufe der fünfziger Jahre wurde 'Fra Diavolo' auch im Rundfunk gebracht. Im Jahre 1980 veröffentlichte Schallplattengesellschaft 'Eurodisc' aus Anlass des 65. Geburtstags ihres Startenors Rudolf Schock eine LP-Kassette der Oper.]

2004 produzierte das schweizerische Label RELIEF eine tontechnisch verbesserte, erste (luxuriöse) CD-Edition (+ extra sieben Bonustracks mit Schock in anderen französischen Opern): 
















Label: RELIEF CR 1909

Die ursprüngliche Oper dauert im Theater ca. 150 Minuten. Die 1954-Aufnahme ca. 95 Minuten. Musikalisch ist niet viel gestrichen worden, aber mit den (Lustspiel-)Texten von Scribe hat man nicht so skrupulös gehandelt. Und dann stimmt das Gefühl, dass das Ganze etwas aus der Balance gekommen ist, völlig. Scribe und Auber wussten ganz genau, wie man das Publikum 'ein wenig amüsieren' konnte. Aber die Bearbeiter der Fernsehausführung hatten (damals schon!) Angst davor, die Sendung würde zu lange dauern und das ist im Rückblick schade.

Eine anderes bemerkenswertes Ergebnis dieser Bearbeitung ist, dass Fra Diavolo am Ende der Oper den Soldaten ENTWISCHEN DARF, wonach er überdies von den Bergen aus im Triumph den Löwenanteil des Schlussliedes zum besten geben darf. Ich kann mir nicht dem Gedanken entziehen, dass nicht nur die Tatsache, Fra Diavolo sei eine komische Oper, der Grund dafür ist. Sehr wohl möglich ist, dass Schocks Star-Status im Jahre 1954 dabei eine (entscheidende) Rolle gespielt hat. Man könnte den strahlenden, lebenslustigen Rudolf Schock in einem Fernsehfilm doch nicht sterben lassen?

DIE SOLISTEN:

(Foto: Archiv Ludwig Stumpff)



Rudolf Schock ist auch jetzt grossartig. Dieses Mal nicht in der Rolle eines träumerischen Fischers oder naiven Hirten, sondern die eines ziemlich kalten, unempfindlichen Räuberhauptmannes/Marquis. Dessen unzuverlässiger und gefühlsarmer Charakter ist nicht misszuverstehen. Das müssen Auber und Scribe auch beabsichtigt haben: dieser mit allen Wassern gewaschene Verbrecher Fra Diavolo soll in seinem arroganten Konflikt mit dem jugendlichen und verliebten Offizier Lorenzo den kürzeren ziehen. Das ist ja der fröhliche Schluss dieser Oper. In der ersten deutschen Übersetzung von Scribes Zeitgenossen Karl Ludwig Blum (1786-1844) endet die Oper denn auch mit dem von jedermann (selbstverständlich ohne die Räuber) gesungenen:
"Diavolo! Viktoria! Der Räuber fiel durch unsre Hand! Ha, welches Glück für dieses Land, Seht, er fiel durch unsre Hand!"

Wenn der Marquis/Fra Diavolo-mit-Mandoline sich übertrieben schmachtend und gefühlsduselnd der im Liebesleben enttäuschten Lady Pamela offenbart, und zugleich dem weltfremden und schläfrigen Gatten eine italienisch gefärbte Musikstunde vorgaukelt (1. Akt, Nr. 5: Terzett 'Der treue Gondoliere...'), trieft sein alles und alle verführender Gesang von Ironie und Sarkasmus.
In seiner mit Leichtsinn gesungenen und dargestellten, grossen Bravour-Arie mit Rezitativ ('Dieser Plan ist mißlungen') am Anfang des 3. und letzten Aktes lässt er keinen Zweifel an seinem opportunistischen Tatendrang hochkommen.

Schocks Talentiertheit für den italienischen Gesangstil kommt im 2. Akt, Nr 9, in der Barkarole 'Dorina, süße Kleine...' expressiv und explosiv zum Ausdruck.

