27.10.10

RUDOLF SCHOCK SINGT HEINZ ERHARDT (NEW: 24.2.2013)

Rudolf Schock/Benno Kusche in 'Noch 'ne Oper" von H. Erhardt (Foto: Bild+Funk 1979)
Rudolf Schock singt in einer Opernparodie von Heinz Erhardt

Aber ich fange bei Jacques Offenbach (1819-1880) an, mit dem die Musikgattung 'Operette' im Jahre 1858 einen wahren Siegeszug beginnt (siehe auch 'RS singt Nico Dostal').

Offenbachs 'Operette' 'Orphée aux Enfers (Orpheus in der Unterwelt)' ist das allererste, abendfüllende Musikdrama, das 'schamlos' parodiert und verspottet. Die Wichtigtuerei und Selstgefälligkeit eines ziemlich geschlossenen Kreises eingefleischter 'Kunstkenner' - z. B. um die zur Zeit Offenbachs hochgeschätzten Opern von Christoph Willibald von Gluck und Giacomo Meyerbeer herum - werden gnadenlos entlarvt, unwandelbaren Göttern und Helden aus dem klassischen Altertum, die in den Theatern als Leitbild der Menschheit dienen sollten, eine Vielfalt menschlicher Schwächen zugeschrieben, Fürsten und ihre Hofhaltung karikaturistisch zu jämmerlichen, aber zugleich niederträchtigen Trittbrettfahrern vergrössert. Offenbachs musikalische Kreativität und scharfer Blick auf das menschliche Handeln erfanden die OPERETTE 'AT HER BEST'!

Die Verknüpfung von Jacques Offenbach (Foto mit Lorgnette) und Heinz Erhardt ist - scheint 's - ein unmöglicher Schritt. Aber ich wage mich trotzdem daran, Erhardts 'Zehnpfennigoper' aus dem Jahre 1948 (1978 zu 'Noch 'ne Oper' umgearbeitet) in die Offenbach-Tradition einzufügen. Ich bitte also um Ihre Aufmerksamkeit für 'Noch 'nen Komponisten', und der Name ist

Heinz Erhardt (1909-1979)!

Online gibt es allerhand über Heinz Erhardt zu lesen, zu hören und zu sehen. Für mich also keine Notwendigkeit, ausführlich auf all seine Worte und Taten einzugehen. Ausserdem schickt es sich, dass ich mich bescheiden verhalte: Deutsche werden ihren vielseitigen Lieblingskomeriker ohne Zweifel viel besser als ein Niederländer einschätzen können. Obwohl ich staune über einen Textabschnitt in Westermanns 'Kulturtagebuch-1900 bis heute'(Braunschweig 1984 - 1. Aufl.): "Und wenn im Laufe der frühen achtziger Jahre der schweifende Blick der nostalgischen Verklärung selbst Nierentisch und den eierköpfigen Sprücheklopfer jener Zeit, Heinz Erhardt, wiederentdeckt, dann steckt dahinter wohl auch die Sehnsucht nach einer Epoche, die noch erfolgreicher im Verdrängen der Ängste war als die unsere" (Rainer Wagners Essay: "Gegen die Erstarrung"). Es wird in der Fortsetzung dieses Essays deutlich, warum Rainer Wagner vorausblicken will: eine nostalgische "Flucht vor der Wirklichkeit ist nicht ohne Tücken". Aber zeugt es auch nicht von "Erstarrung", wenn eine(r) nur vorausblicken, und nie mehr in Verwunderung oder Bewunderung zurückschauen dürfe? Zum Beispiel auf ein Phänomen wie Heinz Erhardt?

Erhardt war ein Tausendsasa: Komiker, Kabarettist/Schauspieler, Dichter/Schriftsteller, Entertainer und Musiker/Komponist. Er spielte in sehr vielen Filmen, und war als Conférencier/Vortragskünstler/Komiker (sehen Sie sich auf 'YouTube' u.a. 'Das Gewitter' aus dem Jahre 1959 an) besonders in den Fünf- und Sechzigern masslos populär. Sein Humor quillt aus Wortspielen, originellen Einfällen, närrischer Übertreibung, überraschenden Gegensätzen und knapp, präzise formulierten Lebenssprüchen hervor.

