25.11.10

RUDOLF SCHOCK SINGT EDMUND EYSLER


Rudolf Schock singt
Edmund Eysler

Aber ich beginne mit der Empfehlung: Lesen Sie bitte zuerst die Einleitung zu 'Rudolf Schock singt Nico Dostal'! Dann wissen Sie genau, wo Sie den Wiener Operettenkomponisten Edmund Eysler in die Operettengeschichte einstufen müssen:

Die erste, grosse - 'GOLDENE' - Periode der Wiener Operette geht mit Richard Heubergers 'Opernball' (1898) und Carl Ziehrers 'Landstreichern' (1899) zu Ende. Aber dann hat einige Tage vor Weihnachten 1902 Franz Lehárs 'Rastelbinder' mit bemerkenswertem Erfolg Premiere, wonach Anfang 1903 mit (beinahe) ebensoviel Beifall 'Bruder Straubinger' zum ersten Male aufgeführt wird, eine Operette von Edmund Eysler, "dem zweiten, neuen Mann in der Saison, dem das Operettenglück zu blühen scheint".

Im Jahre 1905 ist Lehárs 'Lustige Witwe' bühnenreif. Nach einigem Zögern ist sie es, die die zweite, grosse - 'SILBERNE' - Periode der Wiener Operette markiert. Zusammen mit Lehár und Eysler sind es besonders die einfallsreichen Komponisten Leo Fall (1873-1925), Oscar Straus (1870-1954), Oskar Nedbal (1874-1930) und Emmerich Kálmán (1882-1953), die mit ihren Operetten die Qualität der Werke ihrer 'goldenen' Vorgänger auszustechen versuchen.



links: Oscar Straus
mitte: Franz Lehár
rechts: Leo Fall
(Foto: Archiv Bernard Grun)












Edmund Eysler (1874-1949) (nicht mit Kurt Weills Kunstbruder, dem 'proletarischen Bühnen- und Filmkomponisten' Hanns Eisler zu verwechseln)

Vater Eisler (jawohl, mit i und nicht mit y) ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, aber in bezug auf seine Familie ziemlich distanziert. Seine ungarische Frau ist dagegen eine liebevolle Mutter und künstlerisch begnadet. Wie zu erwarten ist, fühlt sich der junge Edmund stark auf sie bezogen.

Im Jahre 1881 macht Edmunds Vater Bankrott. Die Familie ist gezwungen, alle Besitztümer zu verkaufen, aber es gelingt Edmunds Mutter, das Klavier zu retten. Wenn Edmund 15 Jahre alt ist, begegnet er dem nur ein Jahr älteren Leo Fall (Foto links). Zusammen spielen sie Klavierduette, musizieren sie in Streichquartetten, und besuchen sie das Konservatorium. Edmund Eysler schreibt die Oper 'Der Hexenspiegel', worin jedoch kein einziger Theaterdirektor blicken will. Musik daraus gebraucht er darauf in seiner ersten, grossen Operette: 'Bruder Straubinger'. In der Saison 1902/1903 macht 'Bruder Straubinger' in Wien Premiere mit Alexander Girardi (1850-1918 - Foto), der bedeutendsten Theaterpersönlichkeit jener Jahre, in der Titelrolle. Auch durch Girardi findet die Operette ausserordentlich viel Anklang, und von diesem Augenblick an schreibt EYsler seinen Namen mit einem schwungvolleren y.

In den folgenden Dezennien komponiert Eysler noch so ungefähr 60 Operetten. Er lebt vergnügt und nonchalant in den Tag hinein, legt den Akzent auf 'Wein, Weib und Gesang' und ist in Pferde vernarrt. Im Laufe der zwanziger Jahre gerät er in finanzielle Schwierigkeiten, aber das Glück lacht ihm sofort wieder zu, wenn er dank eines prima Textbuches wiederum richtig Erfolg hat, und zwar mit der typisch Wiener Volksoperette: 'Die gold'ne Meisterin' (1927). Nach dem Jahre 1934 werden die Operetten des jüdischen Edmund Eysler nicht mehr gespielt, und muss er sich - von Freunden geschützt und gegen das öffentliche Leben abgeschirmt - verbergen. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wird Edmund Eysler rehabilitiert.

Gesagt werden muss, dass heutzutage die Musik Eyslers nur noch sporadisch ausgeführt wird. 'Die gold'ne Meisterin' erfreut sich nach wie vor einer bestimmten Popularität, und von den anderen Operetten haben sich einige Lieder im Laufe der Zeit gleichsam verselbständigt, wonach sie zu Wiener Volksliedern geworden sind. Aus der Operette 'Schützenliesl' (1905) geschah das mit dem äusserst gefühlvollen 'Mutterllied', aus dem 'Lachenden Ehemann' (1913) mit dem mehr oder weniger lebensklugen Lied (für mich keine Schnulze) 'Fein, fein schmeckt uns der Wein' und aus 'Bruder Straubinger' mit dem in dramatischer Hinsicht wichtigsten Moment dieser Operette 'Küssen ist keine Sünd'. Eyslers Musik voller Walzerseligkeit ist "gemütvoll und hat herzhafte Frische" (Bernard Grun, Die leichte Muse, Kulturgeschichte der Operette - im Albert Langen Müller Verlag). Sie ist bestimmt sentimental, aber passend in die offenherzige und deshalb einen prickelnden Reiz ausübende Atmospäre der ersten dreissig Jahre des vorigen Jahrhunderts. Eyslers Librettowahl war aber im allgemeinen auch zu wenig kritisch, und er neigte dazu, sich musikalisch hier und da zu wiederholen.

Rudolf Schock singt Edmund Eysler

Neben Fragmenten aus der 'Gold'nen Meisterin', 'Bruder Straubinger' und dem 'Lachenden Ehemann' in Wiener Besetzung mit u.a. Gerda Schreyer und Waldemar Kmentt sind selbstverständlich die ins Wiener Kulturerbe aufgenommenen Eysler-'Lebenslieder' auf LP und CD zu haben. Ich hörte Richard Tauber verführerisch in 'Fein, fein schmeckt uns der Wein', Waldemar Kmentt mit schmelzender Stimme in 'Küssen ist keine Sünd' und Erich Kunz im 'Mutterllied', das von ihm in Wiener Dialekt und mit Schrammelbegleitung rührend gesungen wird.

Rudolf Schock nimmt am 20. Februar 1969 mit dem Berliner Symphoniker unter der Leitung von Robert Stolz 'Fein, fein schmeckt uns der Wein...und auch die Liebe' auf ('Gruss an Wien' Eurodisc LP 79237 IE).

April 1977 singt er mit demselben Orchester, aber jetzt unter Fried Walter, 'Küssen ist keine Sünd mit einem schönen Kind' uit 'Bruder Straubinger' (Eurodisc LP Quadro SQ 28709 IU).

