11.03.09

RUDOLF SCHOCK SINGT GEORGES BIZET





RUDOLF SCHOCK  SINGT GEORGES BIZET

Es gibt ACHT Schock-Aufnahmen der BLUMENARIE ('La fleur, que tu m'avais jetée'/'Hier an dem Herzen treu geborgen') aus dem 2. Akt von Bizets Oper 'CARMEN', deren SECHS Anfang 2009 auf CD zu haben sind.
Die Gesamtausführung der Oper 'Carmen' mit Rudolf Schock in der Rolle von Don José wurde ZWEIMAL INTEGRAL und ZWEIMAL als QUERSCHNITT aufgenommen. Auch diese vier Aufnahmen sind auf CD erhältlich.

Von Schock existieren weiter zwei Fragmente aus 'LES PÊCHEURS DE PERLES' ('DEN PERLENFISCHERN'): das berühmte Duett (mit dem Bariton Josef Metternich) und dreimal die Romanze, beide aus dem 1. Akt. Letzten Endes kann man den Opernsänger noch dreimal in einem 'AGNUS DEI' hören, dessen Musik zwar von Georges Bizet ist, aber dessen Text nach Bizets Tode - zum kirchlichen Gebrauch - zugefügt worden ist.





















GEORGES BIZET (1838-1875)
Während seines relativ kurzen Lebens bricht Georges Bizet künstlerisch nicht völlig durch. Man sieht ihn als 'vielversprechend', aber seine 'Erfolge' sind bescheiden. Die Oper 'Die Perlenfischer' (Paris, 1863) kommt nicht an und muss 30 Jahre lang auf Wiederaufführung in Paris warten, und das geschieht dann nur, weil 'Carmen' in der Zwischenzeit ein Welterfolg geworden ist. Erst im Laufe der letzten drei Monate seines Lebens wird Bizet berühmt: Am 3. März 1975 hat 'Carmen' im Pariser 'Opéra Comique-Theater' Premiere. Die Oper wurde mit gemischten Gefühlen aufgenommen: ein Teil des Publikums ärgert sich über 'die 'wagnerianische (?) Grobheit des Themas', die Unanständigkeit der Titelheldin' und den 'Bruch mit der wertvollen Tradition der Opéra Comique', aber ein anderer Teil findet die Oper grossartig. Diese Begeisterung wächst mit jeder Ausführung. 'Carmen' wird darum nicht (wie je 'Die Perlenfischer') vom Spielplan gestrichen, und wenn Bizet am 3. Juni 1875 stirbt, erlebt die Pariser Oper schon die 23. Aufführung. Viertausend Leute wohnen Bizets Beerdigung bei. Unter ihnen sind die - und das darf als überdeutliches Statement gelten - in der alten Tradition gross gewordenen Komponisten Charles Gounod und Ambroise Thomas. Sie u.a. tragen Georges Bizet zur letzten Ruhestätte.

Carmen eine Opéra comique?
In meinen Einführungen bei 'RS singt Adophe Adam/Daniël Auber' behandelte ich in grossen Zügen die Entwicklung von Opera seria, via Opera buffa, zur (französischen) Opéra comique, die durch gesprochene Dialoge gekennzeichnet wird, und eine Handlung hat, die sich vom Komischen zum Romantischen verschiebt. Bizet schreibt seine 'Carmen' mit gesprochenen Dialogen in der Tradition der Opéra comique, aber inhaltlich lenkt er in andere Bahnen ein. Die Geschichte von Carmen und dem ihr verfallenen Liebhaber Don José ist gar nicht komisch und keine romantische Flucht aus der Wirklichkeit, sondern gerade ein Sprung vorwärts IN die Wirklichkeit. Dieser 'Realismus' (ital.: 'Verismo') sollte 15 Jahre später als Modell für die Textbücher der vielleicht wohl bekanntesten, veristischen Opern 'Cavalleria Rusticana' (Pietro Mascagni 1890) und 'I Pagliacci' (Ruggiero Leoncavallo 1892) dienen.

Noch imselben Jahr der französischen Premiere erlebt 'Carmen' in einer deutschen Übersetzung von Julius Hopp die Erstaufführung in Wien. Hier jubeln die Opernliebhaber dem Werk ohne Vorbehalt zu, und damit beginnt ein Siegeszug, der nie mehr aufhören sollte. Die Neigung besteht, die internationale Viktoria, die in Wien anfing, der Tatsache zuzuschreiben, dass die gesprochenen Dialoge durch gesungene Rezitative ersetzt wurden. Ob das wirklich so ist, bleibt eine offene Frage. Jedenfalls machte die Oper wohl einen anderen Eindruck: die Rezitative hörten sich erhabener an, erinnerten sogar an die grossen, historischen Opern von damals. Möglicherweise überkam die Zuhörer - der Inhalt war ja sehr tragisch - ein 'Opera seria-artiges' Gefühl. Später entstand übrigens eine Strömung, die die gesprochenen Dialoge der Opéra comique wieder zu Ehren bringen wollte. Es ist ein besonderer Reiz, dass die zwei Gesamtaufnahmen mit Rudolf Schock eine gute Gelegenheit bieten, beide 'Carmen'-Fassungen miteinander zu vergleichen: die Aufnahme unter Eugen Jochum (1954) mit gesprochenen Dialogen und die unter Horst Stein (1961) mit gesungenen Rezitativen.

Der Komponist der gesungenen Rezitative: Ernest Guiraud (1837-1892)

Ernest Guiraud war mit Bizet befreundet, und er tat nach dessen Tode, was Bizet selber wahrscheinlich schon einige Zeit beabsichtigte. Das darf angenommen werden, weil Bizet fortwährend an den eigenen Kompositionen feilte. Manche Leute nennen so etwas Unsicherheit, andere Leute einen kräftigen Hang zur Perfektion. Guiraud schrieb für die Oper 'CARMEN' die Rezitative, die gesungen werden sollten, und er machte das fachgerecht. Die Verfechter der gesprochenen Dialoge sogar konnten es darum später nicht übers Herz bringen, aus dem stimmungsvollen Rezitativ bei Micaëlas Arie (3. Akt) wieder einen gesprochenen Monolog zu machen. Auch ergänzte Guiraud den ziemlich kurzen 4. und letzten Akt mit Ballett auf Bizets Musik aus der 'L'Arlésienne-Suite' und der Oper 'La jolie Fille de Perth'.

Ernest Guiraud dachte sich auch 'Bizet's AGNUS DEI' aus. Die Musik lieferte der erste Teil vom 'Intermezzo' aus Bizets 'L'Arlésienne' (1872). 'L'Arlésienne' diente dem gleichnamigen Schauspiel von Alphonse Daudet als musikalischer Kontext. Guiraud änderte das Arrangement und fügte der Musik den lateinischen Text hinzu. (Nennen wir hier auch schon Guirauds Leistung, Jacques Offenbachs 'Les Contes d'Hoffmann' instrumentiert zu haben. Damit erschloss er eine der genialsten und wirkungsvollsten Schöpfungen des Musiktheaters für die Opernbühne).

Über den Inhalt von 'Carmen'

Holzschnitt: Sammlung E.Leonhart, Dortmund


Henri Meilhac und Ludovic Halévy (nicht mit dem Komponisten Jacques François Halévy zu verwechseln!) schrieben das Libretto nach einer 'Carmen'-Novelle vom französischen Schriftsteller Prosper Mérimée (1803-1870). Die Geschichte fiel durch psychologische Gedankentiefe auf. Dazu zeigte sie einen Realismus, der viel Staub aufwirbelte. In der Novelle treten die Figuren des Toreadors Escamillo und des Bauernmädchens Micaëla nicht auf, im Textbuch von Meilhac & Halévy wohl.

Vier Personen stehen in der Oper zentral: Carmen, Don José, Micaëla und Escamillo. Carmen, das Mädchen aus der Zigarettenfabrik, könnte man betrachten als eine  'Theaterschwester' von 'Lulu'(siehe 'RS singt Alban Berg'). Sie übt eine sehr starke Anziehungskraft auf Männer aus und sündigt (unbewusst) gegen jede Form der vorherrschenden Moral. Nur die eigene Logik zählt und zwar die Logik der bedingungslosen Liebe, die aber per definitionem keine Logik duldet. Diese Liebe ist flüchtig und gefährlich. Carmen befindet sich zwischen zwei Männern: dem schmerzlich verliebten und unbedeutenden Sergeanten Don José und dem selbstsicheren und gefeierten Toréador Escamillo. Don José befindet sich seinerseits zwischen zwei Frauen: zwischen der ihm unbegreiflichen Carmen und der tapferen, unkomplizierten Micaëla, dem Mädchen vom Lande, das ebenfalls seine Heimat ist. Im letzten Akt tötet Escamillo in der Arena den Stier, und bringt Don José in 'seiner Arena' die 'Bestie' Carmen um.


















Carmen: eine SPANISCHE Oper?

Sevilla, die Unheilsstätte, liegt in Spanien, und Stierkämpfe sind besonders ein spanisches Phänomen, aber Bizets Musik kann man kaum 'spanisch' nennen. Das Spanische ist nur Äusserlichkeit. Z. B. Carmens verführerische 'Habanera' beim Kastagnettenklang mutet zwar folkloristisch an, aber ist ein gelungenes Upgrading einer schlichten Salonweise vom Zeitgenossen Sebastian de Yradier, dessen 'La Paloma' - ohne Bizet - auch zum Evergreen wurde.

Die Stimmtypen von Carmen, Don José, Micaëla und Escamillo
Der niederländische Opernkenner Leo Riemens hat genau nachgeforscht, für welche Stimmlagen Bizet die Hauptpartien in 'Carmen' gemeint hat: Er schrieb die Carmen-Rolle für eine hohe Mezzosopranistin, die Don José-Rolle für einen typischen 'demi-caractère tenor', die Escamillo-Partie für einen 'basse-chantante' und die Partie der Micaëla für eine lyrische Sopranstimme. In der Theaterpraxis aber wurde und wird Carmen auch von echten Ältistinnen und echten Sopranistinnen gesungen, Escamillo auch von Heldenbaritonisten und don José von Heldentenören. Für Carmen ist es notwendig, dass die Sängerin sowohl eine sehr gute Höhe als Tiefe hat. Der 'demi-caractère tenor', der Don José singt, muss 'den Akzent des Heldentenors und die Lyrik eines leichten Tenors' (Riemens) kombinieren können. Rudolf Schock erläutert in seiner Biographie, er habe die Don José-Rolle immer gerne gesungen und gespielt. Nicht nur als Schauspieler fühlte er sich herausgefordert, sondern auch als Sänger, denn: '...diese Rolle erfordert eigentlich zwei Tenöre: einen lyrischen zu Beginn und einen heldischen zum Finale'. Rodney Milnes ('Opera on Record', Harper Colophon Books 1982) nennt als eins der Kennzeichen der Blumenarie das 'pianissimo b-Moll' (engl. b flat) am Ende der vorletzten Gesangzeile: 'Et j'étais une chose à toi!'/'Und ewig gehör' ich Dir an!!'. Milnes ist der Meinung, diese Zeile müsse zärtlich gesungen werden und nicht als 'furiose Beschuldigung', aber ergänzt, 'als Musikkritiker habe er dann bald ausgeredet, weil nur wenig Don José-Tenöre so etwas anstrebten oder dazu imstande waren'. Er tröstet sich mit dem Gedanken, 'dass für die Arie viel mehr Musikalität als dieser einzige Moment allein erwünscht sei'.

Rudolf Schock als Don José LIVE
Rudolf Schock trat als Don José zwischen Mai 1948 und Mai 1968 vielfach auf. Wiederholt sang und spielte er die Rolle an der Wiener (1952-1957) und der Hamburger Staatsoper (1948-1958). Weiter konnte man ihn als Don José in einer grossen Anzahl deutscher Städte, daneben in Österreich und Belgien bewundern. Seine Dirigenten waren u.a. Franz Konwitschny, Heinrich Hollreiser und Wolfgang Sawallisch, Carmens: Martha Mödl, Georgine von Milinkovic, Jean Madeira, Christa Ludwig, Kerstin Meyer und Grace Bumbry.