(Von Julia Denuell gemalter Affiche zum 100. Geburtstag Erhardts)

Nach einem Schlaganfall (1971) kann Heinz Erhardt nicht mehr schreiben und sprechen, wohl lesen und hören.

In den Jahren 1978 und 1979 bereitet er mit seinem Sohn Gero (geb. 1942) und dem Komponisten Peter Thomas eine Fernsehfassung der 'Zehnpfennigoper' vor. Als Regisseur wird der erfahrene Claus Peter Witt (auch 1942 geb.) angezogen.

Am 21. Februar 1979 - Erhardt war gerade am 20. Februar 70 Jahre alt geworden - straht das ZDF die Oper aus. Einige Monate später stirbt Heinz Erhardt.

'Noch 'ne Oper'
(Texte: Heinz Erhardt/Musik: Heinz Erhardt und Peter Thomas)


im Vordergrund v.l.n.r Schramm, Kusche, Schock (Foto: Bild+Funk 1979)

'Noch 'ne Oper' ist eine Opernparodie, von Heinz Erhardt "eine Kabarett-Oper" genannt, deren Musik am laufenden Bande und unbekümmert aus Opern, Operetten und Volksweisen zitiert. Es ist an und für sich schon eine Attraktion, zu versuchen, Titel und Komponist der bekannten Melodien, die in allerlei instrumentalen Übergängen kurz aufglühen, á la minute zu erraten. Wagners 'Fliegender Holländer' und Verdis 'Aida' ziehen vorbei, Beethovens 'Alle Menschen werden Brüder' klingt, und dann gibt es auch noch u.a. Schubert, Von Weber, Lortzing, Lehár, Johann Strauss Jr., Mozart und das Volkslied 'Muss i denn' um den musikalischen Grabbelkasten (neues deutsches Wort? - kdl) weiter zu bereichern.
Auch der Plot erinnert an bekannte Musikdramen: Clothilde, Ritter Kuniberts Gattin, wirft sich wie Puccinis Tosca von der Burgmauer, und in den beiden, blutigen Zweikämpfen plus Exekution am Ende erkennen wir das Klischee vieler, heftiger Opernfinales wieder. Die Geschichte ist simpel: Kunibert und Geierblick sind befreundete Raubritter. Clothilde ist von Geierblick entzückt, und diese Entzückung ist bilateral. Das Paar liebt einander heimlich, was aber nicht verborgen bleibt, und vier Personen das Leben kostet. Heinz Erhardt ist in seinem Element: die Oper ist lauter komische Übertreibung und paradoxer Unsinn. Oder haben diese Paradoxien eben wohl Sinn? Im Epilog der Opernparodie erfährt der Zuhörer: "Man macht 'ernsthafte Sachen' nicht fröhlicher, indem man sie ernsthaft behandelt. Nur 'fröhliche Sachen' sind es wert, ernsthaft behandelt zu werden". Ich bekomme den Eindruck, der Kabarettist Heinz Erhardt amüsiere sich grimmig über den tierischen Ernst, womit nicht selten aus dem Elfenbeinturm sowohl von Künstlern wie Kunstkritikern über Literatur, bildende Künste und Musik gesprochen und geschrieben wird.           














Erhardt lässt denn auch in zwei Pausen der Oper Theaterpersönlichkeit Loriot (Foto) auftreten, der den 'gesellschaftskritischen Tiefgang mitsamt der einmalig-historischen Bedeutung dieses Erhardt-Kunstwerks' näher erläutert. Irgendwo sonst im Text lässt er Loriot sagen: " Es gab Johann Sebastian Bach in Leipzig, Wolfgang Amadeus Mozart in Wien, Richard Wagner in Bayreuth, und es gab Heinz Erhardt im ZDF!". Der Gegensatz zwischen klassischem Opernstil und albernen Szenen und Texten macht auch viel Spass: im ersten Akt zieht Geierblick kämpferisch und feierlich auf so etwas wie einem Schaukelpferd in die Burg ein. Gastgeber Kunibert bietet ihm einen Pokal Wein an, aber Geierblick repetiert monoton und in endlosem Falsett, er könne so früh am Morgen wirklich keinen Alkohol vertragen. Clothilde singt wiederholt im gleichen Akt in ihrer 'grossen Arie', sie "habe ein Bad genommen, aber das Wasser sei viel zu kalt", und ein besonderes Augenzwinkern geht von dem vom 'brillanten' Komponisten "mit genialer Mühelosigkeit" komponierten, 'grösser als grössten Liebesduett' Clothilde-Geierblick (2. Akt) aus: "Weil du mich liebst, bin ich so glücklich, weil du mich liebst, bin ich so froh". Wir schreiben das Jahr 1979, und Rudolf Schock und Margit Schramm präsentieren sich dem Fernsehpublikum noch ein einziges Mal - betont ironisch (!) - als das geliebte 'Operetten-Traumpaar der Sechziger'.

