26.11.17

RUDOLF SCHOCK sings 'ALWAYS/HEIMWEH' by IRVING BERLIN & 'HEIMWEH' by HUGO WOLF (Update 26.11.2017)







 
 
 
 
Metamorphosen!
1925:  ' A L W A Y S  ', ein LOVE SONG von Irving Berlin (1888 - 1989).

Für ein Musical mit den Marx Brothers komponiert.
Von George S. Kaufmann mit Worten versehen.
Kurz danach aber von Kaufmann abgelehnt, weil das Wort 'always' zu "always" im Song vorkommt UND "Menschen einander nimmer für immer lieben...".  
Jedoch, Irving Berlin schenkt seiner Ehefrau Ellin den Song: er ist eben andrer Meinung.
Irving Berlin

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 




LINK: RUDOLF SCHOCK sings 'ALWAYS' (1949) 
(upload by Addiobelpassato)

"Everything went wrong
And the whole day long
I'd feel so blue
For the longest while
I'd forget to smile then I met you
Now that my blue days have passed
Now that I've found you at last

I'll be loving you...always
With a love that's true...always
When the things you've planned
Need a helping hand
I will understand...always, always..

Days may not be fair...always
That's when I'll be there always
Not for just an hour
Not for just a day
Not for just a year
But always...
etc.  

1927: ' H E I M W E H ', ein HEIMATLIED.
'Always' hat sich in 'Heimweh' verwandelt.
Wurde von Fritz Löhner-Beda mit ganz andren Worten versehen.
Wurde in Europa vom Star-Tenor Richard Tauber zu genausoviel Ruhm verholfen wie 'Always' in den USA.
'Heinweh' benennt das starke Verlangen in der Fremde nach der Heimat:
"Heute in der Nacht, bin ich aufgewacht und hab' geweint
Oh, du lieber Stern, dort in weiter Fern', sei du mein Freund.
Ich hab. dich so lieblich und schön, in meiner Heimat gesehn.
Weißt du , was das heißt, Heimweh?
Alles rings umher, ist so still und leer,
Traurig rauscht das Meer vor Heimweh.

Grüß das Dörflein mein, Grüß mir jeden Stein und jeden Baum.
Steht wohl noch die Bank, wo am Waldesrand die Amsel sang?
Wenn du mein Mütterlein siehst, sag nicht, wie weh es mir ist....
Sag nur, was das heißt, Heimweh.
Tag und Nacht vergehn, keiner mich versteht,
und mein Herz vergeht vor Heimweh"


Fritz Löhner-Beda (1883 - 1942), österreichischer Schriftsteller und Librettist, verfasste - zusammen mit Ludwig Herzer - die Textbücher für Franz Lehárs 'Land des Lächelns', 'Giuditta' und 'Schön ist die Welt'. Daneben - mit Alfred Grünwald -  die Librettos für Paul Abrahams 'Viktoria und ihr Husar', 'Blume von Hawaii' und 'Ball im Savoy'.
Exklusiv von Fritz Löhner-Beda sind die Texte für Lehár-Erfolge wie 'Dein ist mein ganzes Herz!' (wovon er die Worte seiner Frau Helene widmete) und 'Freunde, das Leben ist lebenswert!'.
Fritz Löhner-Beda

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Erschütternd ist, wie das äusserst lebenswertige Leben Löhner-Bedas endete.
Im Rückblick war er naiv. Er glaubte, er würde - trotz seiner jüdischen Abkunft - nicht verfolgt werden.
Möglicherweise rechnete er mit der entscheidenden Unterstützung Franz Lehárs, dessen Operetten mit u.a. Löhner-Bedas Texten unbehindert weitergespielt werden durften.
Wie dem auch sei, die Nazis sperrten ihn ein, und bis heute ist es undeutlich, ob Lehár versucht hat, seinen Textdichter in Schutz zu nehmen.
Fritz Löhner-Beda gelangte letzten Endes über die Konzentrationslager Dachau und Buchenwald in Auschwitz hin. Dort wurde er Dezember 1942 totgeschlagen. Wahrscheinlich wusste er nicht, dass seine Frau und zwei Töchter im Teenageralter inzwischen schon ermordet waren.

1945: 'LIED DER NACH RUSSLAND VERSCHLEPPTEN'
Es ist dasselbe 'Heimwehlied' von Irving Berlin & Fritz Löhner-Beda, aber es passt auf einmal zu Liedern wie das 'Buchenwaldlied', die Fritz Löhner-Beda als KZ-Gefangener auch schrieb.

Es taucht im 'Liederschatz' von Frau Theresia László-Simon als 'Lied der nach Russland Verschleppten' auf.
Frau László-Simon (geb. 1924) aus dem ehemalig deutschen - heute polnischen - Schlesien sammelte und rubrizierte schon lange Zeit Geschichten, Dialekte und Lieder aus ihrer Heimat. Darunter befand sich das Lied der Verschleppten. Es is glaubhaft, dass sie vom originellen 'Always' oder 'Heimweh' noch nie gehört hatte.

Das gilt auch für die niederländische Journalistin Laura Starink (geb. 1954).