Besonders durch diese Barkarole bekomme ich den Eindruck, Schocks allmählicher Übergang von einer lockeren und leichteren Stimmführung (2. Hälfte der vierziger und Anfang der fünfziger Jahre) zur dunkleren, baritonalen, aber gleichzeitig oft wärmeren und glühenderen Stimmfarbe habe sich Ende 1954 endgültig vollzogen. Daher bekommt er in den Jahren danach mehr die Gelegenheit (oder: schafft er sichselbst diese Gelegenheit?) auf der Schallplatte (in einigen Fällen auch live) 'heldischere' Rollen wie Walther von Stolzing ('Meistersinger von Nürnberg'), Max ('Freischütz'), Radames ('Aida'), Canio ('I Pagliacci') und sogar (fragmentarisch) Otello in Verdis gleichnamiger Oper zu singen.

Karl Löbl und Robert Werba sagen in Hermes Handlexikon 'Opern auf Schallplatten' (1. Auflage 1983) über Schocks Fra Diavolo-Rolle, dass er (genauso wie Wilma Lipp) "komödiantisch und stimmlich angenehm wirkt".
Andreas Laska ('Musique Critique' 2007) findet, diese Aufnahme sei trotz Textkürzungen und eines nicht-französischen Textes bestimmt einen deutschen Umweg wert. Vor allem für Rudolf Schock, "der einen schlauen und geistreichen Fra Diavolo darstellt, und die zahlreichen, stimmlichen Hürden der Rolle samt hohem C und Vokalisen problemlos nimmt".

Die im Moment der Aufnahme 29-jährige Wilma Lipp (1925) klingt herzerfreuend jung und reizend. (Andreas Laska: "Wilma Lipp singt frisch und klar. Ihre Zerline leuchtet'.) Schon 1948 war Lipp eine phänomenale 'Königin der Nacht' in der 'Zauberflöte', wonach sie diese Rolle über die ganze Welt bis tief in die fünfziger Jahre sang. Später spezialisierte sie sich auf lyrischere Sopranpartien wie Konstanze in der 'Entführung aus dem Serail', Eva in den 'Meistersingern' und Rosalinde in der 'Fledermaus'.

Der amerikanische Bariton James Pease (1916-1967) wandert 1948 nach Europa aus. Von 1952 an singt er an der Hamburger Staatsoper (in dieser Periode findet also die Beteiligung an 'Fra Diavolo' statt) und anderswo in Europa. Auch lädt man ihn vielfältig zu Gastauftritten in seiner Heimat ein. Bei so einer Überfahrt stirbt er auf dem Schiffe.
James Pease ist für eine Fra Diavolo-Aufnahme ideal, weil die Lord Kookburn-Rolle einen englischen Akzent verlangt. Ausserdem stellt er den Lord mit schöner, tiefer Stimme und witzig gespielter Dummheit dar (Laska: "Er ist ein lächerlicher Lord, und das gehört sich auch so!").
Ursula Zollenkopf ist schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg besonders in Norddeutschland als Konzertaltistin bekannt geworden. Daneben sang sie in einigen Rundfunkaufführungen von Opern (u.a. in 'Joseph in Ägypten' von Méhul, worin sie laut einer Kritik im Internet auffallend gut die Benjamin-Rolle darstellt). Weiter stiess ich noch auf Beethovens Neunte unter Franz Konwitschny, und die Mitteilungen, dass Frau Zollenkopf Lieder ihres Gatten sang und im Laufe der fünfziger Jahre starb. Als Lady Pamela gibt Zollenkopf mit Pease ein perfekt komisches, englisches Gespann ab. Sie spielt und singt ihre Rolle auf eine Weise, die mit dem Singen in Oratorien nicht im entfernesten assoziiert werden kann.

Kurt Marschner (1913-1984) und Karl Otto (1904) singen die Rollen von bezw. Stan Laurel (Beppo) und Oliver Hardy (Giacomo). Marschner ist ein Charakter-Buffotenor mit vollendetem Falsett. Wenn er unverschämt Zerline imitiert, hört man wirlich eine Frauenstimme. Das Textbuch demonstriert aber unerbittlich: das ist keine Zerline, und auch keine Lady Pamela, sondern einfach Beppo! 
Marschner war ein Koryphäe der Hamburger Staatsoper, der in Hamburg 4000 (!) Male auf der Bühne stand. Im Jahre 1978 ging er in den Ruhestand.

v.l.n.r.: Karl Otto als Giacomo,
 Fritz Göllnitz im Film als Beppo statt Kurt Marschner,
Rudolf Schock als Marquis.
(Foto: Archiv Ludwig Stumpff)