Ausführung und Rollenbesetzung

Erhardts eine gute Stunde dauernde Fernseh-Oper lässt sich - nach einigen Gläsern Wein - 'auf wissenschaftlich verantwortungsvolle Weise' folgendermassen einteilen:
 
1.) Vorbereitungen zur Oper
2.) Erster Akt der Oper
3.) Loriot über die gesellschaftskritische Bedeutung dieser Oper
4.) Zweiter Akt der Oper
5.) Loriot über diese Oper in historischer Perspektive
6.) Die vom Winde verwehte, weltweite Rezeption der Oper
7.) Dritter Akt der Oper
8.) Epilog: "Nur fröhliche Sachen sind es wert, ernsthaft behandelt zu werden"
 
Die eigentliche Handlung von 'Noch 'ne Oper' aus dem Jahre 1979 dauert trotz der pompösen Ankündigung 'dreier Akte' kaum länger als ihre Urform 'Die Zehnpfennigoper', die nur einen Akt hat. Dieser Titel verweist sowohl spielerisch als auch bescheiden auf die 'Dreigroschenoper'(1928) von Kurt Weill/Bertolt Brecht. Die Doppeldauer der Fernsehproduktion entsteht vor allem durch die Ergänzung um einige 'Making of'-Szenen, worin die gespielt 'sehr künstlerischen Mitarbeiter am Fernsehfilm' die Gelegenheit bekommen, ihre Eitelkeit zur Schau zu tragen.

Von der alten, eine halbe Stunde dauernden Rundfunkfassung brachte 'Berlin Classics' in ihrer Heinz Erhardt-Spezial-Edition eine CD heraus, worin der Wagnerbassist Gustav Neidlinger den Kunibert und der (hauptsächlich) Operettentenor Rupert Glawitsch den Geierblick singen.

!Der Fernsehfilm erscheint Mai 2013 auf DVD, von Pidax Film herausgebracht (Art.Nr. 490275), und kann bei JPC, Amazon usw. bestellt werden!

 
Zur Besetzung von 'Noch 'ne Oper' lud das ZDF 1978 eine reiche Auswahl an damals bekannten Persönlichkeiten aus der deutschsprachigen Welt von Film, Schaubühne, Fernsehen (Rundfunk) und Musik ein: Heinz Erhardt, der ja seit 1971 nicht mehr sprechen konnte, ist als 'Mysteriöser Stummer Mann im Stadtpark' zu sehen, aber mit Hilfe alter Rundfunkaufnahmen ab und zu doch noch zu hören. Seine frühere Rolle des Erzählers wird grossenteils vom Karikaturisten, Schriftsteller, Filmregisseur und Fernsehautor Loriot (Vicco von Bülow, geb. 1923) übernommen. Dieser gibt - wie ich schon erwähnte - als 'gesellschaftlich engagierter Wissenschaftler' den 'sachverständigen Kommentar' zur Oper.


Der sehr extravertierte Bass-Bariton Benno Kusche (1916-2010) singt und spielt effektvoll einen schwülstigen Ritter Kunibert (In einem der nächsten Aufsätze komme ich gewiss auf Benno Kusche zurück). Kusche und Schock waren vielseitige Sänger, die sich in Oper und Operette regelmässig trafen: u.a. im EMI-Studio für Richard Wagners 'Meistersinger von Nürnberg' (Berlin 1956) und im Eurodisc-Studio für den 'Zigeunerbaron' von Johann Strauss Jr. (Berlin 1964). Operettendiva Margit Schramm (1935-1996, siehe auch 'RS singt Nico Dostal') stellt eine berechnende, kühle Clothilde dar, die - nur vom 'Liebesduett' mit Rudolf Schock abgesehen - nachdrücklich nicht an ihre Operettenvergangenheit erinnert, und die groteske Darstellung des 'Ritters von der traurigen Gestalt' Geierblick bereitet Rudolf Schock grosse Spielfreude.