Die Figur 'Bruder Straubinger' taucht 1820 in einem Lied aus der bayerischen Stadt Straubing auf. Der Gelegenheitsdichter ist Student-Arzt Carl Theodor Müller und sein Lied heisst 'Gott grüss dich, Bruder Straubinger'. Dieser Gruss is an einen Handwerks- und Wandergesellen gerichtet, der fast ein Jahrhundert später zum Titelhelden der neuen Operette Eyslers promoviert wird. Was die Handlung der Operette betrifft, beschränke ich mich auf den Kontext des Liedes 'Küssen ist keine Sünd'.

Straubinger kehrt - auf der Suche nach Arbeit - in die Heimatstadt zurück, obschon die Papiere ihm geraubt worden sind. Zufälligerweise (!) hat er im Rucksack noch wohl den Pass des Urgrossvaters, der inzwischen schon 114 Jahre gewesen wäre. Straubinger will bestimmt einen Job und vermummt sich als steinalter Soldat mit einem sehr besonderen, aber gültigen Ausweis. In diesem Outfit trifft er die temperamentvolle Oculi, die er als seine ehemalige Geliebte Marie wiedererkennt. Die frühere Liebe lebt so heftig wieder auf, dass er ihr auf der Stelle einen Heiratsantrag machen möchte. Aber wie könnte ein uralter Mann von 114 Jahren so etwas einfädeln? Straubinger ist jedoch ein Schlaukopf: er singt in seiner Rolle als rüstigem Greis das Lied, das er die Marie in der Vergangenheit je gelehrt hat: 'Küssen ist keine Sünd'. Trotzdem gibt er in der vielleicht von Eysler als emotionellem Ausbruch gemeinten 2. Strophe überdeutlich bekannt, wer jetzt vor ihr stehe, und was dieser wolle. Oculi erkennt natürlich sofort den damaligen Liebhaber Straubinger quer durch die Vermummung hindurch und gibt - zum Entsetzen der Umstehenden - ihm das Jawort.



















Rudolf Schocks Darstellung aus dem Jahre 1977 scheint das Lied 'Küssen ist keine Sünd' wieder in die ursprüngliche Operetten-Umgebung zurückzuversetzen. Er betont mit einigermassen älter anmutendender Stimme den Textinhalt und macht die Szene (denn das ist sie eigentlich) verständlicher als den dramatischen Höhepunkt dieser Eysler-Operette. Der Breitklang der Quadrophonie-Aufnahme verstärkt diesen Eindruck (Quadrofonie wurde in den späten siebziger Jahren kurz angewendet, aber rasch von der digitalen Revolution eingeholt). Erst in der wohl sehr gefühlvollen 3. und letzte Strophe, worin Straubinger die Küsse ausschliesslich noch fürs Enkelkind reserviert, tritt das 'Volkslied' in den Vordergrund.

'Fein, fein schmeckt uns der Wein' interpretiert Rudolf Schock ganz und gar als Wiener Volkslied und mit genausoviel Verführung wie Richard Tauber. Das Lied über den Wein, der - im Gegensatz zur Liebe - auch noch wärmt, wenn einem/einer das Leib "älter, ein wenig kälter wird" steht auf der hieroben genannten LP 'Gruss an Wien' aus dem Jahre 1969. Rudolf Schock singt und Robert Stolz begleitet - neben Eyslers Hommage an den Wein - Lieder von Arnold, Benatzky (siehe auch: 'Rudolf Schock singt Benatzky'), Kreuder, Sieczynski, Stolz, Strecker und Ziehrer. Diese Wiener Lieder brauchen dringlich eine Reinkarnation auf CD (Sony/Eurodisc, Achtung bitte!): Schock und Stolz sind in Höchstform, und die Aufnahmen sind von einer Intimität, die zu den herzerfreuenden Liedern passt.

Edmund Eysler im alten Jahr 2010 und Leo Fall im neuen Jahr 2011!


Ich wünsche den Lesern meines Blogs gesegnete Weihnachtstage und ein gesundes Neujahr! Februar 2011 hoffe ich den Text 'Rudolf Schock singt Leo Fall' zu veröffentlichen. Franz Lehár, Oscar Straus und Leo Fall werden - mit dem etwas späteren Emmerich Kálmán - als die bedeutendsten Vertreter der Silbernen Wiener Operette betrachtet.

Krijn de Lege, 5.12.2010

15.11.10

RUDOLF SCHOCK ZINGT EDMUND EYSLER

Rudolf Schock zingt Edmund Eysler

Maar ik begin met de volgende aanbeveling: Leest u eerst de inleiding tot 'Rudolf Schock zingt Nico Dostal'! Daarna weet u precies, waar u de Weense operette-componist Edmund Eysler in de operette-historie moet inpassen:

De eerste grote - 'GOUDEN' - periode van de Weense operette loopt af met Richard Heuberger's 'Opernball' (1898) en Carl Ziehrer's 'Landstreicher' (1899).
Maar dan gaat eind 1902 Franz Lehár's 'Rastelbinder' met opmerkelijk succes in première, begin 1903 met (bijna) evenveel succes gevolgd door 'Bruder Straubinger' van "de tweede nieuwe man van het seizoen, voor wie het operettegeluk lijkt te bloeien": Edmund Eysler.

In 1905 is Lehár's 'Lustige Witwe' rijp voor de Bühne. Na enige hapering is vooral zij het, die het definitieve begin van de tweede grote - 'ZILVEREN' - periode van de Weense operette markeert. Samen met Lehár en Eysler zijn het in het bijzonder de creatieve componisten Leo Fall (1873-1925), Oscar Straus (1870-1954), Oskar Nedbal (1874-1930) en Emmerich Kálmán (1882-1953), die met hun operettes de kwaliteit van het werk van hun 'gouden' voorgangers naar de kroon steken.




links: Oscar Straus
midden: Franz Lehár
rechts: Leo Fall
(foto: Archief Bernard Grun)













Edmund Eysler (1874-1949) (niet te verwarren met Kurt Weill's kunstbroeder, de 'proletarische Bühnen- und Filmkomponist' Hanns Eisler)

Vader Eisler (ja, met i en niet met y) is een geslaagd zakenman, maar naar zijn gezin toe te afstandelijk. Zijn Hongaarse vrouw is daarentegen een liefdevolle moeder en artistiek begaafd. Zoals te verwachten valt, voelt de jonge Edmund zich sterk tot haar aangetrokken.

In 1881 gaat Edmund's vader failliet. Het gezin is gedwongen alle bezittingen te verkopen, maar Edmund's moeder weet de piano te redden. Als Edmund 15 jaar is, ontmoet hij de één jaar oudere Leo Fall (zie foto), en samen spelen ze pianoduetten, maken zij deel uit van strijkkwartetten en bezoeken zij het conservatorium.