Ernst August Steinhoff (1917-1998) konnte man in seiner Sängerperiode vor allem am Zürcher Operntheater in allerhand lyrischen Tenorpartien hören. Auch sang er in Oratorien und Werken aus dem moderneren Musikrepertoire (Liebermann, Martinu, Rihm u.a.).
Lorenzo ist 'the good guy' im Gegensatz zum 'bad guy' Fra Diavolo. Er liebt Zerline, und 'verdient' sie letzten Endes. Steinhoffs Stimme hat eine bequeme Höhe, aber klingt im mittleren Register unbeherrscht (Andreas Laska lobt aber seine 'voix mixte' und findet, dass er den Lorenzo '"rès charmant" singt). Seine 'Romanze' kurz vor dem Opernschluss ('Ewig will ich dir gehören') wird schnell und ziemlich ausdruckslos gesungen.

Schocks 'Leib und Magen'-Dirigent besonders während den Fünfzigern, Wilhelm Schüchter (1912-1974), dirigiert das Rundfunkorchester des NDR Hamburg. Andreas Laska weist in seiner französischsprachigen Kritik auf die grosse Vielseitigkeit und den Elan des Dirigenten hin. Die deutschsprachigen Kritiker Löbl und Werba (siehe auch oben) sind aber der Meinung, die Direktion mute doch etwas "zu eingedeutscht" an.

1968: Studio-Aufnahme: 'Ewig will ich dir gehören' 'Romanze' von Lorenzo aus dem 3. Akt von 'Fra Diavolo' (Eurodisc) mit WERNER EISBRENNER (Dir.)

Diese Aufnahme kommt auf einer Eurodisc-LP vor, worauf Rudolf Schock Opern- und Operettenerfolge von Richard Tauber singt. Kurz danach gibt es diese Aufnahme auch auf einer anderen Schock-LP mit Arien aus französichen Opern. Schock ist im Moment der Aufnahme (Januar 1968) sehr gut bei Stimme. Es stellt sich heraus, dass die von der Opernhandlung getrennte Arie einem Vortrag mit grossem Einfühlungsvermögen nicht im Wege steht. Wenn ich Schocks Version mit der von Steinhoff vergleiche, fallen mir zwei Sachen auf: Die Arie dauert bei Rudolf Schock fast eine volle Minute länger und Schocks Expressivität ist unendlich viel grösser: Das auf einmal sympathische Opfer ist Lorenzo, der zu Unrecht glaubt, Zerline habe ihn betrogen.

1978: Studio-Aufnahme: 'Dieser Plan ist misslungen' Rezitativ und Arie des Fra Diavolo aus dem 3. Akt (Eurodisc) mit FRIED WALTER (Dir.)

Die Reprise dieser Szene steht, wie man sagen kann, auf der allerletzten Opernrecital-LP von Rudolf Schock.
Er widmet diese LP seinen 'Freunden, meinem Schallplattenpublikum, das mir seit den ersten Aufnahmen im Jahre 1946 die Treue gehalten hat'. Die Arien sind von Von Gluck, Nicolai, R. Strauss, Wagner, Von Weber, Gounod, Cornelius, Auber, Leoncavallo und Von Klenau (aus der bis 1978 vergessenen Oper 'Rembrandt van Rijn' eine Arie, die auch zwischen den Schock-Aufnahmen auf der Internetsite 'YouTube' zu hören ist!). Bemerkenswert ist es, dass doch noch, gleichsam 'kurz vor Toresschluss', DER BARITON RUDOLF SCHOCK debütiert (siehe meine früheren Texte über die Laufbahn des Sängers). Er macht das als Tonio im Prolog aus 'I Pagliacci', als Valentin in dessen Gebet aus 'Margarethe (Faust)' und als Wolfram in 'O du mein holder Abendstern' aus 'Tannhäuser'. Auf die einzelnen Arien komme ich bei den diesbezüglichen Komponisten zurück.
Für Aubers 'Fra Diavolo' ist das jetzt der Fall.
Ich halte es für selbstverständlich, dass die Tenorstimme von Rudolf Schock 1978 nicht mehr die Möglichkeit hat, die schwierige Arie des selbstgefälligen Fra Diavolo von A bis Z perfekt zu singen, aber es gelingt Schock wohl, die Atmosphäre der Interpretation aus dem Jahre 1954 wieder heraufzubeschwören.

Krijn de Lege, 2.3.2008/14.10.2017