Ein Kritiker schreibt November 1956 anlässlich der Wiener Carmen-Premiere folgendes: Jean Madeira (Carmen) ist zuviel 'made in Hollywood', der 'Escamillo-Import' ein Fiasko, aber Rudolf Schock überzeugt 'in dieser schwierigen Tenorpartie'...' Besonders gut gelangen ihm die lyrischen Stellen....Die kluge Phrasierung wurde noch durch eine natürliche Darstellung unterstrichen'. Es fällt auf, dass in dieser Ausführung einige, kleinere Rollen ('in ausgezeichneter Weise') von Wiener Berühmtheiten wie Wilma Lipp (Frasquita), Erich Kunz (Dancairo) und Peter Klein (Remendado) gesungen werden.
Foto RELIEF CR 1908















Am 21. Dezember 1958 hat in Hamburg eine einzigartige 'Carmen' mit Rudolf Schock Premiere. Das Einzigartige daran war besonders die Tatsache, dass Wieland Wagner, Enkelsohn des Komponisten Richard Wagner, Regie führt.

WIELAND WAGNER und Rudolf Schock

Foto Peyer: K. Meyer/R. Schock

Die schwedische Sängerin Kerstin Meyer singt Carmen, Rudolf Schock Don José, Melitta Muszely Micaëla und der amerikanische Sänger Richard Collett Escamillo. In den Nebenrollen bekannte Namen wie: Gerhard Stolze, Kurt Marschner, Toni Blankenheim und Erna Maria Duske. Dirigent ist Wolfgang Sawallisch. Das Hamburger Abendblatt interviewt Wieland Wagner und bespricht die kommende Premiere. Die Zeitung betont, dass eine '... "heidnische Carmen" uns erwarte...', dass Wieland Wagner keine Angst habe, mit der Vergangenheit zu brechen, dass Spanien und Ballette gestrichen worden seien, und dass der Dekor abstrakter und eben dadurch vielsagender sein werde. Aus der Besprechung nach der Premiere stellt sich heraus, dass Wieland Wagner die älteste Carmen-Version mit den gesprochenen Dialogen gewählt hat. Der Kritiker urteilt, das Werk sei 'gut entstaubt worden', aber es mache in Wagners Regie-Auffassung doch wohl einen ziemlich 'eingedeutschten' Eindruck. Über den Dirigenten wird Gutes gesagt, aber für Bizet fehle es ihm ein wenig an 'Biegsamkeit, dem inneren Federn'. Kerstin Meyer ('eine Leistung von Format!'), Rudolf Schock ('Erfolg mit der Blumenarie' und 'grosse Akzente im Schlussakt') und Melitta Muszely ('keine Sentimentalität') bekommen gute Kritiken. Der Artikel endet mit der Schlussfolgerung: 'Die neue dramatische Arbeit, die Sängerleistungen, die szenische Wirkung und nicht zuletzt Bizets Musik: alles vereinte sich und führte zu rauschendem Premierenbeifall'.


Foto Peyer: v.l.n.r.
Wagner/Muszely/Schock














Wieland Wagner (1917-1966) hatte in den Jahren vor der Hamburger 'Carmen'-Regie mit seinen radikal erneuten Inszenierungen der Opern seines Grossvaters grosses Aufsehen erregt
('Neu-Bayreuth'): grossartige Lichteffekte traten an die Stelle der naturalistischen Dekors, Abstraktion verdrängte Konkretion, und Form wurde dem Inhalt untergeordnet.

In der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre wagt sich Wieland Wagner nicht nur an Bizet, sondern auch an Opern von Christoff Willibald von Gluck und Ludwig van Beethoven heran.
Nach der Bizet-Premiere in Hamburg bietet Wieland Wagner Rudolf Schock die Rolle von Walther von Stolzing in Richard Wagners 'Meistersingern von Nürnberg' an. Schock akzeptiert - nach einigem Zögern, worauf ich in der Zukunft gewiss zurückkomme - das Angebot: Sommer 1959 wird er als Walther von Stolzing in (Neu-)Bayreuth auftreten.



Carmen-Aufnahmen mit Rudolf Schock
  • 13.10.1946 (Live): 'Blumenarie', in Berlin aufgenommen. Dirigent Felix Lederer (Sonia CD 74503, Laserlight Classics 14765, Relief CD 1909)
Das ist eine der allerersten Aufnahmen von Rudolf Schock. Die Arie wird zusammen mit (u.a.?) zwei Fragmenten aus Puccinis 'La Bohème' im Berliner Rundfunkstudio gesungen und kommt in verschiedenen Kompilationen auf CD vor. Einige erwähne ich oben. Relief CD 1909 bietet die Aria als Bonus bei der Gesamtaufnahme (mit Schock) von Aubers 'Fra Diavolo' an.

In der Biographie sagt Schock, er sei während der Aufnahme 'blendend disponiert', und das ist hundertprozentig wahr. Ausserdem beweist Schock, dass er 1946 die Interpretation der Arie schon völlig beherrscht. Auffallend ist das Selbstbewusstsein des jungen Sängers (31 Jahre alt), womit er Carmen das emotionelle Erlebnis im Gefängnis erzählt. Alles stimmt an dieser (m.E. historischen) Darstellung. Nur das 'b-Moll' am Ende der vorletzten Zeile ist nicht 'pianissimo'. Aber Schocks 'Sturm und Drang' in diesem Moment benimmt dem Zuhörer buchstäblich den Atem!

  • 23.6.1947 (Probe-Aufnahme): 'Blumenarie'Adolf Stauch am Klavier (RELIEF CR 3001).
Diese Aufnahme ist in einer anderen Weise historisch: mit ihr sang Rudolf Schock sich - unwissend - in die Wohnzimmer und Herzen eines Millionenpublikums.
Schallplattenproduzent Electrola (später EMI, heute Warner) machte eine Testaufnahme (hatte man Schocks Rundfunk-Ausführung der 'Blumenarie' aus dem Jahre 1946 nicht gehört?), um festzustellen, ob Schocks Stimme sich für die Schallplatte eignete. Und das war so. Die Testpressung (eine 78-er Schellackplatte) bekam Schock als Souvenir geschenkt. Jahre später nach einem Einbruch in seine Berliner Wohnung wurde u.a. die alte Platte in Stücken wiedergefunden. Zum Glück hatte Schock rechtzeitig eine Tonbandaufnahme des Dokuments gemacht, wozu er eine Ansage machte. Blumenarie und Ansage kann man beide auf der eindrucksvollen Doppel-CD mit Schock finden, die Relief im Jahre 2005 veröffentlicht hat. Es ist eine Form der Gerechtigkeit, dass Adolf Stauch (1903-1981), der Rudolf Schock seit 1937 dezennienlang als Dirigent, Pianist und guter Freund der Familie begeleitete, bei diesem für 'seinen' Sänger so wichtigen Ereignis am Klavier sitzt und spielt. Schock singt die Arie vortrefflich, aber man spürt doch eine andere Spannung als bei der Rundfunk-Aufnahme ein Jahr früher. Der erste Teil der Arie klingt befangen. Im zweiten Teil wird diese Befangenheit relativ überkompensiert. Dadurch kommt mir Schocks Erzählung nicht ganz ausgewogen vor. Aber ist das nicht logisch? Ein Examen ist und bleibt eine spannungserregende Erfahrung.

  • September/Oktober 1951: Studio-Aufnahme für den RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) Berlin. Ausschnitte aus 'Carmen' mit Margarete Klose (Carmen), Rudolf Schock (Don José), Elfriede Trötschel (Micaëla), Maria Reith (Frasquita), Pia Coursavé (Mercédès) und dem Dirigenten FERENC FRICSAY (Audite 95.497)




















Die grosse Überraschung aus dem Jahre 2007! Eine Aufnahme, die selbst in der sehr sorgfältig zusammengestellten Diskographie von Rudolf Schock ungenannt blieb. Genauso wunderschön wie die wohl erwähnte Gesamtausführung der 'Rigoletto' von Guiseppe Verdi - auch unter Fricsay - mit Streich, Schock und Metternich! Die Tonaufnahmen sind hervorragend: Durch die verblüffende Transparenz würde man fast vergessen, dass es sich hier um Mono-Aufnahmen von vor knapp 60 Jahren handelt.






















Der ungarisch-österreichische Dirigent Ferenc Fricsay (1914-1963) erreicht mit dem RIAS-Symphonie-Orchester eine 'Carmen'-Kurzfassung, die das Werk anders als üblich klingen lässt.
Im CD-Booklet von Audite (Text von Habakuk Traber) werden die Unterschiede detailliert ausgearbeitet: Bei Fricsay stehen die dramatischen Momente der Musik in extremem Kontrast zueinander: bald malt er das Geschehen nuanciert, aber zugleich distanziert aus, bald verstärkt er es gerade durch ein provozierendes Verzögern. Letztgenanntes passiert z.B. in der Blumenarie: Fricsay hält einfach Gesang und Orchesterspiel inne zwischen 'Dein ist mein Herz' und 'Und ewig gehör' ich Dir an!'. Eine kurze Weile gibt es vollkommene Stille, und dann bricht - explosiver noch als vor fünf Jahren unter Felix Lederer - Don Josés 'Sturm und Drang' hervor, der 'dem Hörer den Atem stocken lässt' (Benjamin Künzel - magazin.klassik.com/reviews). Nahtlos anschliessend erleidet der arme Hörer - in atemlosem Befinden also - Don Josés glühend gesungene Worte: 'Carmen, ich liebe dich' wobei das 'Iii' von 'liebe' endlos angehalten zu werden scheint.
Fricsay führt eine 70-minütige Bizet/Guiraud-Kurzfassung der Oper - ohne Escamillo! - aus. Das hat zur Folge, dass er einige gesungene Rezitative hören lässt und die (vollständige!) Ballettmusik spielt, womit Guiraud den 4. Akt ergänzte.





















Margarete Klose (1902-1968) ist an und für sich keine ideale Carmen. Die Rolle gehörte aber wohl zu ihrem vokalen Rüstzeug. Im Jahre 1948 sang sie die Carmen in einer Rundfunkübertragung unter Hans Schmidt-Isserstedt (mit Schock als Don José), und 1953 war sie als Carmen auf der Wiener Bühne zu sehen und zu hören. Fricsay muss Margarete Klose bewusst für die Carmen-Rolle ausgewählt haben: Ihr dramatisch-dunkles Timbre gibt einen schönen Kontrast mit der klaren Sopranstimme von Elfriede Trötschel als Micaëla ab. Kloses Habanera ist kein Ausbund an Verführung, aber in der schaudererregenden Kartenszene aus dem 3. Akt ist die grosse Wagnerdarstellerin von imposantem Format. Sie erreicht dann das Niveau der grandiosen Christa Ludwig in der Horst Stein-Aufname aus dem Jahre 1961. Auch im Schlussduett (oder Schlussduell) mit Rudolf Schock überzeugt sie. Ich finde denn auch, dass Klose in den vielen - im übrigen sehr lobenden - Kritiken anlässlich dieser Carmen-Aufnahme zu oft als 'teutonisch' und 'wagnerianisch' 'beiseite gestellt' wird. Was das 'Wagnerianische' betrifft, ist sie übrigens in guter Gesellschaft, denn hatte man je so etwas auch nicht von Bizet gesagt?

Elfriede Trötschel (1913-1958) ist eine angenehm mädchenhafte Micaëla. Sie wagt sich vertrauensselig wie Alice in ein bedrohendes Wunderland hinaus. Der Zwiegesang mit Don José ist von Fricsay komprimiert worden, was dessen Schönheit gar nicht schadet.

Rudolf Schock ist sehr, wirklich sehr gut. Habakuk Traber im CD-Booklet: 'der gerade 36-jährige Rudolf Schock befand sich im Zenith seiner stimmlichen Entwicklung'. Er ist ein zugleich kräftiger und gefühlvoller Don José, 'lovely rendering in the Flower Aria' (Gary Lenco). Ekkehard Pluta (Fonoforum 2008) fragt sich, wo man heute noch so viel 'deklamatorische Deutlichkeit und solche Intimität' erlebt wie hier bei Rudolf Schock. Göran Forsling (Music Web-International): '...he has his phrases lovingly...deeply involved in de second act-confrontation with Carmen...powerly climaxes in the Flower Song and he ends it softly! (Forsling zielt auf die zärtlichen Worte 'Carmen, ich liebe dich', worin er Bizets Pianissimo-Wünsche von Rudolf Schock grossenteils verwirklicht achtet) ...moving in the final scene'. Letzten Endes Benjamin Künzel (Magazin.klassik.com): 'Rudolf Schock mit strahlendem Stimmklang und beneidenswerter Artikulation'.