Ruim tien jaar later schrijft Edmund Eisler de opera 'Der Hexenspiegel', waarin echter geen enkele theaterdirecteur wil kijken. Muziek daaruit gebruikt hij daarna in zijn eerste grote operette: 'Bruder Straubinger'. In het seizoen 1902/1903 wordt 'Bruder Straubinger' in Wenen voor het eerst uitgevoerd met Alexander Girardi (1850-1918 - foto), dé theaterpersoonlijkheid van die jaren, in de titelrol. Mede door Girardi krijgt de operette een buitengewoon enthousiast onthaal en vanaf dat moment schrijft Edmund EYsler zijn naam met een zwieriger y.

In de daarop volgende decennia componeert Eysler nog eens zo'n 60 operettes. Hij leeft er opgewekt en achteloos op los, legt het accent op 'Wein, Weib und Gesang', en is dol op paarden. In het midden van de jaren twintig raakt zijn geld op. Maar het geluk lacht hem al weer toe, als hij met dank aan een goed tekstboek nog eens ouderwets succes heeft met de typisch Weense volksoperette: 'Die gold'ne Meisterin' (1927). Na 1934 worden de operettes van de Joodse Edmund Eysler niet meer gespeeld en moet hij zich - geholpen en beschermd door vrienden - in Wenen verbergen. Kort na 1945 wordt Eysler in zijn componisteneer hersteld.

Het moet worden gezegd, dat vandaag de dag Eysler's muziek nog maar sporadisch wordt uitgevoerd. 'Die gold'ne Meisterin' blijft in Oostenrijk en in het bijzonder Wenen een zekere populariteit genieten en van zijn andere operettes zijn een aantal liederen letterlijk losgezongen. Ze zijn tot het genre van het 'Wiener Volkslied' gaan behoren en als zodanig in het Weense erfgoed opgenomen. Uit de operette 'Schützenliesl' (1905) gebeurde dit met het uiterst gevoelige 'Mutterllied', uit 'Der lachende Ehemann' (1913) met het levenslied (voor mij niet hetzelfde als een 'smartlap') 'Fein, fein schmeckt uns der Wein' en uit 'Bruder Straubinger' met het in dramatisch opzicht belangrijkste moment van de operette: 'Küssen ist keine Sünd'. Eysler's muziek vol 'Walzerseligkeit' is gemoedelijk en hartelijk van toon, sentimenteel ook, maar passend bij de vrijmoedige en daarom prikkelende sfeer van de eerste dertig jaren van de vorige eeuw. Eysler's keuze van de tekstboeken was echter over het algemeen te weinig kritisch en hij had de neiging, zich muzikaal wel eens te herhalen.

Rudolf Schock zingt Edmund Eysler
Naast fragmenten uit 'Die gold'ne Meisterin', 'Bruder Straubinger, en 'Der lachende Ehemann' in Weense bezetting met o.a. Gerda Schreyer en Waldemar Kmentt zijn het vanzelfsprekend de in de Weense 'Volksliederschatz' opgegane Eysler-'levensliederen', die op LP en CD zijn te vinden. Ik hoorde Richard Tauber verleidelijk in 'Fein, fein schmeckt uns der Wein', Waldemar Kmentt zoetgevooisd in 'Küssen ist keine Sünd', Erich Kunz in het 'Mutterllied', dat van hem in Weens dialect en met 'Schrammel'-begeleiding een roerende vertolking krijgt.

Rudolf Schock neemt op 20 februari 1969 met de Berliner Symphoniker o.l.v. Robert Stolz 'Fein, fein schmeckt uns der Wein, und auch die Liebe' op (LP 'Gruss an Wien' Eurodisc LP 79237 IE).

In April 1977 zingt hij met het zelfde orkest, maar nu onder Fried Walter, 'Küssen ist keine Sünd mit einem schönen Kind' uit 'Bruder Straubinger' (Eurodisc LP Quadro SQ 28 709 IU).

De figuur 'Bruder Straubinger' duikt rond 1820 op in een lied uit het Beierse stadje Straubing en de maker is student-arts en gelegenheidsdichter Carl Theodor Müller. Het lied heet: 'Gott grüss dich, Bruder Straubinger' en die groet is gericht aan een rondtrekkende handwerksgezel ('Wandergesell'), die later tot titelheld wordt gebombardeerd van Eysler's nieuwe operette. Wat de handeling van 'Bruder Straubinger' betreft, beperk ik mij tot de context van het lied 'Küssen ist keine Sünd'. Straubinger keert - op zoek naar werk - terug naar de stad, maar wordt beroofd van zijn papieren. 'Toevallig' heeft hij in zijn rugzak nog wel het paspoort van zijn overgrootvader, die inmiddels al 114 jaar oud zou zijn geweest. Straubinger wil absoluut een baan en vermomt zich als oeroude legerveteraan in het bezit van een geldig legitimatiebewijs. In die outfit ontmoet hij de temperamentvolle Oculi, waarin hij zijn vroegere vriendinnetje Marie herkent. Zijn oude liefde speelt weer op met als gevolg, dat hij haar op stel en sprong ten huwelijk wil vragen. Maar hoe kan een stokoude man van 114 dat? Straubinger is echter slim: hij zingt in zijn rol van krasse bejaarde het lied, dat hij Marie in het verleden ooit geleerd heeft: 'Küssen ist keine Sünd'. Bovendien maakt hij in zijn misschien wel door Eysler als emotionele uitbarsting bedoelde 2e couplet overduidelijk bekend, wie er voor haar staat en wat die iemand wil. Oculi herkent nu opeens haar vriendje Straubinger dwars door zijn vermomming heen en geeft hem - tot verbijstering van de omstanders -onmiddellijk haar jawoord.



















Rudolf Schock's uitvoering uit 1977 lijkt het lied 'Küssen ist keine Sünd' weer terug te plaatsen in zijn oorspronkelijke operette-omgeving: Schock benadrukt met een wat ouder aandoende stem de tekstinhoud en maakt de scene (want dat is het eigenlijk) begrijpelijk als het dramatische hoogtepunt van Eysler's operette. De 'Breitklang' van de quadrophonie-opname versterkt die indruk (quadrophonie werd toegepast in de late jaren zeventig en ingehaald door de digitale revolutie). Pas in het wel heel gevoelige 3e en laatste couplet, waarin Straubinger zijn omhelzingen uitsluitend nog voor een kleinkind reserveert, treedt het 'volkslied' op de voorgrond.

'Fein, fein schmeckt uns der Wein' brengt Rudolf Schock geheel en al als volkslied en met evenveel verleiding als Richard Tauber. Het lied over de wijn, die - in tegenstelling tot de liefde - ook nog verwarmt, als het lichaam "ouder, een beetje kouder wordt", staat op de hierboven genoemde LP 'Gruss an Wien' uit 1969. Rudolf Schock zingt en Robert Stolz begeleidt - naast Eyslers hommage aan de wijn - liederen van Arnold, Benatzky (zie ook: 'RS zingt Benatzky'), Kreuder, Sieczynski, Stolz, Strecker en Ziehrer. Deze Weense liederen zijn dringend toe aan reïncarnatie op CD (Sony/Eurodisc, attentie alstublieft!): Schock en Stolz zijn in topvorm en de opnamen zijn van een intitimiteit, die bij de hartverwarmende liederen past.