In den 'Making-of'-Szenen und einem Flashback (mit Heinz Erhardt als 'Mann im Park' und Chris 'Spielereien mit Schallplatten' - Howland als 'Mann, der vergebens versucht, den Parkrasen von Papierabfällen freizuhalten' - Foto: Bild+Funk 1979) sind - manchmal ganz kurz - alle übrigen Mitarbeitenden zu sehen: Filmschauspieler Gert 'Goldfinger' Fröbe, Cornelia Froboess (Foto), die sich von Jugendidol zur gefeierten Schauspielerin entwickelte, Schauspieler Harald Juhnke, Pianist/Bandleader Paul Kuhn (er ist in der Oper der 'Dirigent'), Schauspieler und Fernseh-Show/Quizmaster Hans-Joachim Kulenkampff, Sängerin Evelyn Künneke (Tochter des K0mponisten Eduard Künneke), die Schauspielerinnen Inge Meysel und Liselotte Pulver und - vom Golfplatz - Film- und Bühnenlegende Heinz Rühmann.



Gert Fröbe/Heinz Rühmann








Schliesslich: Der echte Dirigent ist Emmerich Smola (geb. 1922). Er leitet das Rundfunkorchester des SWF durch die Partitur des Offenbach-Jüngers HEINZ ERHARDT auf eine so ernsthafte Weise, dass sie bestimmt als vollkommen in Harmonie mit der fröhlichen, musikalische Auffassung des Komponisten gelten kann!
Krijn de Lege, 16.11.2010/24.2.2013
* nächstes Mal: Rudolf Schock singt Edmund Eysler. Nach Eysler: Rudolf Schock singt Leo Fall *

14.10.10

RUDOLF SCHOCK SINGT HANS EBERT/HANS BETHGE

Wandgemälde in Dun Huang aus der Periode der Tang-Dynastie













Rudolf Schock singt:
FÜNF CHINESISCHE GESÄNGE
Musik: Hans Ebert
Text: Hans Bethge

Hans Ebert (1889-1952)
Über den Komponisten und Dirigenten Hans Ebert war bis vor kurzem kaum Information zu finden. Er wurde nur in einer auffallend langen, besonderen Reihe von Komponisten genannt, die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts deutschsprachige Textbearbeitungen alter chinesischer Gedichte vertonten.

Anno 2015 ist mehr über ihn bekannt:
Im Anlauf zum 2. Weltkrieg war Hans Ebert (dessen Gattin jüdisch war!) als Komponist orchestraler Musik, von Liedern und Filmsoundstracks ausgesprochen beliebt.
Noch 1940 erlebte er, dass seine Oper 'Hille Bobbe' zur gleichen Zeit in Nürnberg, Darmstadt und Königsberg erfolgreich Premiere hatte.
Das Werk konnte jedoch als Kritik am Naziregime interpretiert werden, worauf die Oper prompt als "Negermusik, dekadent und dissonant" diskwalifiziert wurde. Im Jahre 1943 musste Ebert gezwungen die Reichsfilm- und Reichsmusikkammer verlassen. Merkwürdig dabei war, dass 'Hille Bobbe' danach doch oft weitergespielt werden durfte.

(NB: Eberts Inspirationsquelle war ein Gemälde aus dem Jahre 1633 des niederländischen Malers Frans Hals, worauf eine ältere, schamlos grinsende Frau namens Hille Bobbe abgebildet war (auf niederländisch 'Malle Babbe = Blöde Barbara' auch wohl 'Die Hexe von Haarlem' genannt).      

Hans Bethge (1876-1946)

Der Dichter und Schriftsteller Hans Bethge ist der Vergessenheit eher entkommen, obschon sich herausstellt, dass in literarischen Kreisen sein künstlerisches Können ziemlich umstritten war, und wahrscheinlich noch immer ist: Bethges in Fernost situierte Gedichte sind Bearbeitungen schon bestehender Übersetzungen aus dem Chinesischen. Bethge konnte kein Chinesisch sprechen. Er spiele - in den Augen der Literaturkritik - den grossen Herrn mit "Lyrik aus zweiter Hand" (Adorno). Positive Aussagen renommierter Schriftsteller wie Rainer Maria Rilke, Stefan Zweig und Hermann Hesse konnten daran nichts ändern. Ich vermute, Bethge lasse sich ordentlich mit dem genauso literarisch umstrittenen Karl May (1842-1912) vergleichen, dem Schöpfer von Old Shatterhand, Winnetou und Kara Ben Nemsi, dessen Reiseromane sich vorwiegend in Nordamerika und dem Nahost abspielen.