In ihrer eindrucksvollen, ins Deutsche übersetzten Familiengeschichte 'Meine Mutter aus Mikultschütz' (2013) schreibt sie im 15. Kapitel über ihren 3. Besuch an Mikulczyce (früher: Klausberg), der Stadt, woraus ihre Familie stammt.
Laura Starink verweist unter der Überschrift 'Verschleppung nach Osten' auf Aussagen deutscher Frauen aus Mikultschütz:
"Man habe ihre Männer mit dem Zug nach Osten deportiert und gezwungen in russischen Bergwerken (heute ukrainisch) zu arbeiten. Die Meisten kehrten niemals zurück.
Darauf fangen die Frauen an, zu singen: "Heute in der Nacht/bin ich aufgewacht/und hab' geweinet/Weisst du was das heisst? Heimweh...".
Sie verdeutlichen: "dieses Lied...sei von deutschen Männern in den russischen Straflagern gemacht" und "heimlich gesungen" worden...

1949: Rudolf Schock nahm am 25. Februar 'ALWAYS' und ein gekürztes 'HEIMWEH' auf. 

Brachte HMV/Electrola je die 'Always'-Aufnahme heraus??
Ich glaube nicht.
Jedenfalls ist sie 2012 bei Membran/Documents auf einmal da, und zwar im 10 CD-Box 'Rudolf Schock: Echo of a much-loved Voice/Nachklang einer geliebten Stimme' (Order No. 233518).

Warum nahm Schock überhaupt das englischsprachige 'Always' auf?
Versuch zur Erklärung:
Rudolf Schock befindet sich 1949 in einer international ausgerichteten Phase seiner Laufbahn.
Er ist Mitglied der Londoner Covent Garden Opera, singt in einer Vielzahl britischer Städte und ist im Begriff, Richard Taubers Tournee nach Australien zu übernehmen.

Warum dann doch keine kommerzielle Veröffentlichung?
Ich vermute, die Produzenten beurteilten Veröffentlichung als überflüssig. Schock hatte ja auch das deutsche 'Heimweh' aufgenommen. Zusammen mit einem zweiten heimatlichen Lied liesse sich eine logisch zusammengestellte 78rpm-Schellack-Schallplatte daraus entwickeln. Hatte nicht auch Tauber vor dem Krieg auf Schallplatte 'Heimweh' mit 'In der Pfalz' von Jára Benes kombiniert? Und hatte Fritz Löhner-Beda nicht auch den Text von 'In der Pfalz' geschrieben?

Bemerkenswert:
Rudolf Schock singt am 25. Februar 1949 nur die 1. Strophe von 'Heimweh'. Die 2. Strophe lässt er aus.
Ich muss annehmen, dass das absichtlich geschah.
Der Text der 2. Strophe muss so kurz nach dem Krieg nicht angebracht, sogar spiessbürgerlich oder rückfällig geklungen haben. Die erste Strophe dagegen ist voll nagender Sehnsucht nach dem, was einmal war, nach denen, die einmal waren. Ein brennendes Heimweh, das in jenen chaotischen Jahren nach dem Krieg schwer drückte: die Städte zerstört, die Bevölkerung von Tod und Verderben traumatisiert, Mangel an allem, und ominöse Aussichten auf einen Eisernen Vorhang, der in der politischen Realität zwischen Ost und West, aber vor allem in der Wirklichkeit des Alltagslebens zwischen Verwandten, Freunden, Bekannten und Kollegen zugezogen werden sollte.
Am 7. Oktober 1949 waren die beiden Deutschlande denn auch eine vollendete Tatsache.

Noch bemerkenswerter: Rudolf Schock nimmt am 28. Februar 1949, drei Tage  nach Berlin/Bedas 'Heimweh', auch ein alternatives 'HEIMWEH' auf.
Der Komponist ist Hugo Wolf (1860 - 1903).
Hugo Wolf

 
 
 
 
 
 
 
 

Der Textdichter ist  Joseph von Eichendorff (1788 - 1857):
Joseph von Eichendorff












"Wer in die Fremde will wandern,
Der muß mit der Liebsten gehn,
Es jubeln und lassen die andern

Den Fremden alleine stehn.

Was wisset ihr, dunkele Wipfel,
Von der alten, schönen Zeit?
Ach, die Heimat hinter den Gipfeln,

Wie liegt sie von hier so weit!

Am liebsten betracht ich die Sterne,
Die schienen, wie ich ging zu ihr,
Die Nachtigall hör ich so gerne,

Sie sang vor der Liebsten Tür.

Der Morgen, das ist meine Freude!
Da steig ich in stiller Stund
Auf den höchsten Berg in die Weite,

Grüß dich, Deutschland, aus Herzensgrund!

Dieses Lied dieser beiden grossen, deutschen Künstlern hört man sich als hoffnungsvolle Wendung zum Guten an:
Das Heimweh kann überwunden werden. Es gibt wieder Aussichten auf eine neue, freudenvolle Zukunft!

Krijn de Lege, 26.9.2014/updated: 25.11.2017