Edmund Eysler in 2010 en Leo Fall in 2011!

Ik wens de lezeressen en lezers van mijn blog gezegende kerstdagen toe en een gezond nieuwjaar. In februari 2011 hoop ik de tekst 'Rudolf Schock zingt Leo Fall' te publiceren. Franz Lehár, Oscar Straus én Leo Fall worden - later gevolgd door Emmerich Kálmán - beschouwd als de belangrijkste vertegenwoordigers van de zilveren Weense operette.

Krijn de Lege, 5 december 2010

27.10.10

RUDOLF SCHOCK SINGT HEINZ ERHARDT (NEW: 24.2.2013)

Rudolf Schock/Benno Kusche in 'Noch 'ne Oper" von H. Erhardt (Foto: Bild+Funk 1979)
Rudolf Schock singt in einer Opernparodie von Heinz Erhardt

Aber ich fange bei Jacques Offenbach (1819-1880) an, mit dem die Musikgattung 'Operette' im Jahre 1858 einen wahren Siegeszug beginnt (siehe auch 'RS singt Nico Dostal').

Offenbachs 'Operette' 'Orphée aux Enfers (Orpheus in der Unterwelt)' ist das allererste, abendfüllende Musikdrama, das 'schamlos' parodiert und verspottet. Die Wichtigtuerei und Selstgefälligkeit eines ziemlich geschlossenen Kreises eingefleischter 'Kunstkenner' - z. B. um die zur Zeit Offenbachs hochgeschätzten Opern von Christoph Willibald von Gluck und Giacomo Meyerbeer herum - werden gnadenlos entlarvt, unwandelbaren Göttern und Helden aus dem klassischen Altertum, die in den Theatern als Leitbild der Menschheit dienen sollten, eine Vielfalt menschlicher Schwächen zugeschrieben, Fürsten und ihre Hofhaltung karikaturistisch zu jämmerlichen, aber zugleich niederträchtigen Trittbrettfahrern vergrössert. Offenbachs musikalische Kreativität und scharfer Blick auf das menschliche Handeln erfanden die OPERETTE 'AT HER BEST'!

Die Verknüpfung von Jacques Offenbach (Foto mit Lorgnette) und Heinz Erhardt ist - scheint 's - ein unmöglicher Schritt. Aber ich wage mich trotzdem daran, Erhardts 'Zehnpfennigoper' aus dem Jahre 1948 (1978 zu 'Noch 'ne Oper' umgearbeitet) in die Offenbach-Tradition einzufügen. Ich bitte also um Ihre Aufmerksamkeit für 'Noch 'nen Komponisten', und der Name ist

Heinz Erhardt (1909-1979)!

Online gibt es allerhand über Heinz Erhardt zu lesen, zu hören und zu sehen. Für mich also keine Notwendigkeit, ausführlich auf all seine Worte und Taten einzugehen. Ausserdem schickt es sich, dass ich mich bescheiden verhalte: Deutsche werden ihren vielseitigen Lieblingskomeriker ohne Zweifel viel besser als ein Niederländer einschätzen können. Obwohl ich staune über einen Textabschnitt in Westermanns 'Kulturtagebuch-1900 bis heute'(Braunschweig 1984 - 1. Aufl.): "Und wenn im Laufe der frühen achtziger Jahre der schweifende Blick der nostalgischen Verklärung selbst Nierentisch und den eierköpfigen Sprücheklopfer jener Zeit, Heinz Erhardt, wiederentdeckt, dann steckt dahinter wohl auch die Sehnsucht nach einer Epoche, die noch erfolgreicher im Verdrängen der Ängste war als die unsere" (Rainer Wagners Essay: "Gegen die Erstarrung"). Es wird in der Fortsetzung dieses Essays deutlich, warum Rainer Wagner vorausblicken will: eine nostalgische "Flucht vor der Wirklichkeit ist nicht ohne Tücken". Aber zeugt es auch nicht von "Erstarrung", wenn eine(r) nur vorausblicken, und nie mehr in Verwunderung oder Bewunderung zurückschauen dürfe? Zum Beispiel auf ein Phänomen wie Heinz Erhardt?

Erhardt war ein Tausendsasa: Komiker, Kabarettist/Schauspieler, Dichter/Schriftsteller, Entertainer und Musiker/Komponist. Er spielte in sehr vielen Filmen, und war als Conférencier/Vortragskünstler/Komiker (sehen Sie sich auf 'YouTube' u.a. 'Das Gewitter' aus dem Jahre 1959 an) besonders in den Fünf- und Sechzigern masslos populär. Sein Humor quillt aus Wortspielen, originellen Einfällen, närrischer Übertreibung, überraschenden Gegensätzen und knapp, präzise formulierten Lebenssprüchen hervor.

(Von Julia Denuell gemalter Affiche zum 100. Geburtstag Erhardts)

Nach einem Schlaganfall (1971) kann Heinz Erhardt nicht mehr schreiben und sprechen, wohl lesen und hören.

In den Jahren 1978 und 1979 bereitet er mit seinem Sohn Gero (geb. 1942) und dem Komponisten Peter Thomas eine Fernsehfassung der 'Zehnpfennigoper' vor. Als Regisseur wird der erfahrene Claus Peter Witt (auch 1942 geb.) angezogen.

Am 21. Februar 1979 - Erhardt war gerade am 20. Februar 70 Jahre alt geworden - straht das ZDF die Oper aus. Einige Monate später stirbt Heinz Erhardt.

'Noch 'ne Oper'
(Texte: Heinz Erhardt/Musik: Heinz Erhardt und Peter Thomas)


im Vordergrund v.l.n.r Schramm, Kusche, Schock (Foto: Bild+Funk 1979)

'Noch 'ne Oper' ist eine Opernparodie, von Heinz Erhardt "eine Kabarett-Oper" genannt, deren Musik am laufenden Bande und unbekümmert aus Opern, Operetten und Volksweisen zitiert. Es ist an und für sich schon eine Attraktion, zu versuchen, Titel und Komponist der bekannten Melodien, die in allerlei instrumentalen Übergängen kurz aufglühen, á la minute zu erraten. Wagners 'Fliegender Holländer' und Verdis 'Aida' ziehen vorbei, Beethovens 'Alle Menschen werden Brüder' klingt, und dann gibt es auch noch u.a. Schubert, Von Weber, Lortzing, Lehár, Johann Strauss Jr., Mozart und das Volkslied 'Muss i denn' um den musikalischen Grabbelkasten (neues deutsches Wort? - kdl) weiter zu bereichern.
Auch der Plot erinnert an bekannte Musikdramen: Clothilde, Ritter Kuniberts Gattin, wirft sich wie Puccinis Tosca von der Burgmauer, und in den beiden, blutigen Zweikämpfen plus Exekution am Ende erkennen wir das Klischee vieler, heftiger Opernfinales wieder. Die Geschichte ist simpel: Kunibert und Geierblick sind befreundete Raubritter. Clothilde ist von Geierblick entzückt, und diese Entzückung ist bilateral. Das Paar liebt einander heimlich, was aber nicht verborgen bleibt, und vier Personen das Leben kostet. Heinz Erhardt ist in seinem Element: die Oper ist lauter komische Übertreibung und paradoxer Unsinn. Oder haben diese Paradoxien eben wohl Sinn? Im Epilog der Opernparodie erfährt der Zuhörer: "Man macht 'ernsthafte Sachen' nicht fröhlicher, indem man sie ernsthaft behandelt. Nur 'fröhliche Sachen' sind es wert, ernsthaft behandelt zu werden". Ich bekomme den Eindruck, der Kabarettist Heinz Erhardt amüsiere sich grimmig über den tierischen Ernst, womit nicht selten aus dem Elfenbeinturm sowohl von Künstlern wie Kunstkritikern über Literatur, bildende Künste und Musik gesprochen und geschrieben wird.           