  • Febr. 1952/Apr. 1954/Oktober 1956/Mai 1958: Studio-Aufnahmen: Einzelne Fragmente, die vom Produzenten Fritz Ganss am Ende der fünfziger Jahre zu einem 54-minütigen Carmen-Querschnitt zusammengefügt wurden. Mit Sieglinde Wagner (Carmen), Rudolf Schock (Don José), Anny Schlemm (Micaëla), Josef Metternich (Escamillo), Lisa Otto (Frasquita), Rosl Schaffrian (Mercédès) und den Dirigenten ARTUR ROTHER und WILHELM SCHÜCHTER (Emi-Classics 7243 8 264342 5)





















Diese Carmen-Ausschnitte gab es am Ende der Fünfziger auf LP und wurden im Jahre 2000 auf CD herausgebracht. Im Jahre 1952 dirigiert Artur Rother (1885-1972) Schocks Blumenarie und die vollständige Version des Duetts Don José-Micaëla mit Schock und Schlemm.

















Wilhelm Schüchter (1911-1974), in den fünfziger und sechziger Jahren in Rundfunksendungen und für den Produzenten Fritz Ganss (Electrola und Eurodisc) aktiv als Dirigent vieler Opern- und Operettenaufnahmen mit Rudolf Schock, nimmt die 1954-Aufnahmen der Sänger, die 1956-Aufnahmen mit den vier orchestralen Vorspielen und die 1958-Aufnahme der Micaëla-Arie auf sein Konto.





















Die warme Altstimme von Sieglinde Wagner (1921-2003) ist eine Wohltat für das Ohr, aber sie profiliert die Zigeunerin Carmen kaum (Habanera und Kartenterzett). Im Schlussduett mit dem wieder idealen Don José von Rudolf Schock macht sie das auf einmal wohl.
Wahrscheinlich ist ein Teil dieses Duetts auch in Schocks 'italienischen' Film 'Die Stimme der Sehnsucht' (1956) eingefügt worden.

Schocks Arie 'Hier an dem Herzen treu geborgen' entfaltet sich anfangs wie eine prachtvolle Blume: prominent vor dem Aufnahme-Mikrophon. Allmählich aber, wenn er von Emotion überwältigt wird, vergrössern die Aufnametechniker den Abstand zwischen Stimme und Mikrophon, wodurch der leidenschaftliche Aufbau zum begehrten 'b-Moll' (die an sich tadellos gesungen wird) abgeschwächt wird. Schock kann nichts dafür, aber zum stockenden Atem am Ende der Arie kommt es - bei mir - nicht ganz.





















Josef Metternich (1915-2005) singt mit dem von ihm vertrauten vokalen Feuerwerk in einer von Schüchter hinreissend dirigierten Toréador-Szene einen Macho-Escamillo. Treffend ist der darstellerische Unterschied mit 'basse chantante' Hermann Prey in der Horst Stein-Aufnahme (1961).

Anny Schlemm (1929) als Micaëla klingt 1958 in der grossen Arie mit Rezitativ kräftig und macht keinen ängstlichen Eindruck. Der vokale Kontrast mit Sieglinde Wagner fällt dadurch nicht so glücklich aus. Im Duett mit Schock (1952) singt Schlemm wärmer, und man hört, dass sie damals sechs Jahre jünger war.




  • Oktober 1954: Gesamtausführung im Bayrischen Rundfunk München mit Georgine von Milinkovic (Carmen), Rudolf Schock (Don José), Elisabeth Grümmer (Micaëla), James Pease (Escamillo), Hanna Scholl (Frasquita), Ina Gerheim (Mercédès), Max Proebstl (Zuniga), Karl Hoppe (Moralès), Heinz Maria Linz (Dancairo), Karl Ostertag (Remendado) und dem Dirigenten EUGEN JOCHUM (Relief CR 1908 und - mit wenig Information - Walhall)
RELIEF CR 1908






















Hier erleben wir Bizets ursprüngliche Opéra comique-Version (!), also ohne Guirauds spätere Veränderungen (mit Ausnahme von Micaëla Rezitativ im 3. Akt). Die perfekte (Mono)-Aufnahme ist erst vom Anfang des 21. Jhts an auf dem Markt und hat leider (noch?) nicht den Status einer 'historic performance'. Aber sie verdient ihn wohl. Wir hören jetzt die gesprochenen Dialoge 'im Geiste von Bizets ursprünglichen Vorsätzen' (John Leeman - Music Web-International). Sie werden - und das war 1954 noch eine Rarität - von den Sängern selbst gesprochen, und die machen das ausgezeichnet (Schock!).



EUGEN JOCHUM (1902-1987) dirigiert das Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks München, das er selber - zusammen met dem niederländischen Dirigenten Bernhard Haitink - 1949 gegründet hatte. Später sollte er in den Niederlanden noch viele Male das 'Concertgebouw'-Orchester Amsterdam dirigieren. Die Städte, wo er weiter seinen Ruhm als Bruckner-, Wagner- und Mozartdirigent etablierte, aber auch neuzeitlichere Komponisten wie Blacher, von Einem und Hartmann spielte, waren vor allen Berlin und München. Sein Image als namhafter Dirigent wurde jedoch manchmal durch das Bild benachteiligt, er sei zwar ein solider, musikalischer Fachmann, aber in musikalisch-dynamischer Hinsicht ziemlich 'teilnahmslos'. Ein Pultstar wie z.B. Herbert von Karajan erregte die Phantasie effektiver. Allein schon aus der Art und Weise, wie diese beiden Dirigenten fotographiert worden sind, geht der Unterschied überdeutlich hervor. In dieser 'Carmen'-Aufnahme aber ist von Teilnahmslosigkeit nichts zu merken. Die Oper klingt turbulent. Zum Beispiel das Zigeunerlied zu Anfang des 2. Aktes vollzieht sich in heissblütigem, aufpeitschendem Tempo (heftiger noch als in der Stereo-Aufnahme unter Horst Stein, was einiges sagen will!) und das Finale ist mit Carmen, Don José und dem Dirigenten eine tickende und dann explodierende Zeitbombe! Ich zitiere noch einmal John Leeman: 'It sizzle's!....crisply rhythmic in the dance-related music...beauty in the playing.....Carmen-connesseurs may wish to have it!'.

Foto RELIEF 1908


















Georgine von Milinkovic (1913-1986) zeigt sich eine äusserst erfahrene Carmen-Sängerin.
Allein schon in der Wiener Staatsoper sang sie zwischen 1948 und 1954 die Rolle 36-mal (1952 mit Rudolf Schock). Ihre sängerische Palette ist reich und ihre Emotionen direkt und ehrlich.

Elisabeth Grümmer (1911-1986) braucht kaum vorgestellt zu werden: die silberne, edle Sopranstimme ist - wie zu erwarten war - auch in der Micaëla-Rolle in bestechender Form, aber doch bleibt ab und zu (nicht dauernd also) ihre 'Micaëla vom Lande' mir zu fern. Die Darstellung ist dann eher die aus dem Konzertsaal als die aus der Opernhandlung. Selbstverständlich war Elisabeth Grümmer eine begnadete Opernsängerin ('Meistersinger', 'Freischütz' und in Mozartopern), aber für die Micaëla-Figur fehlt ihr ein wenig die jugendliche Unbefangenheit.
Noch einmal ist Rudolf Schock in jeder Hinsicht ein bewundernswerter Don José. Ich greife zwei Fragmente heraus: Im Finale des 3. (vorletzten) Aktes sind er und jetzt auch Grümmer darstellerisch sondergleichen, und in der Blumenarie entfaltet Schock jetzt überraschendeweise genau, was Bizet sich gewünscht haben muss: den Anlauf zum und Verwirklichung vom 'pianissimo b-Moll' in 'Und ewig gehör' ich Dir an!'. Nun höre ich einige Leser im voraus sagen: 'Ja, das macht Schock mit 'Falsettstimme', was ich dann vor allem als eine negative Qualifizierung auffassen soll. Dagegen lässt sich folgendes sagen: Es ist gewiss so, Schock benutzte - neben seiner sehr schönen 'mezza voce' (halber Bruststimme), die ihn in die Nähe eines Benjamino Gigli bringt (Vgl. ihre Darstellungen des Liedes 'Caro mio ben' und Schocks Tenorpartie im grossen Duett aus Mascagnis Oper 'L'Amico Fritz') - regelmässig auch seine 'Falsettstimme' (Kopf- statt Bruststimme). Aber das Falsettsingen hat immer schon - also auch 'Im Zenith seiner stimmlichen Entwicklung' - zur Schocks Ausdruckskunst gehört. Leo Riemens lobte Rudolf Schock je wegen seiner Schlussnote in 'Celeste Aida', der bekannten Radames-Arie aus Verdis Oper. Diese Note sollte nach Vorschrift von Verdi pianissimo gesungen werden. Rudolf Schock singt in einer frühen Emi-Aufnahme diese Note Falsett und damit in ein und demselben Atem pianissimo, und der kritische Riemens erschöpfte sich in Lobpreisungen in bezug auf 'den gewissenhaften Sänger'. Enrico Caruso tat 1904 übrigens dasselbe: In jenem Jahr erschien eine Aufnahme von 'Celeste Aida' mit einer falsettierten Schlussnote.
Ank Reinders, eine bekannte niederländische Gesangspädagogin, weist in einer Studie auf den mannigfachen Gebrauch von Falsett als anerkanntem Gesangsinstrument in der Vergangenheit hin und stellt fest, es sei im Laufe der 2. Hälfte des 20. Jhts mit der Falsettstimme allmählich abwärtsgegangen. Aber ist das eigentlich so? Wir sehen gerade dann den spektakulären Aufstieg der Countertenöre, für die das Falsettsingen eben Corebusiness ist.


James Pease
(Foto RELIEF CR 1908)













Schliesslich über den Escamillo der Aufnahme, worin der amerikanische Bariton James Pease (1916-1967) zu hören ist (Mehr über Pease lesen Sie unter dem Label 'RS singt Daniël Auber'). Der Escamillo von James Pease hält so ungefähr die Mitte zwischen der Muskelbündel-Interpretation von Josef Metternich (1954) und dem eleganten Gentleman von Hermann Prey (1961). Pease singt gut, aber seine Charakterisierung des Stierkämpfers bleibt wohl hinter den Leistungen von Metternich und Prey zurück.

  • Sept. 1961: Studio-Aufname einer EMI-Gesamtausführung von 'Carmen' mit Christa Ludwig (Carmen), Rudolf Schock (Don José), Melitta Muszely (Micaëla), Hermann Prey (Escamillo), Ursula Schirrmacher (Frasquita), Ursula Gust (Mercédès), Iwan Rebroff (Zuniga), Georg Völker (Moralès), Leopold Clam (Dancairo), Karl-Ernst Mercker (Remendado) und dem Dirigenten HORST STEIN (Emi/Warner CMS 25 2903 2)





















Und jetzt ist Guirauds Version mit den gesungenen Rezitativen dran. Aber Schocks fester Produzent Fritz Ganss liess die Ballette weg, so dass für jene Musik auf Fricsay zurückgegriffen werden muss. Die Aufnahme ist in 'full stereo' und als solche ein Tonerlebnis, was mir die Gelegenheit gibt, mit Anerkennung den Namen von Sound-engineer Horst Lindner zu nennen, der sehr viele Jahre zahlreiche Aufnahmen mit u.a. Rudolf Schock und Herbert von Karajan auf vortreffliche Weise realisierte.

Die Horst Stein-Aufnahme ist seit ihrer Veröffentlichung vor fast einem halben Jahrhundert immer im EMI-Katalog geblieben. Seit 2009 war sie einige Jahre daraus verschwunden, aber ab März 2013 war sie wieder zu haben.
Christa Ludwig wies vor einigen Jahren in einem Interview schon darauf: 'Diese deutschsprachige 'Carmen' weiss sich schon sehr lange zwischen den französischen 'Carmens' zu behaupten, weil es weltweit dauernd Nachfrage nach ihr gibt'. Doch lachte man mich in Rotterdam aus, als ich mich im Laufe der 60er Jahre beim Personal eines prominenten Schallplattengeschäfts nach dem Vorhandensein der Aufnahme erkundigte. Nach dem Auslachen trat eine gewisse Strenge hervor: "So eine Schallplatte mit Christa Ludwig als Carmen, Hermann Prey als Escamillo und Rudolf Schock als Don José gibt es gar nicht!".