Es ist dagegen beachtenswert, dass Textdichter Hans Bethge in der musikalischen Welt weit und breit wegen der Feinfühligkeit seiner Neudichtungen der (u.a.) chinesischen Poesie bewundert und gelobt wurde. Die Bearbeitungen erwiesen sich nämlich als eine exotische Inspiration für allerhand Kompostionen grosser und kleine(re)r Tondichter: Gustav Mahlers 'Lied von der Erde', das grossenteils Bethges Texte zitiert, könnte als eindrucksvollstes Beispiel gelten. Aber auch Richard Strauss, Arnold Schönberg, Gottfried von Einem, Ernst Krenek und Anton Webern benutzten Bethges Gedichte, und Operettenkomponist Franz Lehár setzte aus Bethges Poesiesammlung für sein 'Land des Lächelns' das Gedicht 'Birnbaumblüten' ins innige 'Von Apelblüten einen Kranz' um.

Eine 2300 Jahre alte, chinesische Dichtkunst







Die chinesischen Verse, die Hans Bethge bearbeitete, stammen aus der Periode der Tang-Dynastie, die nahezu unabgebrochen von 618 bis 907 dauerte, und als ein Höhepunkt in der chinesischen Kultur betrachtet wird.

















Während der Tang-Dynastie erlebten die Künste eine ungeheure Blüte, und einer ihrer legendären Vertreter war der Dichter Li-Bai (auch Li-Po oder Li-Tai-Po genannt - siehe Zeichnung), der von 705 bis 762 lebte. Dieser Li-Bai schrieb viele Gedichte, die zusammen mit Poesie einer Anzahl Zeitgenossen Hans Bethge in die Hände geraten waren. Dieser setzte sich an eine umfangreiche Neudichtung, wobei er vor allem viel Erfolg mit seiner chinesischen Lyrik im Zyklus 'Die Chinesische Flöte' hatte, die im Jahre 1920 - um andere Poesie ergänzt - als 'Pfirsichblüten aus China' neu veröffentlicht wurde.














Rudolf Schock singt Hans Ebert
Im Jahre 2005 brachte das schweizerische CD-Label Relief zum Rudolf Schocks 90. Geburtstag eine - was Programm, Tonqualität und Ausstattung betrifft -hervorragende Doppel-CD heraus, worauf ich in den vergangenen Jahren schon oft hingewiesen habe. Relief, das der Kassette den Titel 'Rudolf Schock, Germany's great lyric Tenor' (Relief CR 3001) mitgibt, führt den Hörer durch Schocks sehr breites Opernrepertoire (Periode 1946-1953) und fügt den CDs noch Fragmente aus Händels 'Messias', Bruckners 'Grosse Messe' und 'Fünf Chinesische Gesänge' von Ebert/Bethge hinzu. Die Herausgabe zählte damals im Jahre 2005 acht Neuveröffentlichungen, worunter die der chinesischen Lieder.

Hätte ich diesen Artikel 'Rudolf Schock singt Hans Bethge' genannt, müsste ich bestimmt erwähnen, Schock habe zahllose Male Lehárs 'Von Apfelblüten einen Kranz' dargestellt, wovon es auf Schallplatte und/oder CD allein schon fünf Aufnahmen gebe. Und gewiss hätte ich daran erinnert, Rudolf Schock und die Altistin Margarete Klose sängen unter dem Dirigenten Hans Schmidt-Isserstedt Mahlers 'Lied von der Erde' (Hamburg, 1948). Ich muss aber 'prima' von der 'musica' ausgehen, und nur Hans Ebert allein ist für die schöne Musik der 'Fünf Chinesische Gesänge' verantwortlich.