Erhardt lässt denn auch in zwei Pausen der Oper Theaterpersönlichkeit Loriot (Foto) auftreten, der den 'gesellschaftskritischen Tiefgang mitsamt der einmalig-historischen Bedeutung dieses Erhardt-Kunstwerks' näher erläutert. Irgendwo sonst im Text lässt er Loriot sagen: " Es gab Johann Sebastian Bach in Leipzig, Wolfgang Amadeus Mozart in Wien, Richard Wagner in Bayreuth, und es gab Heinz Erhardt im ZDF!". Der Gegensatz zwischen klassischem Opernstil und albernen Szenen und Texten macht auch viel Spass: im ersten Akt zieht Geierblick kämpferisch und feierlich auf so etwas wie einem Schaukelpferd in die Burg ein. Gastgeber Kunibert bietet ihm einen Pokal Wein an, aber Geierblick repetiert monoton und in endlosem Falsett, er könne so früh am Morgen wirklich keinen Alkohol vertragen. Clothilde singt wiederholt im gleichen Akt in ihrer 'grossen Arie', sie "habe ein Bad genommen, aber das Wasser sei viel zu kalt", und ein besonderes Augenzwinkern geht von dem vom 'brillanten' Komponisten "mit genialer Mühelosigkeit" komponierten, 'grösser als grössten Liebesduett' Clothilde-Geierblick (2. Akt) aus: "Weil du mich liebst, bin ich so glücklich, weil du mich liebst, bin ich so froh". Wir schreiben das Jahr 1979, und Rudolf Schock und Margit Schramm präsentieren sich dem Fernsehpublikum noch ein einziges Mal - betont ironisch (!) - als das geliebte 'Operetten-Traumpaar der Sechziger'.

Ausführung und Rollenbesetzung

Erhardts eine gute Stunde dauernde Fernseh-Oper lässt sich - nach einigen Gläsern Wein - 'auf wissenschaftlich verantwortungsvolle Weise' folgendermassen einteilen:
 
1.) Vorbereitungen zur Oper
2.) Erster Akt der Oper
3.) Loriot über die gesellschaftskritische Bedeutung dieser Oper
4.) Zweiter Akt der Oper
5.) Loriot über diese Oper in historischer Perspektive
6.) Die vom Winde verwehte, weltweite Rezeption der Oper
7.) Dritter Akt der Oper
8.) Epilog: "Nur fröhliche Sachen sind es wert, ernsthaft behandelt zu werden"
 
Die eigentliche Handlung von 'Noch 'ne Oper' aus dem Jahre 1979 dauert trotz der pompösen Ankündigung 'dreier Akte' kaum länger als ihre Urform 'Die Zehnpfennigoper', die nur einen Akt hat. Dieser Titel verweist sowohl spielerisch als auch bescheiden auf die 'Dreigroschenoper'(1928) von Kurt Weill/Bertolt Brecht. Die Doppeldauer der Fernsehproduktion entsteht vor allem durch die Ergänzung um einige 'Making of'-Szenen, worin die gespielt 'sehr künstlerischen Mitarbeiter am Fernsehfilm' die Gelegenheit bekommen, ihre Eitelkeit zur Schau zu tragen.

Von der alten, eine halbe Stunde dauernden Rundfunkfassung brachte 'Berlin Classics' in ihrer Heinz Erhardt-Spezial-Edition eine CD heraus, worin der Wagnerbassist Gustav Neidlinger den Kunibert und der (hauptsächlich) Operettentenor Rupert Glawitsch den Geierblick singen.

!Der Fernsehfilm erscheint Mai 2013 auf DVD, von Pidax Film herausgebracht (Art.Nr. 490275), und kann bei JPC, Amazon usw. bestellt werden!

 
Zur Besetzung von 'Noch 'ne Oper' lud das ZDF 1978 eine reiche Auswahl an damals bekannten Persönlichkeiten aus der deutschsprachigen Welt von Film, Schaubühne, Fernsehen (Rundfunk) und Musik ein: Heinz Erhardt, der ja seit 1971 nicht mehr sprechen konnte, ist als 'Mysteriöser Stummer Mann im Stadtpark' zu sehen, aber mit Hilfe alter Rundfunkaufnahmen ab und zu doch noch zu hören. Seine frühere Rolle des Erzählers wird grossenteils vom Karikaturisten, Schriftsteller, Filmregisseur und Fernsehautor Loriot (Vicco von Bülow, geb. 1923) übernommen. Dieser gibt - wie ich schon erwähnte - als 'gesellschaftlich engagierter Wissenschaftler' den 'sachverständigen Kommentar' zur Oper.


Der sehr extravertierte Bass-Bariton Benno Kusche (1916-2010) singt und spielt effektvoll einen schwülstigen Ritter Kunibert (In einem der nächsten Aufsätze komme ich gewiss auf Benno Kusche zurück). Kusche und Schock waren vielseitige Sänger, die sich in Oper und Operette regelmässig trafen: u.a. im EMI-Studio für Richard Wagners 'Meistersinger von Nürnberg' (Berlin 1956) und im Eurodisc-Studio für den 'Zigeunerbaron' von Johann Strauss Jr. (Berlin 1964). Operettendiva Margit Schramm (1935-1996, siehe auch 'RS singt Nico Dostal') stellt eine berechnende, kühle Clothilde dar, die - nur vom 'Liebesduett' mit Rudolf Schock abgesehen - nachdrücklich nicht an ihre Operettenvergangenheit erinnert, und die groteske Darstellung des 'Ritters von der traurigen Gestalt' Geierblick bereitet Rudolf Schock grosse Spielfreude.