Etwas später las ich in einem niederländischen Musikmagazin, das Finale mit Ludwig und Schock sei auf EMI-LP mit berühmten Opernduetten zu hören. Kritiker Klaas A. Postuma zeigte sich seelenvergnügt mit dieser 'seltenen' Aufnahme und schrieb, dass sowohl Ludwig als Schock 'grossartig' waren. Er hoffte, dass die dazugehörige Gesamtaufnahme nun bald auch in den Niederlanden erscheinen würde. In Deutschland kamen danach noch zwei LP-Neupressungen aus (Ich kaufte sie beim ehemaligen Schallplatten-Megageschäft 'Saturn' in Köln!). Im Jahre 1991 erschien die CD-Kassette.


HORST STEIN (1928-2008) wird schon im 23-jährigen Alter (1951) zum musikalischen Leiter der Hamburger Staatsoper ernannt. Ein Jahr später assistiert er in Bayreuth renommierte Dirigenten wie Clemens Krauss, Josef Keilberth, Hans Knappertsbusch und Herbert von Karajan. Wieland Wagners Bruder Wolfgang ist von Stein beeindruckt und bietet ihm die Chance, in Bayreuth eine grosse Anzahl Wagneropern zu dirigieren. Danach ist Horst Stein als Dirigent über die ganze Welt aktiv. Stein war (er starb vor kurzem) kein Showdirigent. Musikkritiker Peter T. Körner nennt in 'Fonoforum' Stein einen 'individuellen Orchestererzieher, der seinen Beruf auf zuverlässige Weise beherrscht und ausübt, sorgfältig mit dem Notentext umgeht, stilsicher ist und auf selbstgefällige Extravaganzen verzichtet'. Das sind 'die klassischen Tugenden' des 'unauffällig-souveränen Kapellmeisters, dessen Typus immer seltener geworden ist'.

Ich glaube, Ferenc Fricsay wäre überglücklich gewesen, wenn er die vier Solisten, die unter Horst Stein die Hauptrollen singen, für eine 'Carmen'-Gesamtausführung hätte engagieren können. Die Kontraste zwischen ihnen sind ideal.












Zuerst will ich wohl darauf aufmerksam machen, dass Rudolf Schock im Jahre 1961 nicht mehr völlig über die vokalen Möglichkeiten der fünfziger Jahre verfügt. Die Stimmführung ist nicht mehr so flexibel wie z. B. unter Eugen Jochum, und für die Spitzentöne muss er merkbar Kraft entwickeln.
Die Folge ist jedoch, dass er jetzt als älterer, reiferer Sergeant anmutet. Den früheren 'Sturm und Drang' gibt es nicht mehr ganz, aber stattdessen ruft Schock mit seiner Lyrik der Wehmut (z.B. in einer fast feierlichen Blumenarie und dem nostalgischen Duett mit Micaëla) beim Hörer doch große Gefühle tiefer Sympathie wach. Er passt jetzt eigentlich vollkommen zu Micaëla, die von Melitta Muszely (1927) besinnlich und herzerfreuend gesungen wird. Muszelys Stimme atmet inniges Verlangen nach einer sicheren Welt, die für Don José verloren zu gehen droht. Don José unterwirft sich wissentlich ('der Hexe!') Carmen und ihren zweifelhaften Gefährten, die ihm seinen Disziplin und poetische Naivität rauben. Rudolf Schock imponiert als dieser andere tragische Don José genauso wie in seinen früheren, jugendlicheren Darstellungen. Carmen spielt mit einem machtlosen Don José, der aussichtslos seine Liebe zeigt. Noch zu Beginn des Finales fleht er Carmen an, ihn zu lieben (Schock ist im Gesang drängend lyrisch), am Ende schleudert er ihr Wut und Verzweiflung ins Gesicht (Schock ist im Gesang veristisch), wonach er sie nicht mehr bei Sinnen tötet. Dem Don José gegenüber steht ein grell kontrastierender Escamillo von Hermann Prey (1929-1998): Don José ist ein naiver Dorfbewohner, Escamillo stammt aus der Großstadt. Er ist elegant, ein 'Womanizer' mit sinnlich-süsser Stimme, und immens populär. Das Lied des Toréadors klingt sogar teilweise 'piano'. Das Duettchen mit Ludwig wird im Taumel des Entzückens gesungen.


Und dann Christa Ludwig (1928). Im Jahre 1956 singt sie zum ersten Mal die Carmenrolle auf der Bühne der Wiener Staatsoper. Sie stellt die Rolle weiter dar bis in die siebziger Jahre (Januar 1957 mit Schock). Ein Kritiker lässt sich 1956 von ihrer Carmen völlig einfangen, obschon er darüber im klaren ist, dass 'sie etwas zu viel dabei überlegt und die Partie von der intellektuellen Seite auffasst'. 'Ihre Phrasierung...ist hervorragend. Allerdings sollte sie mit ihren Einlagen an exponierten Höhen etwas sparsamer umgehen, denn manche der Spitzentöne klangen etwas flach'. Alles in allem genommen hinterliessen sie und die Gesamtausführung beim Kritiker 'einen durchaus positiven Eindruck'.

In der Schallplattenaufnahme findet Christa Ludwig genau die Mitte zwischen Kopf und Herzen. Sie IST Carmen und trägt eine vollendete Gesangstechnik zur Schau. Jedes Wörtchen, jede Silbe ist perfekt verständlich, und sie macht alles damit, was sie stimmlich und interpretativ zum Ausdruck bringen will. Christa Ludwig ist solch eine Sängerin, deren es in einem Jahrhundert nur wenige gibt. Ihr zuzuhören ist eine reine Freude, und man kommt wiederholt aus dem bewundernden Staunen nicht heraus.

Auch die Sänger der kleineren Rollen sind in Hochform. Iwan Rebroff (1931-2008) ist eine angenehme Überraschung. Er zeichnet mit spielender Leichtigkeit den gutherzigen Militär Zuniga, würzt die Stimme mit Humor und Charme (Bitte, vergleichen Sie Rebroff mit dem braven Max Proebstl unter Eugen Jochum!).
Ich betrachte Iwan Rebroffs einzige, kleine Opernrolle als einen Ehrenerweis für den (merkwürdigen) Theatermenschen Iwan Rebroff, der mich irgendwann in den Sechzigern in Paris im Hotelrundfunk begeisterte als Tevje im Musical 'Fiddler on the Roof (Anatevka)'.
Multi-Talente Ursula Schirrmacher (1925) und Karl-Ernst Mercker (1933) , denen ich unter 'RS singt Adolphe Adam' schon lobende Worte widmete, sind wieder Sonderklasse. Die unheilverkündende Weise, worauf Ursula Schirrmacher Carmen zweimal vor Don José warnt ('O, hüte dich!') rührt mich bis auf den heutigen Tag.

Ein letztes Kompliment richte ich an die Schöneberger Sängerknaben aus dem Jahre 1961. Der Strassenjungenchor zu Anfang des 1. Aktes, der die Soldaten imitiert, ist eine Glanznummer. Der Jungenchor singt heiter und lebensecht drauflos, und das gehört sich in dieser Strassenszene auch so ('Verismo'!).
     
Oktober 1968: ZWEI Studio-Aufnamen der Blumenarie aus 'Carmen' mit dem Dirigenten Wilhelm Schüchter (Eurodisc LPs 78571 IU und 79785 KR)















    Im Jahre 1968 sang Rudolf Schock Don José als Gast noch in Antwerpen (am 26. März) und in Graz (am 23. Mai). Im Herbst desselben Jahres nahm er im Schallplattenstudio zum letzten Mal 'Hier an dem Herzen treu geborgen' und zum ersten Mal 'La fleur, que tu m'avais jetée' auf. Die deutsche Version erschien auf der LP 'Rudolf Schock singt Arien aus französischen Opern' (Bizet, J. Halévy, Thomas, Massenet, Maillart u.a.) und die französische auf der LP 'Erinnerungen an Benjamino Gigli' (Bizet, Massenet, Puccini, Ponchielli, Ciléa, Verdi u.a.). Beide Aufnahmen der Blumenarie sind würdige Erinnerungen an Rudolf Schocks Glanzrolle als Don José. 
Bizets Oper aus dem Jahre 1863: 'Les Pêcheurs de Perles'

Die exotischen 'Perlenfischer' sind immer in 'Carmens' Schatten geblieben. Die Oper, die sich auf der Insel Ceylon abspielt. wurde in Italien am meisten geschätzt und aufgeführt.
Erst 1930 bekam das Freundschaftsduett Nadir-Zurga aus dem 1. Akt ('Au fond du temple saint') 'Opernschlager'-Status. Die träumerische Tenor-Romanze 'Je crois entendre encore', worin Nadir über den abgelegten Eid der Freundschaft mit Zurga nachdenkt, den er für eine von ihm (und Zurga!) geliebten Frau gebrochen hat, blieb letzten Endes gleichfalls bekannt.
  • Dezember 1957: Studio-Aufnahme des Freundschafts-Duett Nadir-Zurga 'Au fond du temple saint'/'Der Tempel Brahmas strahlt') aus 'Les Pêcheurs de Perles' mit Rudolf Schock (Nadir), Josef Metternich (Zurga) und dem Dirigenten Wilhelm Schüchter (Emi-CD: CDM 7 69474 2, Membran-CD-Box 232541 und auf YouTube)
Foto RELIEF CR 3001






















Rudolf Schock und Josef Metternich sangen auf der Bühne und (noch mehr) im Aufnahmestudio oft einanders Feind. In privaten Umständen waren sie sehr gute Freunde. Zusammen waren sie zu sehen und/oder zu hören in Fidelio, Hoffmanns Erzählungen, Rigoletto, Don Carlos, La Forza del Destino, La Traviata, Il Trovatore, Aida, Otello, I Pagliacci, Cavalleria Rusticana, Lucia di Lammermoor, Tosca, Das Rheingold, Lohengrin und den Bizetopern: Carmen und Perlenfischer.

Das Duett aus den 'Perlenfischern' vom 1. Dezember 1957 bekommt in dieser Darstellung Verdi-artige Dimensionen. Schüchter, Schock und Metternich meiden jede Sentimentalität. Der Eid bleibender Freundschaft auf Gedeih und Verderb zwischen den beiden Männern wird leidenschaftlich aufs neue bekräftigt. Selbstvertrauen und Optimismus bestimmen ihren weiteren Lebensweg. In diesem Geiste wird dirigiert und gesungen: das Tempo ist kräftig, der Ausdruck drastisch, und der Hörer beeindruckt.
Wahrscheinlich ist dieses Duett die erste Schock-Metternich-Stereoaufnahme. Anfangs kam es mono zusammen mit dem Duett aus 'Otello' auf einer kleinen Electrola-45-er Schallplatte vor und dann auf einer Electrola-25cm-LP mit den beiden Sängern unter Schüchter in Duetten von Verdi und (einmal) Bizet.



















Im Laufe der Siebziger brachte Emi eine 3LP-Box mit dem Duet in stereo unter dem Titel 'Grosse Operngala' (137 EX 7 49449 1) aus. Im Jahre 1988 erschienen die Stereo-Perlenfischer auf CD ('Rudolf Schock-Opernarien'). Der erste Teil des Rezitativs fehlt aber, wodurch das ganze Duett zwei Minuten kürzer dauert. Im Jahre 2008 veröffentlichte Membran Music Ltd eine Rudolf Schock-10CD-Box, worin dieselbe gekürzte Version auftauchte.

März 1957 und Oktober 1968: ZWEI Studio-Aufnahmen von Nadirs Arie 'Je croix entendre encore'/'Hör' ich die Stimme im Traum') uit 'Les Pêcheurs de Perles' mit Rudolf Schock (Nadir) und dem dirigenten Wilhelm Schüchter (Aufnahme 1957 auf CD: Emi /Warner CZS 7 67183 2 und die 1968-Aufnahme auf LP: 79 785 KR)

Schock singt 1957 das Rezitativ der Arie, das auf die Erinnerung an die feierliche Freundschafts-Erklärung und den von ihm (Nadir) verursachten Eidbruch zurückgreift, mit genauer Aufmerksamkeit in bezug auf textuelle und musikalische Einzelheiten. Darauf folgt die lyrische Romanze, die Schock schmelzend singt. Er benutzt dabei gekonnt die Kopfstimme.