Die 'Fünf Chinesische Gesänge' (eigenwillig) zusammengefasst:

Lied 1 ('Im Frühlingsgarten...'), das musikalisch (angenehm) unter Richard Strauss-Einfluss steht, besingt den überglücklichen Menschen (Li-Bai - siehe Zeichnung) im Frühlingsgarten, der ihn zum Dichter gemacht hat. Wenn die Blumen im Garten schon längst vergangen sind, werden sie noch immer in der Seele des Dichters blühen...

Lied 2 ('Sieben Schimmel traben...') umreisst durch knappe, aber anschauliche Stichwörter, und auf Akzenten einer betont chinesisch anmutenden Musik komponiert, sieben trabende Pferde um eine Herberge (?) herum, worin sieben schreibende, alte Männer und "eine alte Vettel" sind (es steht so geschrieben; also bitte ich um Verzeihung - kdl). Aber zum Glück - denn die Lenz ist da, und der Wein schmeckt gut - gibt es auch sieben junge Mädchen, und die "treten ein...treten ein".

Lied 3 ('Einst aus meinem Grabe...') Einst werden aus meinem Grabe ungezählte, rote Tulpen spriessen. Denn ich fühle eine heiss brennende Sehnsucht nach der Geliebten. Ein grosses Feuer lodert in mir auf. Es muss darum wohl so sein - wenn es auch ein Wunder ist - dass ich einst als Toter noch so (rot) glühen wird...

Lied 4 ('Die jungen Leute lieben...'): Die Jugend liebt farbige Gewänder, genauso wie die Lenzgärten ihre wundervolle Farben. "Doch wehe": Wer - sei er noch so jung - in fremde Länder wandert, trägt einen "schwarzen, trauernden Gewand..."

Lied 5 ('Die Pfirsichblüten flattern...'): Die Pfirsichblüten flattern in der Lenzluft, Bäume spiegeln sich im Bach. Aber der Duft der Pflaumenbäume findet mich "schlaff und müde". Die Verse "gleiten schwer von meinen Lippen"..."Komm, süsse Nacht, ersticke meinen Jammer" und lass mich in deinen "vielgeliebten" Armen schlafen...

Die Aufnahmen
wurden Mai 1951, ein Jahr vor Hans Eberts Tode, von dem Berliner RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) gemacht. Rudolf Schock wird am Klavier von Herbert Heinemann begleitet, der in den Fünfzigern u.a. als Konzertpianist tätig war. Es gibt von ihm Schallplatten-Aufnahmen mit dem Orchester Harry Hermann und der Nordwestdeutsche Philharmonie unter Wilhem Schüchter. Mit Schüchter spielt er Gershwins 'Rhapsody in Blue' en Addinsells 'Warsaw Concerto'.















 



















"Germany's Rudolf Schock" - er zählte damals 35 Jahre - ist 1951 vokal 'at his very, very best': Schocks Gesang ist äusserst schmelzend und geschmeidig, und er trägt die fernöstlichen Lieder buchstäblich aus vollem Herzen vor. Es ist den Tontechnikern von Relief gelungen, das - wie ich verstanden habe - ziemlich mangelhafte Klangbild der alten Rundfunkaufnamen so zu restaurieren, dass Glanz und Natürlichkeit von Schocks Stimme ganz zur Geltung kommen.

Krijn de Lege, 14.10.2010/14.3.2015

12.10.10

RUDOLF SCHOCK ZINGT HANS EBERT/HANS BETHGE

Muurschildering in Dun Huang uit de periode van de Tang-dynastie













Rudolf Schock zingt:
FÜNF CHINESISCHE GESÄNGE
Muziek: Hans Ebert
Tekst: Hans Bethge

Hans Ebert (1889-1952)
Over componist en dirigent Hans Ebert was tot voor kort nauwelijks informatie te vinden. Hij werd alleen genoemd in een opvallend lange rij van componisten, die in de eerste helft van de 20ste eeuw Duitstalige tekstbewerkingen van oude Chinese gedichten op muziek hebben gezet.
 
