06.04.17

RUDOLF SCHOCK sings IMRE (EMMERICH) KÁLMÁN

Rudolf Schock sings Imre (Emmerich) Kálmán.
















Rudolf Schock & Imre Kálmán:

Imre Kálmán & Franz Lehár waren tonangebend für die Wiener 'Silberne' Operette (L i n k: 'Rudolf Schock singt Nico Dostal').

Rudolf Schock sang 40 Jahre lang Operettenmelodien von Franz Lehár und Imre Kálmán auf der Schallplatte, in Filmen, im Rundfunk/Fernsehen und live während Konzertauftritten.

Im Saison 1947/48 schon erscheint eine 78 rpm Schellac-Schallplatte mit beinahe 10 Minuten Highlights aus Kálmáns 'Gräfin Mariza'.
Oda Troll, Lilli Schubert, Otto Falvay und der 32-jährige Rudolf Schock singen.
Paul Hühn dirigiert Chor und Orchester des Berliner 'Metropoltheaters':



Während Rudolf Schocks letzter 'Abend-in-Wien'-Konzerte in den Niederlanden (1985) singt er zusammen mit Christina Deutekom und Marco Bakker gut 15 Minuten Musik aus 'Die Csárdásfürstin' und 'Gräfin Mariza'' von Imre Kálmán.

Der 70-jährige Rudolf Schock geht bis an die äußerste Grenze seiner dann noch übrig gebliebenen vokalen Möglichkeiten. Die Darstellung von Tassillos 'Komm Zigany' fasziniert mich außerordentlich:





Drei Tage vor Schocks plötzlichem Sterben am 12. November 1986 schließt er sein allerletztes Chorkonzert mit einem Operettenteil ab.
Darin singt er von Kálmán 'Tanzen möcht' ich' aus der 'Csárdásfürstin' und 'Komm Zigany' aus 'Gräfin Mariza'.

Zwischen 1948 und 1985 singt Rudolf Schock auf der Schallplatte viele Male Musik von Imre Kálmán in den Jahren:
1953, 1954, 1956, 1958, 1962, 1965, 1966, 1967 und 1971.

In den Kinos und im Fernsehen zirkulieren mit Rudolf Schock von 1958 ab die Operettenverfilmung von 'Gräfin Mariza' und Imre Kálmáns Biopic 'Der Csárdáskönig'.

Im deutschen Rundfunk sind mit Schock bezw. von 1953 & 1958
ab Gesamtausführungen von Kálmáns berühmtesten Operetten 'Die Csárdásfürstin' und 'Gräfin Mariza' zu hören.

Im Fernsehen strahlt das ZDF im Jahre 1968 eine Filmproduktion von Kálmáns 'Die Zirkusprinzessin' mit Ingeborg Hallstein und Rudolf Schock aus.
Auch mit Schock werden imselben Jahr Kálmán und Lehár in der Operettenshow 'Auf ins Metropol' porträtiert.

1978 erinnert man an die Tatsache, dass Kálmán 25 Jahre vorher starb.
Der Titel des großen Operettenprogramms lautet: 'Ganz ohne UNGARN geht die Chose nicht!' und weist darauf hin, dass die Gattung 'Operette' ohne den ungarischen Imre Kálmán undenkbar gewesen wäre.

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Rudolf Schock trat live nie in der Bühnenaufführung einer Kálmán-Operette auf.
Was Operetten betrifft, war er auf der Bühne nur zu sehen in:


  • Lehárs 'Lustige Witwe', 'Graf von Luxemburg', 'Land des Lächelns';
  • J. Strauss Jrs 'Zigeunerbaron', 'Nacht in Venedig'. 'Fledermaus';
  • Bertés 'Dreimäderlhaus' (nach Schubert) in den 70. Jahren;
  • Ziehrers 'Landstreicher' und Millöckers 'Bettelstudent' in den 30. Jahren, Schocks Anfängerjahren.


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Imre (Emmerich) Kálmán 1882 - 1953














Imre Kálmán war wirklich weltberühmt.
Es ist noch nicht so lange her, dass Komponisten wie Johann Strauss Jr., Franz Lehár, Imre Kálmán u.a. in der musikalischen Welt einen hohen Status hatten.
Seit den 60. Jahren des vorigen Jahrhunderts blätterte dieser Status ab.
Er wurde zwischen einerseits der stark aufstrebenden Pop(ulären)-Kultur der Jugendlichen, andrerseits einer sich nach innen wendeten  Elite eingeklemmt.
Für letztere ließen sich Popularität und seriöse Kunst nicht (mehr) vereinen.
Die populär-klassische Operette fiel aus der Zeit, und weltweit trat die 'musical comedy' an ihre Stelle.

Kálmáns qualitativ bedeutendste Operetten waren 1912 'Der Zigeunerprimas', 1915 'Die Csárdásfürstin', 1924 'Gräfin Mariza', 1926 'Die Zirkusprinzessin' und 1930 'Das Veilchen von Montmartre'.

Dominant is seinem Werk ist die ungarische Puszta/Zigeuner-Folklore.
Hierin gingen Johann Strauss Jr., Georg Jarno und Franz Lehár ihm voraus in bezw. 'Der Zigeunerbaron' (1885), 'Die Försterchristl' (1907) und 'Zigeunerliebe' (1910).


Plakat für den ' Zigeunerbaron'
von Johann Strauss Jr. (1885)


































Kálmán aber geht weiter als seine Vorgänger.
Er setzt die ungehemmte Folklore seiner Zigeuner herausfordernd  gegen die eingeschränkte und säuberlich geharkte Ständegesellschaft der 'normalen' Menschheit ab.
In einem kompositorisch perfekten Feuerwerk von Gesang und Tanz bricht bei ihm das freie, ungebundene Leben der weit ausgedehnten, ungarischen Steppe  nach außen. Dort appelliert es an menschliches, unablässiges Verlangen nach einer Freiheit ohne Grenzen.

'Die drei Zigeuner'
Gemälde von Alois Friedrich Schönn
(1859)





























Auch im Zirkus und der Pariser Bohème glaubt Kálmán solche Mechanismen zu sehen, was ihn dazu bringt 'Die Zirkusprinzessin' und 'Das Veilchen von Montmartre' zu komponieren.

Äußerlich benimmt sich Imre Kálmán im 'normalen' Leben weit von "ungehemmt", "herausfordernd" und "ungebunden" entfernt.
Er ist ernsthaft, bescheiden, und scheint manchmal ein wenig traurig zu sein.






















Im Anlauf zum Zweiten Weltkrieg versuchen die Nazis Imre Kálmán, der Jude ist, für Deutschland so zu positionieren, dass er ungestört weiterkomponieren könnte.
Kálmán aber zieht rechtzeitig nach Paris.
Danach wandert er nach Kalifornien aus, wo er verschiedene, musikalische Aktivitäten mit Erfolg fortsetzt.
Nach dem Krieg kehrt er letzten Endes nach Paris zurück, wo er 1953 stirbt.


W i r d    f o r t g e s e t z t ...


Krijn de Lege, 6.4.2017