Elf Jahre später ist nicht zu überhören, dass Schocks Lyrik nicht mehr so unbehindert strömt wie im Jahre 1957. Dennoch zwingt seine 'Erzählung' nach wie vor Respekt ab. Nach meinem Geschmack ist Wilhelm Schüchters Tempo dieses Mal ziemlich schnell.
  • Januar 1963 (LIVE) in München aufgenommen: Rezitativ und Arie 'Hör'ich die Stimme im Traum' aus 'Les Pêcheurs de Perles' mit Rudolf Schock (Nadir) und dem Dirigenten Horst Stein (Rundfunkaufnahme von 1996 zum 10. Todestag von Rudolf Schock. 2008 wurde das integrale Konzert vom Bayrischen Rundfunk wiederholt.)
Horst Stein und Rudolf Schock gönnen sich mehr Zeit als Wilhelm Schüchter im Jahre 1957, ganz zu schweigen vom Jahre 1968. Der Unterschied mit dem Jahre 1968 ist sogar 40 Sekunden.
Rudolf Schock bekam 1963 die Gelegenheit, die Romanze träumerischer anzugehen als in den beiden Studioversionen. Er gebraucht die 'halbe Stimme (mezza voce') und erst am Arienschluss die 'Kopfstimme'. Von den drei Versionen scheint mir diese kontemplative Darstellung, sowohl was die orchestrale als die gesangliche Auffassung betrifft, der Atmosphäre dieser Oper am besten angemessen zu sein.

Das 'Agnus Dei' von Bizet/Guiraud
  • 1955, 1973, 1986: zwei Studio-Aufnahmen und eine LIVE-Aufnahme des 'Agnus Dei' von Bizet/Guiraud (alle mit Chor)






















'Welch eine Stimme!' rief der Vater eines Freundes mal aus, als er zufälligerweise Schocks 'heldisches' 'Agnus Dei' hörte. In der Tat ist die Mono-Aufnahme aus dem Jahre 1955 überwältigend zu nennen (Emi CD: CDZ 7 62696 2 unter dem Titel 'Ave Maria' mit verschiedenen Solisten in verschiedenen, mehr oder weniger religiös gefärbten Liedern). Neben Rudolf Schock hört man den schön singenden Bielefelder Kinderchor und die NWD-Philharmonie unter Wilhelm Schüchter.

Die Stereo-Fassung aus dem Jahre 1973 unter Fried Walter mit dem säuselnd singenden Tölzer Knabenchor beeindrucht auch. Der Chor (siehe auch den 2. Teil von 'RS singt Beethoven') und der Tenor sind schön miteinander im Gleichgewicht und die Ausführung scheint mir übereinstimmend mit Ernest Guirauds religiöser Intention zu sein (Eurodisc-LP 86863 KK).
Die dritte Version befindet sich auf einem Tape, das Verehrer von Schocks allerletztem Konzert machte. Das Konzert mit Chor und Orchester fand in/bei Düren am 9. November 1986 statt, drei Tage vor Rudolf Schocks Tode. Es öffnet mit dem 'Agnus Dei' von Bizet/Guiraud, und Rudolf Schock sang mit Leib und Seele. Die Aufnahme ist ergreifend, und betrachte ich - mit Dank an dem mir unbekannten Macher - als ein kostbares Dokument.

Krijn de Lege, April 2009

08.03.09

RUDOLF SCHOCK ZINGT GEORGES BIZET





Rudolf Schock  zingt Georges Bizet

Er bestaan ACHT Schock-opnamen van de BLOEMENARIA ('La fleur, que tu m'avais jetée'/'Hier an dem Herzen treu geborgen') uit de 2e acte van Bizet's opera 'CARMEN'. Daarvan zijn er op CD begin 2009 ZES verkrijgbaar. De gehele opera 'Carmen' is met Rudolf Schock in de rol van Don José TWEEMAAL COMPLEET en TWEEMAAL FRAGMENTARISCH opgenomen. Ook die vier opnamen zijn op CD uitgebracht.
Van Schock bestaan er verder opnamen van twee fragmenten uit 'LES PÊCHEURS DE PERLES (De Parelvissers)': het beroemde duet (met de bariton Josef Metternich) en driemaal de romance uit de 1e acte.
Verder is de operazanger driemaal te horen in een 'AGNUS DEI', waarvan de muziek weliswaar van Georges Bizet is, maar de tekst - voor kerkelijk gebruik - na diens dood is toegevoegd.

















GEORGES BIZET (1838-1875)
Tijdens een relatief kort leven breekt Georges Bizet artistiek niet echt door. Men ziet hem als 'veelbelovend', maar de 'successen' zijn bescheiden. Zijn opera 'De Parelvissers' (Parijs,1863) slaat niet aan en moet 30 jaar lang wachten op heruitvoering in Parijs en dat gebeurt alleen, omdat 'Carmen' dan een wereldsucces is geworden.
Pas in de loop van de laatste drie maanden van zijn leven wordt Bizet toch nog alom bekend: Op 3 maart 1875 gaat 'Carmen' in de 'Opéra Comique' te Parijs in premiere. De opera wordt gemengd ontvangen: een deel van het publiek ergert zich aan de 'Wagneriaanse (?) grofheid van het onderwerp', de 'ordinairheid van de titelheldin' en de 'breuk met de waardevolle traditie van de Opéra comique', maar een ander deel vindt de opera geweldig. Dit enthousiasme groeit met elke uitvoering. 'Carmen' wordt daarom niet (zoals ooit 'De Parelvissers') van het speelplan geschrapt en als Bizet op 3 juni 1875 overlijdt, is de Parijse Opera al toe aan de 23e voorstelling. Vierduizend mensen wonen Bizets begrafenis bij. Onder hen bevinden zich - en dat mag als overduidelijk statement gelden - de in de oude traditie groot geworden componisten Charles Gounod en Ambroise Thomas. Zij dragen samen met anderen Georges Bizet naar zijn laatste rustplaats.

Carmen een Opéra comique?
In mijn inleidingen bij 'RS zingt Adolphe Adam/Daniël Auber' schetste ik in vogelvlucht de ontwikkeling van Opera seria, via Opera buffa, naar de (Franse) Opéra comique, die gekenmerkt wordt door gesproken dialogen en een handeling, die van komisch naar romantisch verschuift. Bizet schrijft zijn 'Carmen' met gesproken dialogen in de traditie van de Opéra comique, maar inhoudelijk slaat hij een andere weg in. Het verhaal van Carmen en de aan haar verslaafde minnaar Don José is verre van komisch en ook geen - romantische - vlucht uit de werkelijkheid, maar juist een sprong voorwaarts de werkelijkheid ÍN. Dit 'realisme' (ital.: 'verismo') zou 15 jaar later model staan voor de tekstboeken van de misschien wel beroemdste, veristische opera's 'Cavalleria Rusticana' van Pietro Mascagni (1890) en 'I Pagliacci' van Ruggiero Leoncavallo (1892).
Nog in het zelfde jaar van de Franse premiere beleeft 'Carmen' in de Duitse vertaling van Julius Hopp haar eerste voorstelling in Wenen. Hier wordt het werk zonder voorbehoud toegejuicht en daarmee begint Carmens zegetocht, die nooit meer zou stoppen. De neiging bestaat de internationale victorie, die bij Wenen begon, toe te schrijven aan het feit, dat de gesproken dialogen vervangen waren door gezongen recitatieven. Of dat zo is, is de vraag. In elk geval maakte de opera in die nieuwe vorm een andere indruk: de recitatieven klonken verhevener en deden zelfs denken aan de grote, historische opera's van weleer. Mogelijk maakte zich daardoor - mede door de tragische inhoud - een Opera seria-achtig gevoel van de toehoorders meester. In latere tijden ontstond er overigens weer een stroming, die de gesproken dialogen van de Opéra comique in ere wilde herstellen. Het aardige is, dat de twee complete opnamen met Rudolf Schock een mooie gelegenheid bieden beide 'Carmen'-versies te vergelijken: de opname onder Eugen Jochum uit 1954 met gesproken dialogen en de opname onder Horst Stein uit 1961 met gezongen recitatieven!

De componist van de gezongen recitatieven: Ernest Guiraud (1837-1892)

Ernest Guiraud was met Bizet bevriend en deed na diens dood, wat Bizet zélf waarschijnlijk al enige tijd van plan was. Dit mag worden aangenomen, omdat Bizet voortdurend aan zijn composities bleef schaven. De één noemt zoiets onzekerheid, de ander een sterke hang naar perfectie. Guiraud schreef voor de opera 'CARMEN' de te zingen recitatieven en hij deed dat vakkundig. Zelfs de voorstanders van de gesproken dialogen konden het later niet over hun hart verkrijgen van zijn sfeervolle recitatief bij Micaëla's aria (3e acte) weer een gesproken monoloogje te maken. Verder vulde Guiraud de tamelijk korte 4e en laatste acte aan met ballet op muziek van Bizet uit de 'L'Arlésienne'-suite' en de opera 'La jolie Fille de Perth'.

Guiraud is ook de bedenker van 'Bizet's AGNUS DEI'. De muziek daarvan was eigenlijk het begindeel van het intermezzo uit Bizet's 'L'Arlésienne' (1872). 'L'Arlésienne' diende als muzikale context voor het gelijknamige toneelstuk van Alphonse Daudet. Guiraud veranderde het arrangement en voegde een Latijnse tekst toe.
In dit verband wijs ik op nóg een prestatie van Ernest Guiraud. Hij instrumenteerde de opera 'Les Contes d'Hoffman' van Jacques Offenbach,
waardoor hij één van de geniaalste voortbrengselen van het muziektheater voor het operatoneel geschikt maakte.

Over de inhoud van 'Carmen'


(Engelse houtsnede : Sammlung E. Leonhardt,
Dortmund)


Henri Meilhac en Ludovic Halévy (niet te verwarren met de componist Jacques François Halévy) schreven het libretto op basis van een 'Carmen'-novelle van de Franse schrijver Prosper Mérimée (1803-1870). Het verhaal viel op door psychologische diepgang en een realisme, dat veel stof deed opwaaien. In de novelle komen de figuren van de toreador Escamillo en van Micaëla niet voor, in het tekstboek van Meilhac & Halévy wel.
Vier personen staan in de opera centraal: Carmen, Don José, Micaëla en Escamillo. Carmen, het meisje uit de sigarettenfabriek, kan gezien worden als een 'theaterzusje' van 'Lulu' (zie 'RS zingt Alban Berg'). Ze oefent een enorme aantrekkingskracht uit op mannen en zondigt (onbewust) tegen elke vorm van de heersende moraal. Alleen haar eigen logica telt en dat is die van de onvoorwaardelijke liefde, die echter per definitie geen logica verdraagt. Die liefde is vluchtig en gevaarlijk. Carmen staat tussen twee mannen in: de smartelijk verliefde en onbetekenende sergeant Don José en de zelfverzekerde en gevierde toréador Escamillo. Don José staat op zijn beurt tussen twee vrouwen in: Carmen en de dappere, ongecompliceerde Micaëla, het meisje van het platteland, zijn geboortestreek. In de laatste acte velt Escamillo in de arena de stier en doodt Don José in 'zijn' arena het 'beest' Carmen.

Carmen: een Spaanse opera?
















Sevilla, de plaats des onheils, ligt in Spanje en stierengevechten zijn vooral een Spaans verschijnsel, maar Bizet's muziek is amper 'Spaans' te noemen. Het is zo'n beetje Spaanse buitenkant. Carmens verleidelijke 'Habanera' doet met de klank van castagnetten weliswaar folkloristisch aan, maar is niet meer dan een geslaagde upgrading van een salonmelodietje van tijdgenoot Sebastian de Yradier, van wie overigens - zonder Bizet - 'La Paloma' ook een evergreen werd.