Anno 2015 is er meer over hem bekend:
In de aanloop naar de 2e wereldoorlog was Ebert, wiens vrouw Joods was, gewild als componist van liederen, orkest- en filmmuziek.
Nog in 1940 ging tegelijkertijd in Neurenberg, Darmstadt en Königsberg zijn opera 'Hille Bobbe' in succesvolle première. Het werk kon echter worden uitgelegd als kritiek op het Nazi-regime, waarop de opera prompt als "negermuziek, decadent en uit de toon vallend" werd gediskwalificeerd. In 1943 moest Ebert gedwongen de "Reichsfilmkammer" en "Reichsmusikkammer" verlaten. Het vreemde daarbij was, dat 'Hille Bobbe' desondanks mocht worden  doorgespeeld.
Nederlanders zal het misschien interesseren, dat de - gemeen grijnzende - Hille Bobbe is afgebeeld op een schilderij van de 17e eeuwse kunstschilder Frans Hals. De naam van het schilderij is 'Malle Babbe (Malle Barbara)' of 'De heks van Haarlem'  (De 'Malle Babbe' van Rob de Nijs is een struise prostitué).   
         

Hans Bethge (1876-1946)

De dichter en schrijver Hans Bethge is aan de vergetelheid ontkomen, al blijkt, dat in LITERAIRE kringen zijn kunstenaarschap tamelijk omstreden was en waarschijnlijk nog altijd is: Bethge's in het Verre Oosten gesitueerde gedichten zijn bewerkingen van al bestaande vertalingen uit het Chinees. Bethge sprak geen Chinees en speelde - in de ogen van de literatuurkritiek - mooi weer met "tweedehands poëzie" (Adorno). Positieve reacties van gerenommeerde schrijvers als Rainer Maria Rilke, Stefan Zweig en Hermann Hesse konden daar niets aan veranderen. Ik vermoed, dat er een aardige vergelijking valt te maken met de al even omstreden Karl May (1842-1912), schepper van Old Shatterhand, Winnetou en Kara Ben Nemsi, wiens reisromans zich hoofdzakelijk in Noord-Amerika en het Midden-Oosten afspelen.

Opmerkelijk is echter, dat tekstdichter Hans Bethge in de MUZIKALE wereld alom bewonderd en geprezen werd om de fijngevoeligheid van zijn 'hertalingen' van (o.a.) Chinese poëzie. Ze bleken een inspiratiebron voor allerhand composities van grote en kleine(re) componisten: Gustav Mahlers 'Lied von der Erde', dat grotendeels Bethge's teksten volgt, is daarvan het indrukwekkendste voorbeeld. Maar ook Richard Strauss, Arnold Schönberg, Gottfried von Einem, Ernst Krenek en Anton Webern maakten gebruik van Bethge's gedichten en operette-componist Franz Lehár zette uit Bethge's poëzieverzameling voor zijn 'Land des Lächelns' het gedicht 'Birnbaumblüten' om in het innige 'Von Apfelblüten einen Kranz'.

Een 2300 jaar oude Chinese dichtkunst

De Chinese verzen, die Hans Bethge bewerkte, stammen uit de periode van de Tang-dynastie, die vrijwel onafgebroken duurde van 618 tot 907 en gezien wordt als een hoogtepunt in de Chinese cultuur. Tijdens deze dynastie beleefden de kunsten een grote bloei en één van haar legendarische vertegenwoordigers was de dichter Li-Bai (ook Li-Po of Li-Tai-Po genoemd - zie tekening), die leefde van 705 tot 762. Deze Li-Bai schreef vele gedichten, die samen met poëzie van een aantal tijdgenoten in handen kwamen van Hans Bethge. Deze begon aan een omvangrijke 'hertaling', waarbij hij vooral veel succes had met de door hem verzamelde Chinese lyriek in zijn cyclus 'Die chinesische Flöte', die in 1920, aangevuld met andere poëzie, opnieuw uitkwam onder de titel 'Pfirsichblüten aus China (Perzikbloesems uit China)'. Voor de Nederlandse lezer is het interessant om te weten, dat ook de Nederlandse schrijver Jan Jacob Slauerhoff (1898-1936) zich met Oost-Aziatische gedichten bezig hield.

Rudolf Schock zingt Hans Ebert
In 2005 liet het Zwitserse platenlabel Relief t.g.v. Schock's 90ste geboortedag een - zowel wat vorm, inhoud én geluidskwaliteit betreft - schitterende dubbel-CD verschijnen, waarnaar ik in de afgelopen jaren al vaak heb verwezen. Relief, dat de cassette de titel 'Rudolf Schock, Germany's great lyric tenor' (Relief CR 3001) meegeeft, leidt de luisteraar door Schock's zeer brede opera-repertoire (tijdvak 1946-1953) en voegt daaraan toe: fragmenten uit Händel's 'Messias', Bruckner's 'Grosse Messe' en 'Fünf Chinesische Gesänge' van Ebert/Bethge. De publicatie in 2005 telde acht nog nooit uitgebrachte opnamen, waaronder die van de Chinese liederen.