In den 'Making-of'-Szenen und einem Flashback (mit Heinz Erhardt als 'Mann im Park' und Chris 'Spielereien mit Schallplatten' - Howland als 'Mann, der vergebens versucht, den Parkrasen von Papierabfällen freizuhalten' - Foto: Bild+Funk 1979) sind - manchmal ganz kurz - alle übrigen Mitarbeitenden zu sehen: Filmschauspieler Gert 'Goldfinger' Fröbe, Cornelia Froboess (Foto), die sich von Jugendidol zur gefeierten Schauspielerin entwickelte, Schauspieler Harald Juhnke, Pianist/Bandleader Paul Kuhn (er ist in der Oper der 'Dirigent'), Schauspieler und Fernseh-Show/Quizmaster Hans-Joachim Kulenkampff, Sängerin Evelyn Künneke (Tochter des K0mponisten Eduard Künneke), die Schauspielerinnen Inge Meysel und Liselotte Pulver und - vom Golfplatz - Film- und Bühnenlegende Heinz Rühmann.



Gert Fröbe/Heinz Rühmann








Schliesslich: Der echte Dirigent ist Emmerich Smola (geb. 1922). Er leitet das Rundfunkorchester des SWF durch die Partitur des Offenbach-Jüngers HEINZ ERHARDT auf eine so ernsthafte Weise, dass sie bestimmt als vollkommen in Harmonie mit der fröhlichen, musikalische Auffassung des Komponisten gelten kann!
Krijn de Lege, 16.11.2010/24.2.2013
* nächstes Mal: Rudolf Schock singt Edmund Eysler. Nach Eysler: Rudolf Schock singt Leo Fall *

14.10.10

RUDOLF SCHOCK SINGT HANS EBERT/HANS BETHGE

Wandgemälde in Dun Huang aus der Periode der Tang-Dynastie













Rudolf Schock singt:
FÜNF CHINESISCHE GESÄNGE
Musik: Hans Ebert
Text: Hans Bethge

Hans Ebert (1889-1952)
Über den Komponisten und Dirigenten Hans Ebert war bis vor kurzem kaum Information zu finden. Er wurde nur in einer auffallend langen, besonderen Reihe von Komponisten genannt, die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts deutschsprachige Textbearbeitungen alter chinesischer Gedichte vertonten.

Anno 2015 ist mehr über ihn bekannt:
Im Anlauf zum 2. Weltkrieg war Hans Ebert (dessen Gattin jüdisch war!) als Komponist orchestraler Musik, von Liedern und Filmsoundstracks ausgesprochen beliebt.
Noch 1940 erlebte er, dass seine Oper 'Hille Bobbe' zur gleichen Zeit in Nürnberg, Darmstadt und Königsberg erfolgreich Premiere hatte.
Das Werk konnte jedoch als Kritik am Naziregime interpretiert werden, worauf die Oper prompt als "Negermusik, dekadent und dissonant" diskwalifiziert wurde. Im Jahre 1943 musste Ebert gezwungen die Reichsfilm- und Reichsmusikkammer verlassen. Merkwürdig dabei war, dass 'Hille Bobbe' danach doch oft weitergespielt werden durfte.

(NB: Eberts Inspirationsquelle war ein Gemälde aus dem Jahre 1633 des niederländischen Malers Frans Hals, worauf eine ältere, schamlos grinsende Frau namens Hille Bobbe abgebildet war (auf niederländisch 'Malle Babbe = Blöde Barbara' auch wohl 'Die Hexe von Haarlem' genannt).      

Hans Bethge (1876-1946)

Der Dichter und Schriftsteller Hans Bethge ist der Vergessenheit eher entkommen, obschon sich herausstellt, dass in literarischen Kreisen sein künstlerisches Können ziemlich umstritten war, und wahrscheinlich noch immer ist: Bethges in Fernost situierte Gedichte sind Bearbeitungen schon bestehender Übersetzungen aus dem Chinesischen. Bethge konnte kein Chinesisch sprechen. Er spiele - in den Augen der Literaturkritik - den grossen Herrn mit "Lyrik aus zweiter Hand" (Adorno). Positive Aussagen renommierter Schriftsteller wie Rainer Maria Rilke, Stefan Zweig und Hermann Hesse konnten daran nichts ändern. Ich vermute, Bethge lasse sich ordentlich mit dem genauso literarisch umstrittenen Karl May (1842-1912) vergleichen, dem Schöpfer von Old Shatterhand, Winnetou und Kara Ben Nemsi, dessen Reiseromane sich vorwiegend in Nordamerika und dem Nahost abspielen.

Es ist dagegen beachtenswert, dass Textdichter Hans Bethge in der musikalischen Welt weit und breit wegen der Feinfühligkeit seiner Neudichtungen der (u.a.) chinesischen Poesie bewundert und gelobt wurde. Die Bearbeitungen erwiesen sich nämlich als eine exotische Inspiration für allerhand Kompostionen grosser und kleine(re)r Tondichter: Gustav Mahlers 'Lied von der Erde', das grossenteils Bethges Texte zitiert, könnte als eindrucksvollstes Beispiel gelten. Aber auch Richard Strauss, Arnold Schönberg, Gottfried von Einem, Ernst Krenek und Anton Webern benutzten Bethges Gedichte, und Operettenkomponist Franz Lehár setzte aus Bethges Poesiesammlung für sein 'Land des Lächelns' das Gedicht 'Birnbaumblüten' ins innige 'Von Apelblüten einen Kranz' um.

Eine 2300 Jahre alte, chinesische Dichtkunst







Die chinesischen Verse, die Hans Bethge bearbeitete, stammen aus der Periode der Tang-Dynastie, die nahezu unabgebrochen von 618 bis 907 dauerte, und als ein Höhepunkt in der chinesischen Kultur betrachtet wird.

















Während der Tang-Dynastie erlebten die Künste eine ungeheure Blüte, und einer ihrer legendären Vertreter war der Dichter Li-Bai (auch Li-Po oder Li-Tai-Po genannt - siehe Zeichnung), der von 705 bis 762 lebte. Dieser Li-Bai schrieb viele Gedichte, die zusammen mit Poesie einer Anzahl Zeitgenossen Hans Bethge in die Hände geraten waren. Dieser setzte sich an eine umfangreiche Neudichtung, wobei er vor allem viel Erfolg mit seiner chinesischen Lyrik im Zyklus 'Die Chinesische Flöte' hatte, die im Jahre 1920 - um andere Poesie ergänzt - als 'Pfirsichblüten aus China' neu veröffentlicht wurde.














Rudolf Schock singt Hans Ebert
Im Jahre 2005 brachte das schweizerische CD-Label Relief zum Rudolf Schocks 90. Geburtstag eine - was Programm, Tonqualität und Ausstattung betrifft -hervorragende Doppel-CD heraus, worauf ich in den vergangenen Jahren schon oft hingewiesen habe. Relief, das der Kassette den Titel 'Rudolf Schock, Germany's great lyric Tenor' (Relief CR 3001) mitgibt, führt den Hörer durch Schocks sehr breites Opernrepertoire (Periode 1946-1953) und fügt den CDs noch Fragmente aus Händels 'Messias', Bruckners 'Grosse Messe' und 'Fünf Chinesische Gesänge' von Ebert/Bethge hinzu. Die Herausgabe zählte damals im Jahre 2005 acht Neuveröffentlichungen, worunter die der chinesischen Lieder.