De stemtypen van Carmen, Don José, Micaëla en Escamillo
De Nederlandse operakenner Leo Riemens heeft het allemaal uitgezocht: Bizet schreef de Carmen-rol voor een hoge mezzo-sopraan, de Don José-rol voor een 'typische demi-caractère tenor', de Escamillo-partij voor een 'basse-chantante' en de rol van Micaëla voor een lyrische sopraan. In de praktijk is Carmen ook door echte alten en echte sopranen gezongen, Escamillo ook door heldenbaritons en Don José door heldentenoren. Voor Carmen geldt, dat de zangeres zowel royale hoogte als diepte in haar stem moet hebben. De 'demi-caractère tenor', die Don José zingt, moet het 'accent van de heldentenor en de lyriek van een lichte tenor'(Riemens) kunnen combineren. Rudolf Schock legt in zijn biografie uit, dat hij de Don José-rol altijd graag heeft gezongen én gespeeld. Als toneelspeler voelde hij zich uitgedaagd, maar ook als zanger, want: '....deze rol vraagt eigenlijk om twee tenoren: een lyrische in het begin, een 'heldische' in de finale'. Rodney Milnes ('Opera on Record', Harper Colophon Books 1982) noemt als één van de kenmerken van de Bloemenaria 'de pianissimo bes' aan het eind van de voorlaatste zangregel: 'Et j' étais une chose à toi!' (Duits: 'Und ewig gehör' ich Dir an!'). Milnes is van mening, dat die regel teder gebracht moet worden en niet als 'furieuze beschuldiging', maar voegt daaraan toe, dat hij als muziekcriticus dan gauw uitgepraat zou zijn, omdat er maar weinig Don José-tenoren voor zo'n aanpak te porren en/of daartoe in staat waren. Hij troost zich met de gedachte, dat er voor de aria veel meer muzikaliteit komt kijken dan dit ene moment alleen.

Rudolf Schock als Don José live




















Rudolf Schock treedt als Don José tussen mei 1948 en mei 1968 veelvuldig op. Bij herhaling zingt en speelt hij de rol in de Weense Staatsopera (1952-1957) en in de Hamburgse Staatsopera(1948/1958). Verder is hij in de rol te zien in een groot aantal andere Duitse steden en in Oostenrijk en België. Dirigenten zijn o.a. Franz Konwitschny, Heinrich Hollreiser en Wolfgang Sawallisch; Carmens: Martha Mödl, Georgine von Milinkovic, Jean Madeira, Christa Ludwig, Kerstin Meyer en Grace Bumbry.

Foto RELIEF CR 1908















Een criticus merkt naar aanleiding van de Weense Carmen-premiere van november 1956 het volgende op: Jean Madeira is te veel 'made in Hollywood', de Escamillo-rol een mislukking, maar Rudolf Schock overtuigt 'in deze moeilijke tenorpartij': Hij is 'bijzonder goed in de lyrische gedeelten', brengt muzikale nuances intelligent tot uitdrukking en onderstreept dit alles nog eens door een 'natuurlijke roluitbeelding'. Het valt op, dat in deze uitvoering enkele kleinere rollen ('op uitstekende wijze') door vocale beroemdheden gezongen worden: Wilma Lipp zingt Frasquita, Erich Kunz en Peter Klein resp. de smokkelaars Dancairo en Remendado.

Op 21 december 1958 gaat in Hamburg een bijzondere 'Carmen' met Rudolf Schock in premiere, waarvan het bijzondere vooral zit in het feit, dat Wieland Wagner, kleinzoon van Richard Wagner, de voorstelling regisseert.

Wieland Wagner en Rudolf Schock
De Zweedse zangeres Kerstin Meyer zingt Carmen, Rudolf Schock Don José, Melitta Muszely Micaëla en de Amerikaanse zanger Richard Collett Escamillo. In de bijrollen bekende namen als: Gerhard Stolze, Kurt Marschner, Toni Blankenheim en Erna Maria Duske. Dirigent ist Wolfgang Sawallisch.

(Foto Peyer: K. Meyer/R. Schock)


Het Hamburger Abendblatt interviewt Wagner en bespreekt de premiere. Vooraf benadrukt de krant, dat een 'heidense Carmen ons wacht', dat Wieland Wagner niet bang is met het verleden te breken, dat Spanje en balletten geschrapt zijn en het decor abstracter en toch veelzeggender zal zijn. Uit de bespreking ná de premiere blijkt, dat Wieland Wagner gekozen heeft voor de oudste Carmen-versie met de gesproken dialogen. De criticus oordeelt, dat het werk met succes is opgepoetst, maar in Wagners regieopvatting toch wel een tamelijk 'verduitste' indruk maakt. Van de dirigent worden goede dingen gezegd, maar dat hij de flexibiliteit voor Bizet wel wat mist. Kerstin Meyer ('een prestatie van formaat!'), Rudolf Schock ('succes met de bloemenaria' en 'indrukwekkend in de finale') en Melitta Muszely ('niet sentimenteel') krijgen goede kritieken. Het artikel eindigt met de vaststelling, dat de nieuwe aanpak van de regie, de prestaties van de zangers, het effect van de toneelbeelden en niet in de laatste plaats Bizets muziek tot ovaties van het publiek leidde.

(Foto Peyer: v.l.n.r. Wagner/Muszely/Schock)

Wieland Wagner (1917-1966) had in de jaren voorafgaand aan de Hamburgse Carmen-regie veel opzien gebaard met zijn radicaal vernieuwde ensceneringen van de opera's van zijn grootvader ('Neubayreuth'): Grootse lichteffecten namen de plaats in van geschilderde decors, abstractie verdrong concreetheid en vorm stond alleen nog maar in dienst van inhoud. In de tweede helft van de jaren vijftig waagt Wieland Wagner zich aan opera's van Christoff Willibald von Gluck, Ludwig van Beethoven en (dus) Georges Bizet.
Na afloop van de Carmen-premiere in Hamburg biedt Wieland Wagner Rudolf Schock de rol van Walther von Stolzing aan in de 'Meistersinger von Nürnberg' van Richard Wagner.
Schock gaat - na enige aarzeling, waarop ik in de toekomst hoop terug te komen - accoord: in de zomer van 1959 zal hij als Walther von Stolzing in (Neu-)Bayreuth optreden.

Carmen-opnamen met Rudolf Schock
  • 13-10-1946 (LIVE): Bloemenaria, opgenomen in Berlijn. Dirigent Felix Lederer (Sonia CD 74503, Laserlight Classics 14765, Relief CD 1909)
Dit is één van Schock's vroegste opnamen. De aria wordt gezongen in de radio-studio van de Berlijnse omroep samen met (o.a.?) fragmenten uit Puccini's 'La Bohème' en komt in verschillende compilaties op CD voor. Ik noem er hierboven drie, waarvan de opname op Relief één van de extraatjes is bij Auber's 'Fra Diavolo' met Schock.
In zijn biografie schrijft Rudolf Schock, dat hij tijdens de opname 'fantastisch bij stem' was en dat is voor 100% waar. Bovendien demonstreert Schock, dat hij in 1946 de interpretatie van de aria al volledig beheerst. Opvallend is de zelfbewustheid van de jonge zanger (31 jaar), waarmee hij Carmen zijn emotionele relaas doet. Alles klopt aan deze (wat ik vind: historische) uitvoering, alleen de 'bes' aan het eind van de voorlaatste regel is niet 'pianissimo'. Maar Schock's 'Sturm und Drang' van dat moment doet de luisteraar letterlijk naar adem happen.
  • 23-6-1947 (EMI-PROEFOPNAME): Bloemenaria, begeleid door Adolf Stauch aan de piano (Relief CR 3001)
Deze opname is op een andere manier historisch. Met deze opname zong Rudolf Schock zich - onwetend - in de huiskamers en harten van een millioenenpubliek. Platenfirma Electrola (nu Emi) maakte een proefopname (had men Schock's radio-uitvoering van de bloemenaria uit 1946 niet gehoord??) om te testen of Schock's stem geschikt zou zijn voor de grammofoonplaat. En dat was zo. De testpersing (78-toeren schellakplaat) kreeg Schock als souvenir cadeau. Jaren later na een inbraak in zijn Berlijnse woning werd de oude plaat in stukken teruggevonden. Gelukkig had Schock een bandopname van het document gemaakt, waarbij hij een toelichting insprak. Bloemenaria en toelichting zijn allebei te vinden op de indrukwekkende dubbel-CD, die Relief in 2005 van Schock uitbracht. Het is in historisch perspectief gerechtigheid, dat Adolf Stauch (1903-1981), die Rudolf Schock vanaf 1937 tientallen jaren als dirigent, pianist en goede vriend van het gezin vergezelde, 'zijn' zanger aan de piano begeleidt. Schock zingt de aria voortreffelijk, maar men meent toch een andere spanning te voelen dan die van de radio-opname van 1946. Het eerste deel van de aria klinkt bevangen. In het tweede gedeelte wordt die bevangenheid relatief overgecompenseerd. Daardoor lijkt Schock's vertelling niet helemaal in balans. Maar dat is natuurlijk niet verwonderlijk: Examen doen is en blijft een zenuwslopende ervaring!
  • september/oktober 1951: Studio-opname voor RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) Berlijn. Fragmenten uit 'Carmen' met Margarete Klose (Carmen), Rudolf Schock (Don José), Elfriede Trötschel (Micaëla), Maria Reith (Frasquita), Pia Coursavé (Mercédès) en dirigent FERENC FRICSAY (Audite 95.497)




















De grote verrassing van 2007! Een opname, die zelfs in de zorgvuldig samengestelde discografie van Rudolf Schock ongenoemd blijft. Net zo wondermooi als de wél genoemde complete 'Rigoletto' van Verdi - ook onder Fricsay - met Streich, Schock en Metternich. De geluidsopnamen zijn superieur: Door de verbluffende transparantie zou men bijna vergeten, dat het hier om mono-opnamen van een kleine 60 jaar geleden gaat!




















De Hongaars-Oostenrijkse dirigent Ferenc Fricsay (1914-1963) bereikt met het RIAS-Symphonie-Orkest een Carmen-samenvatting (zonder Escamillo), die het werk anders doet klinken dan gebruikelijk. In het CD-booklet van Audite (tekst van Habakuk Traber) worden die verschillen gedetailleerd uitgewerkt: Bij Fricsay staan de dramatische momenten van de muziek in fel contrast tot elkaar: het ene moment kleurt hij genuanceerd in, maar tegelijk afstandelijk, het andere verhevigt hij juist door provocerende vertraging. Dit laatste gebeurt bijvoorbeeld in de Bloemenaria: stem en orkest houden er tussen 'Dein ist mein Herz' en 'Und ewig gehör' ich Dir an!' gewoon mee op. Heel even is er volkomen stilte en dan barst - nog explosiever dan onder Felix Lederer in 1946 - de 'Sturm und Drang' van Don José los, die 'de adem van de luisteraar in de keel doet stokken'(Benjamin Künzel: Magazin-Klassik.com) en in ademloze toestand ondergaat die arme luisteraar vervolgens Don José's gloeiend gezongen woorden: 'Carmen, ich liebe dich', waarbij de 'ie' van 'liebe' eindeloos lijkt te worden aangehouden.
Fricsay dirigeert de Bizet/Guiraud versie. Dat betekent, dat er enkele gezongen recitatieven te horen zijn en dat de complete balletmuziek wordt uitgevoerd, waarmee Guiraud de vierde acte aanvulde. 

Margarete Klose (1902-1968) is op zich niet de ideale Carmen, maar de rol behoorde wel tot haar vocale bagage. In 1948 zong zij de rol in een radio-uitvoering onder Hans Schmidt-Isserstedt (met Schock als Don José) en in 1953 was zij in Wenen als Carmen op het toneel te zien en te horen. Fricsay moet Margarete Klose bewust voor de Carmen-rol hebben uitgekozen: haar dramatisch donkere timbre levert een mooi contrast op met de heldere sopraan van Elfriede Trötschel als Micaëla. Klose's Habanera is geen wonder van verleidelijkheid, maar in de bloedstollende kaartenscene uit het 3e bedrijf is de grote Wagner-zangeres van een enorme allure. Zij haalt daar het niveau van de grandioze Christa Ludwig in de Horst Stein-opname uit 1961. Ook in het slotduet (of moet ik zeggen: slotduel?) met Rudolf Schock overtuigt ze. Ik vind dan ook, dat Klose in de vele, weliswaar lovende, kritieken op deze 70 minuten durende 'Carmen', te vaak als 'Teutoons' en 'Wagneriaans' wordt weggezet. Wat dat 'Wagneriaanse' betreft, is zij overigens wel in goed gezelschap: Bizet kreeg immers ooit hetzelfde verwijt naar zijn hoofd.

Elfriede Trötschel (1913-1958) is een aangenaam meisjesachtige Micaëla. Ze waagt zich als Alice in een (bedreigend) wonderland. Het duet met Don José is door Fricsay gecomprimeerd, wat aan de schoonheid ervan niets afdoet.