Zou er boven mijn tekst 'Rudolf Schock zingt Hans Bethge' hebben gestaan, had ik hier absoluut verteld, dat Schock talloze malen Lehár's 'Von Apfelblüten einen Kranz' gezongen heeft, waarvan op plaat en/of CD alleen al vijf opnamen bestaan. En verder had ik er natuurlijk aan herinnerd, dat Rudolf Schock en de alt Margarete Klose onder dirigent Hans Schmidt-Isserstedt Mahler's 'Lied von der Erde' gezongen hebben (Hamburg, 1948). Maar ik ga nu eenmaal uit van 'prima la musica' en Hans Ebert is de componist van de muziek van de 'Vijf Chinese Gezangen'.

De 'Fünf Chinesische Gesänge' vrijmoedig samengevat:

Lied 1 ('Im Frühlingsgarten...'), dat muzikaal (aangenaam) onder invloed van Richard Strauss staat, bezingt de zielsgelukkige mens (Li Bai - zie tekening) in de lentetuin, die hem tot een dichter heeft gemaakt. Wanneer de bloemen in de tuin al lang zijn vergaan, zullen zij nog altijd in de ziel van de dichter blijven bloeien...

Lied 2 ('Sieben Schimmel traben...') schetst kortweg met trefwoorden op accenten van een nadrukkelijk Chinees aandoende muziek zeven dravende paarden rond een herberg (?), waarin zeven schrijvende, oude mannen en een "smerig, oud wijf" zijn (het staat er zo; dus neemt u mij niet kwalijk - kdl). Maar gelukkig - want het is weer lente en de wijn smaakt goed - komen er ook zeven jonge meisjes, en "die gaan naar binnen...gaan naar binnen..."

Lied 3 ('Einst aus meinem Grabe...'): Eens zullen uit mijn graf ontelbare, rode tulpen groeien en bloeien. Dat komt, omdat ik een fel brandende liefde voor haar voel. Er laait een groot vuur in mij. Dus moet het wel zo zijn - al is het een wonder - dat ik, als ik dood ben, nog net zo (rood) gloei(end bemin) als tijdens mijn leven...

Lied 4 ('Die jungen Leute lieben...'): De jeugd houdt net zo veel van kleurige kleding als de tuinen in de lente, die zich in prachtige kleuren hullen. Maar wee degene - ook al is hij nog zo jong -, die door vreemde landen zwerft: hij draagt een zwart-treurend gewaad...

Lied 5 ('Die Pfirsichblüten flattern...''): De perzikbloesems bewegen in de lentelucht, bomen spiegelen zich in de beek, de geur van pruimenbomen bereikt mij, maar hij vindt een dodelijk vermoeid mens: de verzen vloeien moeizaam van mijn lippen. Ik verlang naar de zoete nacht, die mij - slapend in haar liefdevolle armen - al mijn ellende doet vergeten...

De opnamen
werden mei 1951, een jaar voor Hans Ebert's overlijden, door de Berlijnse RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) gemaakt. Rudolf Schock wordt aan de piano begeleid door Herbert Heinemann, die in de jaren vijftig o.a. als concertpianist actief was. Er bestaan van hem plaatopnamen met het orkest Harry Hermann en de Nordwestdeutsche Philharmonie onder Wilhem Schüchter van de Rhapsody in Blue (Gershwin) en het Warsaw Concerto (Addinsell).

De 35-jarige Rudolf Schock is in 1951 op z'n vocale top: Schock's zang is uiterst welluidend en soepel en hij draagt de liederen met hart en ziel voor. De geluidstechnici van Relief zijn erin geslaagd - naar ik begrepen heb - het nogal gebrekkige geluidsbeeld van de oude radio-opnamen zo te restaureren, dat de schoonheid en natuurlijkheid van Schock's stem volledig tot hun recht komen.

Krijn de Lege, 14 oktober 2010/14 maart 2015