Hätte ich diesen Artikel 'Rudolf Schock singt Hans Bethge' genannt, müsste ich bestimmt erwähnen, Schock habe zahllose Male Lehárs 'Von Apfelblüten einen Kranz' dargestellt, wovon es auf Schallplatte und/oder CD allein schon fünf Aufnahmen gebe. Und gewiss hätte ich daran erinnert, Rudolf Schock und die Altistin Margarete Klose sängen unter dem Dirigenten Hans Schmidt-Isserstedt Mahlers 'Lied von der Erde' (Hamburg, 1948). Ich muss aber 'prima' von der 'musica' ausgehen, und nur Hans Ebert allein ist für die schöne Musik der 'Fünf Chinesische Gesänge' verantwortlich.

Die 'Fünf Chinesische Gesänge' (eigenwillig) zusammengefasst:

Lied 1 ('Im Frühlingsgarten...'), das musikalisch (angenehm) unter Richard Strauss-Einfluss steht, besingt den überglücklichen Menschen (Li-Bai - siehe Zeichnung) im Frühlingsgarten, der ihn zum Dichter gemacht hat. Wenn die Blumen im Garten schon längst vergangen sind, werden sie noch immer in der Seele des Dichters blühen...

Lied 2 ('Sieben Schimmel traben...') umreisst durch knappe, aber anschauliche Stichwörter, und auf Akzenten einer betont chinesisch anmutenden Musik komponiert, sieben trabende Pferde um eine Herberge (?) herum, worin sieben schreibende, alte Männer und "eine alte Vettel" sind (es steht so geschrieben; also bitte ich um Verzeihung - kdl). Aber zum Glück - denn die Lenz ist da, und der Wein schmeckt gut - gibt es auch sieben junge Mädchen, und die "treten ein...treten ein".

Lied 3 ('Einst aus meinem Grabe...') Einst werden aus meinem Grabe ungezählte, rote Tulpen spriessen. Denn ich fühle eine heiss brennende Sehnsucht nach der Geliebten. Ein grosses Feuer lodert in mir auf. Es muss darum wohl so sein - wenn es auch ein Wunder ist - dass ich einst als Toter noch so (rot) glühen wird...

Lied 4 ('Die jungen Leute lieben...'): Die Jugend liebt farbige Gewänder, genauso wie die Lenzgärten ihre wundervolle Farben. "Doch wehe": Wer - sei er noch so jung - in fremde Länder wandert, trägt einen "schwarzen, trauernden Gewand..."

Lied 5 ('Die Pfirsichblüten flattern...'): Die Pfirsichblüten flattern in der Lenzluft, Bäume spiegeln sich im Bach. Aber der Duft der Pflaumenbäume findet mich "schlaff und müde". Die Verse "gleiten schwer von meinen Lippen"..."Komm, süsse Nacht, ersticke meinen Jammer" und lass mich in deinen "vielgeliebten" Armen schlafen...

Die Aufnahmen
wurden Mai 1951, ein Jahr vor Hans Eberts Tode, von dem Berliner RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) gemacht. Rudolf Schock wird am Klavier von Herbert Heinemann begleitet, der in den Fünfzigern u.a. als Konzertpianist tätig war. Es gibt von ihm Schallplatten-Aufnahmen mit dem Orchester Harry Hermann und der Nordwestdeutsche Philharmonie unter Wilhem Schüchter. Mit Schüchter spielt er Gershwins 'Rhapsody in Blue' en Addinsells 'Warsaw Concerto'.















 



















"Germany's Rudolf Schock" - er zählte damals 35 Jahre - ist 1951 vokal 'at his very, very best': Schocks Gesang ist äusserst schmelzend und geschmeidig, und er trägt die fernöstlichen Lieder buchstäblich aus vollem Herzen vor. Es ist den Tontechnikern von Relief gelungen, das - wie ich verstanden habe - ziemlich mangelhafte Klangbild der alten Rundfunkaufnamen so zu restaurieren, dass Glanz und Natürlichkeit von Schocks Stimme ganz zur Geltung kommen.

Krijn de Lege, 14.10.2010/14.3.2015

12.10.10

RUDOLF SCHOCK ZINGT HANS EBERT/HANS BETHGE

Muurschildering in Dun Huang uit de periode van de Tang-dynastie













Rudolf Schock zingt:
FÜNF CHINESISCHE GESÄNGE
Muziek: Hans Ebert
Tekst: Hans Bethge

Hans Ebert (1889-1952)
Over componist en dirigent Hans Ebert was tot voor kort nauwelijks informatie te vinden. Hij werd alleen genoemd in een opvallend lange rij van componisten, die in de eerste helft van de 20ste eeuw Duitstalige tekstbewerkingen van oude Chinese gedichten op muziek hebben gezet.
 
Anno 2015 is er meer over hem bekend:
In de aanloop naar de 2e wereldoorlog was Ebert, wiens vrouw Joods was, gewild als componist van liederen, orkest- en filmmuziek.
Nog in 1940 ging tegelijkertijd in Neurenberg, Darmstadt en Königsberg zijn opera 'Hille Bobbe' in succesvolle première. Het werk kon echter worden uitgelegd als kritiek op het Nazi-regime, waarop de opera prompt als "negermuziek, decadent en uit de toon vallend" werd gediskwalificeerd. In 1943 moest Ebert gedwongen de "Reichsfilmkammer" en "Reichsmusikkammer" verlaten. Het vreemde daarbij was, dat 'Hille Bobbe' desondanks mocht worden  doorgespeeld.
Nederlanders zal het misschien interesseren, dat de - gemeen grijnzende - Hille Bobbe is afgebeeld op een schilderij van de 17e eeuwse kunstschilder Frans Hals. De naam van het schilderij is 'Malle Babbe (Malle Barbara)' of 'De heks van Haarlem'  (De 'Malle Babbe' van Rob de Nijs is een struise prostitué).   
         

Hans Bethge (1876-1946)

De dichter en schrijver Hans Bethge is aan de vergetelheid ontkomen, al blijkt, dat in LITERAIRE kringen zijn kunstenaarschap tamelijk omstreden was en waarschijnlijk nog altijd is: Bethge's in het Verre Oosten gesitueerde gedichten zijn bewerkingen van al bestaande vertalingen uit het Chinees. Bethge sprak geen Chinees en speelde - in de ogen van de literatuurkritiek - mooi weer met "tweedehands poëzie" (Adorno). Positieve reacties van gerenommeerde schrijvers als Rainer Maria Rilke, Stefan Zweig en Hermann Hesse konden daar niets aan veranderen. Ik vermoed, dat er een aardige vergelijking valt te maken met de al even omstreden Karl May (1842-1912), schepper van Old Shatterhand, Winnetou en Kara Ben Nemsi, wiens reisromans zich hoofdzakelijk in Noord-Amerika en het Midden-Oosten afspelen.