Rudolf Schock is zeer, werkelijk zeer goed. Habakuk Traber in het CD-booklet van Audite: 'de juist 36 jaar geworden Rudolf Schock bevond zich op het absolute hoogtepunt van zijn vocale ontwikkeling'. Hij is een tegelijk krachtige en gevoelige Don José, 'lovely rendering in the Flower Aria' (Gary Lemco). Ekkehard Pluta (Fonoforum 2008) vraagt zich af, waar vandaag de dag nog zo'n 'declamatorisch heldere en intieme zang' als die van Schock te horen is. Göran Forsling (Music Web-International) : '...he has his phrases lovingly....deeply involved in the second act confrontation with Carmen....powerly climaxes in the Flower Song and he ends it softly!(Forsling doelt op de regel 'Carmen, ich liebe dich', waarvan de tederheid volgens hem Bizet's pianissimo-bedoelingen aan het slot van de aria grotendeels lijkt te benaderen)...moving in the final scene'. Benjamin Künzel (Magazin-Klassik.com) tenslotte: 'Schock klinkt stralend en met benijdenswaardige articulatie'.
  • febr. 1952/apr. 1954/oktober 1956/mei 1958: studio-opnamen  (Losse fragmenten, die aan het eind van de jaren vijftig samengevoegd werden tot een 54 minuten durende 'Opernquerschnitt' van 'Carmen') met Sieglinde Wagner (Carmen), Rudolf Schock (Don José), Anny Schlemm (Micaëla), Josef Metternich (Escamillo), Lisa Otto (Frasquita), Rosl Schaffrian (Mercédès) en de dirigenten ARTUR ROTHER en WILHELM SCHÜCHTER (Emi-Classics 7243 8 26434 2 5)






















Deze Carmen-selectie bestond eind jaren 50 op LP en kwam in 2000 uit op CD.
In 1952 is Artur Rother (1885-1972) de dirigent van Rudolf Schock's Bloemenaria en van de (complete) versie van het duet Don José-Micaëla met Schlemm en Schock.

Wilhelm Schüchter (1911-1974) is in de jaren vijftig en zestig in radio-uitzendingen en Fritz Ganss-producties (Electrola en Eurodisc) actief als dirigent van een groot aantal opera-en operette-opnamen met Rudolf Schock.
Hij neemt op deze CD de opnamen uit 1954 (met de zangers), 1956 (de vier voorspelen van de vier bedrijven) en 1958 (Micaëla's aria) voor zijn rekening.








De warme altstem van Sieglinde Wagner (1921-2003) is een weldaad voor het oor, maar zij profileert de zigeunerin Carmen in de Habanera en het kaartentrio nauwelijks. In het slotduet met de weer ideale Don José van Schock doet zij dat opeens wel! Waarschijnlijk is het een gedeelte van deze opname van het duet, dat een dramatische functie vervult in Schock's 'Italiaanse' film 'Die Stimme der Sehnsucht' uit 1956.

Schock's aria 'Hier an dem Herzen treu geborgen' ontvouwt zich aanvankelijk als een prachtige bloem: prominent voor de opname-microfoon. Geleidelijk echter, als de emotie zich meester van hem maakt, verruimen de opname-technici de afstand tussen stem en microfoon, waardoor de hartstochtelijke opbouw naar de begeerde 'bes' (die onberispelijk klinkt) wordt afgezwakt. Schock kan daar niets aan doen, maar tot de stokkende adem van 1946 en 1951 aan het eind van de aria komt het - bij mij - net niet.




Josef Metternich (1915-2005) zingt in een door Schüchter enerverend gedirigeerde Toréador-scene met het nodige vocale vuurwerk een macho-Escamillo.
Treffend is het verschil met zijn collega 'basse-chantante' Hermann Prey in 1961.














Anny Schlemm (1929) als Micaëla klinkt (1958) in haar grote aria en recitatief krachtig, maar maakt een verre van angstige indruk. Het vocale contrast met Sieglinde Wagner valt minder gelukkig uit.
In haar duet met Schock zingt Schlemm warmer en je merkt hieraan, dat zij op dat ogenblik (1952) zes jaar jonger is.

  • oktober 1954: complete radio-opname van de Bayrischer Rundfunk München met Georgine von Milinkovic (Carmen), Rudolf Schock (Don José), Elisabeth Grümmer (Micaëla), James Pease (Escamillo), Hanna Scholl (Frasquita), Ina Gerheim (Mercédès), Max Proebstl (Zuniga), Karl Hoppe (Moralès), Heinz Maria Linz (Dancairo), Karl Ostertag (Remendado) en dir. EUGEN JOCHUM (Relief CR 1908 en - met weinig informatie - op Walhall.
RELIEF CR 1908






















Dit is Bizet's oorspronkelijke Opéra Comique-versie, dus zonder Guiraud's latere ingrepen (op het recitatief van Micaëla in de 3e acte na).
De perfecte mono-opname is pas vanaf het begin van de 21e eeuw op de markt en heeft (nog?) niet de status van 'historic performance'. Maar zij verdient die wel. We horen hier de gesproken dialogen 'in de geest van Bizet's oorspronkelijke opzet' (John Leeman van Musicweb-International). Zij worden - en dat was in 1954 nog een zeldzaamheid - gesproken door de zangers zelf en die doen dat heel goed (Schock!).



EUGEN JOCHUM (1902-1987) dirigeert het symphonieorkest van de Beierse radio-omroep München, dat hij zelf - samen met de Nederlandse dirigent Bernard Haitink - in 1949 had opgericht. Later zou hij nog vaak in Nederland te horen zijn als dirigent van het Concertgebouworkest. De steden, van waaruit hij zijn faam als dirigent van vooral Bruckner, Wagner, Mozart, maar ook van moderne componisten als Blacher, Egk, von Einem en Hartmann vestigde, waren met name München, Amsterdam en Berlijn. Zijn imago als groot dirigent werd echter wel eens benadeeld door het beeld, dat hij weliswaar een solide, muzikale vakman was, maar op het punt van dynamiek te kort zou komen. Het dirigeergeweld van bijv. een Von Karajan sprak heftiger tot de verbeelding. Alleen al uit de manier, waarop portretfoto's van beide dirigenten gemaakt zijn, blijkt het verschil. In deze Carmen-opname is van gebrek aan dynamiek echter niets te merken. De opera klinkt wervelend. Bijvoorbeeld het zigeunerlied aan het begin van de 2e acte voltrekt zich in een opzwepend tempo (heftiger nog dan bij Horst Stein in 1961 en dat wil wat zeggen!) en de finale is met Carmen, Don José én de dirigent een tikkende tijdbom! Ik citeer opnieuw John Leeman: 'It sizzle's!....crisply rhythmic in the dance-related music.....beauty in the playing....Carmen-connesseurs may wish to have it!'
Foto RELIEF CR 1908






















Georgine von Milinkovic (1913-1986) is een door de wol geverfde Carmen. Alleen al in de staatsopera van Wenen zong zij tussen 1948 en 1954 de rol 36 maal (in 1952 met Rudolf Schock).
Haar vocale scala is enorm en haar emoties zijn direct en eerlijk!

Elisabeth Grümmer (1911-1986) behoeft nauwelijks introductie: Haar zilveren, edele sopraan is - zoals te verwachten viel - vocaal superieur, maar toch blijft op bepaalde ogenblikken haar 'Micaëla van het platteland' mij te afstandelijk. De voordracht is dan meer die van de concertzaal dan van het operatoneel.
Natuurlijk was Elisabeth Grümmer een begenadigd opera-zangeres (Meistersinger, Freischütz en Mozart!), maar voor de figuur van Micaëla mist zij m.i. de jeugdige onbevangenheid.

Opnieuw is Rudolf Schock in ieder opzicht subliem. Ik licht er twee fragmenten uit: In de finale van het voorlaatste bedrijf zijn hij én Grümmer (ja, zij ook!) weergaloos en in de bloemenaria ontvouwt Schock verrassenderwijs nu precies, wat Bizet gewild moet hebben: de aanloop náar en verwezenlijking ván de pianissimo bes in 'Und ewig gehör ich dir an!'. Nu hoor ik sommige lezers zeggen: 'Ja, dat doet hij in 'falset', wat ik dan vooral moet duiden als een dekwalificatie. Daar kan het volgende tegenin gebracht worden: Het is zeker zo, dat Schock behalve van een heel mooi 'mezza voce' (halve borststem), die hem in de buurt van Benjamino Gigli brengt (Vgl. hun versies van het lied 'Caro mio ben' en Schocks tenoraandeel in het grote duet uit Mascagni's opera 'L'Amico Fritz'), regelmatig gebruik maakt van 'falseteffecten' (kop- en niet borststem) . Maar het falset-zingen hoorde altijd al - dus ook op het toppunt van zijn vocale kwaliteiten - tot zijn middelen van expressie. Leo Riemens prees Schock ooit om zijn slotnoot in 'Celeste Aida', de bekende Radames-aria uit Verdi's opera. Ook die moest van Verdi pianissimo. Schock zong de noot in falset en daarmee in één en de zelfde adem pianissimo en de kritische Riemens kwam woorden te kort om 'de gewetensvolle zanger' daarmee te complimenteren. Enrico Caruso deed overigens in 1904 het zelfde: in dat jaar nam hij 'Celeste Aida' op met de slotnoot in falset. Ank Reinders, de bekende Nederlandse zangpedagoge, wijst in een studie op het veelvuldig gebruik van falset als erkend zangersinstrument en constateert, dat in de loop van de tweede helft van de twintigste eeuw de 'falset-stem' op zijn retour is geraakt. Maar is dat eigenlijk wel zo? We beleven dan juist de spectaculaire opkomst van de counter-tenoren, voor wie het 'falset-zingen' corebusiness is.

James Pease
(Foto RELIEF CR 1908)





Tenslotte de Escamillo van de opname, waarin de Amerikaanse bariton James Pease (1916-1967) te horen is (Meer informatie over Pease leest u in het hoofdstuk 'RS zingt Daniël Auber'). De Escamillo van James Pease houdt zo'n beetje het midden tussen de krachtpatser van Josef Metternich (1954) en de elegante gentleman van Hermann Prey (1961). Pease zingt goed, maar zijn karakterisering van de stierenvechter blijft wat achter bij die van Metternich en Prey.

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  • september 1961: complete studio-opname van EMI met Christa Ludwig (Carmen), Rudolf Schock (Don José), Melitta Muszely (Micaëla), Hermann Prey (Escamillo), Ursula Schirrmacher (Frasquita), Ursula Gust (Mercédès), Iwan Rebroff (Zuniga), Georg Völker (Moralès), Leopold Clam (Dancairo), Karl-Ernst Mercker (Remendado) en dir. HORST STEIN (Emi Classics CMS 25 2903 2)





















Dit is de versie van Ernest Guiraud mét de gezongen recitatieven. Maar Schock's vaste producent Fritz Ganss liet de balletten weg, zodat we voor de muziek daarvan terug moeten grijpen op de Fricsay-opname. De opname is in full stereo en als zodanig een klankbelevenis, wat mij de gelegenheid geeft met waardering de naam van sound-engineer Horst Lindner te noemen, die door de decennia heen vele opnamen van Rudolf Schock t/m Herbert von Karajan geluidstechnisch op voortreffelijke wijze begeleidde en realiseerde.

De opname is vanaf haar verschijning nu bijna een halve eeuw geleden altijd in de EMI-Catalogus gebleven. In 2009 verdween zij even, maar vanaf maart 2013 is zij weer terug in de serie 'EMI-Collection'.
Christa Ludwig wees daar een tijdje geleden op in een interview: 'deze Duitstalige 'Carmen' weet zich al heel lang tussen de Franse 'Carmens' te handhaven en dat komt, omdat er wereldwijd steeds weer vraag naar is'. Toch - ik berichtte dit al eerder - werd ik in Rotterdam uitgelachen, toen ik in de loop van de jaren zestig naar het bestaan van de opname informeerde bij het personeel van een gerenommeerde platenzaak. Nadat men uitgelachen was, zei men mij streng, dat een plaat met Christa Ludwig als Carmen, Hermann Prey als Escamillo en Rudolf Schock als Don José niet kon bestaan. Weer wat later las ik in muziektijdschrift 'Luister', dat het slotduet met Ludwig en Schock op een Emi-LP met beroemde operaduetten voorkwam. Criticus Klaas A. Postuma toonde zich zielsblij met deze 'zeldzame' opname, schreef dat zowel Ludwig als Schock 'groots' waren en dat hij hoopte, dat de complete opname nu spoedig ook in Nederland te koop zou zijn. In Duitsland kwamen daarna nog twee LP-herpersingen uit en in 1991 de CD-cassette.