Opmerkelijk is echter, dat tekstdichter Hans Bethge in de MUZIKALE wereld alom bewonderd en geprezen werd om de fijngevoeligheid van zijn 'hertalingen' van (o.a.) Chinese poëzie. Ze bleken een inspiratiebron voor allerhand composities van grote en kleine(re) componisten: Gustav Mahlers 'Lied von der Erde', dat grotendeels Bethge's teksten volgt, is daarvan het indrukwekkendste voorbeeld. Maar ook Richard Strauss, Arnold Schönberg, Gottfried von Einem, Ernst Krenek en Anton Webern maakten gebruik van Bethge's gedichten en operette-componist Franz Lehár zette uit Bethge's poëzieverzameling voor zijn 'Land des Lächelns' het gedicht 'Birnbaumblüten' om in het innige 'Von Apfelblüten einen Kranz'.

Een 2300 jaar oude Chinese dichtkunst

De Chinese verzen, die Hans Bethge bewerkte, stammen uit de periode van de Tang-dynastie, die vrijwel onafgebroken duurde van 618 tot 907 en gezien wordt als een hoogtepunt in de Chinese cultuur. Tijdens deze dynastie beleefden de kunsten een grote bloei en één van haar legendarische vertegenwoordigers was de dichter Li-Bai (ook Li-Po of Li-Tai-Po genoemd - zie tekening), die leefde van 705 tot 762. Deze Li-Bai schreef vele gedichten, die samen met poëzie van een aantal tijdgenoten in handen kwamen van Hans Bethge. Deze begon aan een omvangrijke 'hertaling', waarbij hij vooral veel succes had met de door hem verzamelde Chinese lyriek in zijn cyclus 'Die chinesische Flöte', die in 1920, aangevuld met andere poëzie, opnieuw uitkwam onder de titel 'Pfirsichblüten aus China (Perzikbloesems uit China)'. Voor de Nederlandse lezer is het interessant om te weten, dat ook de Nederlandse schrijver Jan Jacob Slauerhoff (1898-1936) zich met Oost-Aziatische gedichten bezig hield.

Rudolf Schock zingt Hans Ebert
In 2005 liet het Zwitserse platenlabel Relief t.g.v. Schock's 90ste geboortedag een - zowel wat vorm, inhoud én geluidskwaliteit betreft - schitterende dubbel-CD verschijnen, waarnaar ik in de afgelopen jaren al vaak heb verwezen. Relief, dat de cassette de titel 'Rudolf Schock, Germany's great lyric tenor' (Relief CR 3001) meegeeft, leidt de luisteraar door Schock's zeer brede opera-repertoire (tijdvak 1946-1953) en voegt daaraan toe: fragmenten uit Händel's 'Messias', Bruckner's 'Grosse Messe' en 'Fünf Chinesische Gesänge' van Ebert/Bethge. De publicatie in 2005 telde acht nog nooit uitgebrachte opnamen, waaronder die van de Chinese liederen.

Zou er boven mijn tekst 'Rudolf Schock zingt Hans Bethge' hebben gestaan, had ik hier absoluut verteld, dat Schock talloze malen Lehár's 'Von Apfelblüten einen Kranz' gezongen heeft, waarvan op plaat en/of CD alleen al vijf opnamen bestaan. En verder had ik er natuurlijk aan herinnerd, dat Rudolf Schock en de alt Margarete Klose onder dirigent Hans Schmidt-Isserstedt Mahler's 'Lied von der Erde' gezongen hebben (Hamburg, 1948). Maar ik ga nu eenmaal uit van 'prima la musica' en Hans Ebert is de componist van de muziek van de 'Vijf Chinese Gezangen'.

De 'Fünf Chinesische Gesänge' vrijmoedig samengevat:

Lied 1 ('Im Frühlingsgarten...'), dat muzikaal (aangenaam) onder invloed van Richard Strauss staat, bezingt de zielsgelukkige mens (Li Bai - zie tekening) in de lentetuin, die hem tot een dichter heeft gemaakt. Wanneer de bloemen in de tuin al lang zijn vergaan, zullen zij nog altijd in de ziel van de dichter blijven bloeien...

Lied 2 ('Sieben Schimmel traben...') schetst kortweg met trefwoorden op accenten van een nadrukkelijk Chinees aandoende muziek zeven dravende paarden rond een herberg (?), waarin zeven schrijvende, oude mannen en een "smerig, oud wijf" zijn (het staat er zo; dus neemt u mij niet kwalijk - kdl). Maar gelukkig - want het is weer lente en de wijn smaakt goed - komen er ook zeven jonge meisjes, en "die gaan naar binnen...gaan naar binnen..."

Lied 3 ('Einst aus meinem Grabe...'): Eens zullen uit mijn graf ontelbare, rode tulpen groeien en bloeien. Dat komt, omdat ik een fel brandende liefde voor haar voel. Er laait een groot vuur in mij. Dus moet het wel zo zijn - al is het een wonder - dat ik, als ik dood ben, nog net zo (rood) gloei(end bemin) als tijdens mijn leven...

Lied 4 ('Die jungen Leute lieben...'): De jeugd houdt net zo veel van kleurige kleding als de tuinen in de lente, die zich in prachtige kleuren hullen. Maar wee degene - ook al is hij nog zo jong -, die door vreemde landen zwerft: hij draagt een zwart-treurend gewaad...

Lied 5 ('Die Pfirsichblüten flattern...''): De perzikbloesems bewegen in de lentelucht, bomen spiegelen zich in de beek, de geur van pruimenbomen bereikt mij, maar hij vindt een dodelijk vermoeid mens: de verzen vloeien moeizaam van mijn lippen. Ik verlang naar de zoete nacht, die mij - slapend in haar liefdevolle armen - al mijn ellende doet vergeten...

De opnamen
werden mei 1951, een jaar voor Hans Ebert's overlijden, door de Berlijnse RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) gemaakt. Rudolf Schock wordt aan de piano begeleid door Herbert Heinemann, die in de jaren vijftig o.a. als concertpianist actief was. Er bestaan van hem plaatopnamen met het orkest Harry Hermann en de Nordwestdeutsche Philharmonie onder Wilhem Schüchter van de Rhapsody in Blue (Gershwin) en het Warsaw Concerto (Addinsell).

De 35-jarige Rudolf Schock is in 1951 op z'n vocale top: Schock's zang is uiterst welluidend en soepel en hij draagt de liederen met hart en ziel voor. De geluidstechnici van Relief zijn erin geslaagd - naar ik begrepen heb - het nogal gebrekkige geluidsbeeld van de oude radio-opnamen zo te restaureren, dat de schoonheid en natuurlijkheid van Schock's stem volledig tot hun recht komen.

Krijn de Lege, 14 oktober 2010/14 maart 2015