HORST STEIN (1928-2008) wordt al op 23-jarige leeftijd (1951) tot muzikaal leider van de Hamburgse Staatsopera benoemd. Een jaar later assisteert hij beroemde dirigenten zoals Clemens Krauss, Josef Keilberth, Hans Knappertsbusch en Herbert von Karajan in Bayreuth. Wieland Wagner's broer Wolfgang is onder de indruk van Horst Stein en stelt hem in staat een groot aantal Wagner-opera's in Bayreuth te dirigeren. Daarna is hij als dirigent over de hele wereld actief. Horst Stein was (hij overleed in 2008) geen showdirigent. Muziekcriticus Peter T. Körner noemt in Fonoforum Stein 'een opvoeder van orkesten, die zijn beroep op betrouwbare wijze beheerst en uitoefent, zorgvuldig met de notentekst omgaat, stijlzeker is en geen boodschap heeft aan buitensporigheden' Dit zijn 'de klassieke deugden' van de 'onopvallend-soevereine Kapellmeister, een type dirigent, dat steeds zeldzamer is geworden'.
























Ik vermoed, dat Ferenc Fricsay dolgelukkig zou zijn geweest, als hij de vier solisten, die onder Stein de hoofdrollen zingen, voor een complete Carmen-uitvoering had kunnen strikken. De contrasten tussen hen zijn enorm. Maar laat ik allereerst vaststellen, dat Rudolf Schock in 1961 niet meer volledig over de vocale mogelijkheden van de jaren vijftig beschikt. De stemvoering is niet meer zo soepel als bv. onder Jochum en voor de topnoten moet hij kracht ontwikkelen. Het gevolg is echter, dat hij nu als een wat oudere, levenservaren sergeant aandoet, die niet meer helemaal met de (vocale) 'Sturm und Drang' van vroeger, maar met de lyriek van de weemoed bij de toehoorder gevoelens van diepe sympathie oproept (bv. in de haast plechtige Bloemenaria en het nostalgische duet met Micaëla). Hij past perfect bij Micaëla, die door Melitta Muszely (1927) ingetogen en hartveroverend wordt gezongen. Haar stem ademt intens verlangen naar een veiliger wereld, die voor Don José verloren dreigt te gaan. Hij onderwerpt zich willens en wetens aan Carmen ('die Hexe!') en haar metgezellen, die hem van zijn mannelijke discipline en van zijn poetische naïviteit beroven. Rudolf Schock imponeert als deze andere Don José even zeer als in zijn vroegere, Don José-vertolkingen. Carmen speelt met een machteloze Don José, die kansloos zijn liefde betuigt. Nog in het begin van de finale smeekt hij Carmen van hem te houden (Schock is in zijn zang aandringend lyrisch), aan het eind slingert hij woede en wanhoop in haar gezicht (Schock is in zijn 'zang' veristisch), waarna hij haar buiten zinnen doodt. Tegenover de Don José van Schock staat een fel contrasterende Escamillo van Hermann Prey (1929-1998): Don José is een naïeve dorpeling. Escamillo komt uit de grote stad. Hij is elegant, zoetgevooisd en immens populair. Het lied van de Toréador klinkt ten dele zelfs 'piano'. Zijn duetje met Ludwig is zwijmelende zang.

En dan Christa Ludwig (1928). In 1956 zingt zij voor het eerst de Carmenrol op het toneel van de Weense Staatsopera. Zij blijft de rol doorspelen tot in de jaren 70 (januari 1957 met Schock). Een criticus is in 1956 van haar Carmen zeer gecharmeerd, al vindt hij wel, dat ze de rol wat te calculerend en intellectualistisch benadert. 'Haar tekstbehandeling is uitstekend, maar met haar (toegevoegde) topnoten zou zij iets zuiniger moeten omgaan, te meer omdat die wat vlak klinken'. Over het geheel genomen is zij voor hem echter 'volstrekt geloofwaardig'.
In de plaatopname van 1961 balanceert Christa Ludwig precies op het evenwicht tussen hoofd en hart. Ze IS Carmen en etaleert een volmaakte zangtechniek. Elk woordje, ja zelfs elke lettergreep is verstaanbaar en ze doet er vocaal en qua expressie alles mee wat ze wil. Christa Ludwig is zo'n zangeres, waarvan er in een eeuw maar een paar voorkomen. Het luisteren naar haar doet je van de ene bewonderende verbazing in de andere vallen.
Ook de zangers van de kleinere rollen zijn in grote vorm. Iwan Rebroff (1931-2008) is een aangename verrassing. Hij roept met het grootste gemak de gulle militair Zuniga op, kruidt zijn stem met humor en charme: ik beschouw deze kleine operarol als een eerbewijs aan de artiest Iwan Rebroff, die ergens in de jaren zestig in Parijs via een hotelradio indruk op mij maakte als Tevje in de musical 'Fiddler on the Roof (Anatevka)'. Multi-talenten Ursula Schirrmacher (1925) en Karl-Ernst Mercker (1933), aan wie ik onder 'RS zingt Adolphe Adam' al lovende woorden heb gewijd, zijn weer een klasse apart. De onheilspellende manier, waarop Ursula Schirrmacher Carmen tweemaal waarschuwt voor Don José ('O, hüte dich!') jaagt telkens weer de rillingen over mijn rug.

Een laatste compliment bewaar ik voor de Schöneberger Sängerknaben uit 1961. Het koortje straatjongens aan het begin van het eerste bedrijf, dat de soldaten imiteert, is een attractie op zich! Het zingt er vrolijk en levensecht op los en dat hoort m.i. ook zo ('Verismo' nietwaar?).
  • oktober 1968: TWEE studio-opnamen van de Bloemenaria uit 'Carmen' met dirigent Wilhelm Schüchter (Eurodisc 78571 IU en 79785 KR)


 




















In 1968 zong Rudolf Schock de (gast)rol van Don José nog in Antwerpen (op 26 maart) en in Graz (op 23 mei). In de herfst van dat zelfde jaar nam hij voor de laatste keer 'Hier an dem Herzen treu geborgen' op én voor de eerste keer 'La fleur, que tu m'avais jetée'. De Duitse versie verscheen op de lp 'Rudolf Schock singt Arien aus französischen Opern'
(Bizet, J.Halévy, Thomas, Massenet, Maillart e.a.) en de Franse op 'Erinnerungen an Benjamino Gigli' (Bizet, Massenet, Puccini, Ponchielli, Ciléa, Verdi e.a.). Beide opnamen zijn waardige herinneringen aan Rudolf Schock's glansrol als Don José.


Bizets eerdere opera uit 1863: 'Les Pêcheurs de Perles'
De exotische 'Parelvissers' zijn altijd in de schaduw gebleven van 'Carmen'. Het werk, dat zich op het eiland Ceylon afspeelt, werd het meest in Italië gewaardeerd en uitgevoerd. Pas in 1930 kreeg het vriendschapsduet Nadir-Zurga uit het eerste bedrijf ('Au fond du temple saint') een soort 'operaschlager'-status. De tenor-romance 'Je crois entendre encore', waarin Nadir nadenkt over de eed van vriendschap met Zurga, die hij voor een door hem (én Zurga!) beminde vrouw verbroken heeft, is eveneens bekend gebleven.
  • december 1957: studio-opname van het vriendschaps-duet Nadir-Zurga 'Au fond du temple saint (Der Tempel Brahmas strahlt') uit 'Les Pêcheurs de Perles' met Rudolf Schock (Nadir), Josef Metternich (Zurga) en dir. Wilhelm Schüchter (Emi-CD: CDM 7 69474 2, Membran-CDbox 232541 en op internet
Foto RELIEF CR 3001























Rudolf Schock en Josef Metternich: op het toneel, maar vooral in de opnamestudio speelden/zongen zij vaak elkaars vijand, privé waren zij zeer goede vrienden. Samen waren zij te zien en/of te horen in Fidelio, Hoffmanns Vertellingen, Rigoletto, Don Carlos, La Forza del Destino, La Traviata, Il Trovatore, Aida, Othello, I Pagliacci, Cavalleria Rusticana, Lohengrin, Das Rheingold, Lucia di Lammermoor, Tosca, Carmen én in de Parelvissers.
Het duet uit de Parelvissers van 1 december 1957 krijgt in deze opname Verdi-achtige dimensies. Schüchter, Schock en Metternich mijden verder alle sentimentaliteit. De eed van blijvende vriendschap in voor- en tegenspoed tussen Zurga en Nadir wordt hartstochtelijk herbevestigd. Zelfvertrouwen en optimisme bepalen hun verder levens. In die geest wordt er gedirigeerd en gezongen: het tempo is stevig, de expressie is drastisch en de luisteraar wordt meegesleept.
Waarschijnlijk is dit één van de allereerste stereo-opnamen van Schock en Metternich: Aanvankelijk was er een Electrola-45-toeren-plaatje (mono) met op de achterkant een duet uit Othello en dan een Electrola-25cm-LP (mono), waarop de zangers onder Schüchter duetten van Verdi en ook het Parelvissers-duet zingen.



















In de loop van de zeventig jaren bracht Emi (137 EX 7 49449 1) een 3LP-box uit met als titel 'Grosse Operngala' waarop het duet in stereo te horen is. In 1988 verschenen de stereo-Parelvissers op CD ('Rudolf Schock-Opernarien') met één verschil: het eerste deel van het recitatief ontbreekt en dat scheelt meer dan twee minuten. In 2008 bracht Membran Music Ltd een Rudolf Schock-10CD-box uit, waarin die zelfde (gecoupeerde) versie voorkomt.
  • maart 1957 en oktober 1968: 2 studio-opnamen van de aria van Nadir 'Je croix entendre encore (Hör ich die Stimme im Traum') uit 'Les Pêcheurs de Perles' met Rudolf Schock (Nadir) en dir. Wilhelm Schüchter (opname uit 1957 op CD: Emi CZS 7 67183 2/opname uit 1968 op Eurodisc LP: 79 785 KR)
Schock zingt 1957 het recitatief van de aria, dat teruggrijpt op de herinnering aan de vriendschaps-eed en het door Nadir verbreken daarvan, met zorgvuldige aandacht voor tekstuele en muzikale details. Daarna volgt de lyrische romance, die Schock smeltend zingt. Hij maakt daarbij een kundig gebruik van de kopstem.

In 1968 (nu stereo) is duidelijk hoorbaar, dat Schock's lyriek niet meer zo ongehinderd stroomt als elf jaar daarvoor. Toch blijft zijn 'vertelling' respect afdwingen. Persoonlijk vind ik wel, dat Wilhelm Schüchter's lezing dit keer aan de snelle kant is.
  • januari 1963: LIVE opgenomen in München de aria 'Hör ich die Stimme im Traum' uit 'Les Pêcheurs de Perles' met Rudolf Schock (Nadir) en dirigent Horst Stein (radio-opname van 1996 t.g.v. de tiende sterfdag van Rudolf Schock. In 2008 werd het gehele concert door de Beierse omroep herhaald)
Horst Stein en Rudolf Schock nemen meer tijd voor de aria dan Wilhem Schüchter in 1957. Ten opzichte van 1968 is het verschil zelfs 40 seconden. Rudolf Schock krijgt de gelegenheid voor een meer dromerige benadering dan in de twee studio-versies. Hij zet zijn 'halve stem (mezza voce') in en bewaart de 'kopstem' voor het slot van de aria. Van de drie versies lijkt mij deze contemplatieve vertolking, zowel wat de orkestdirectie als de zang betreft, het best te passen bij de sfeer van deze opera.

Het 'AGNUS DEI' van Bizet/Guiraud
  • 1955, 1973, 1986: 2 studio-opnamen en één LIVE-opname van het 'AGNUS DEI' van Bizet/Guiraud



















'Wat een stem!', riep de vader van een vriend eens uit, toen hij bij toeval Schock's 'heldische' 'Agnus Dei' hoorde. Inderdaad is de mono-opname uit 1955 met het Bielefelder Kinderchor en de NWD-Philharmonie onder Wilhelm Schüchter overdonderend te noemen (Emi CDZ 7 62696 2, CD onder de titel 'Ave Maria' met verschillende solisten in kerkelijk gekleurde opnamen).

De stereo-versie uit 1973 onder Fried Walter met het Tölzer Knabenchor o.l.v. Gerhard Schmidt-Gaden is op een andere manier indrukwekkend. Het koor (zie ook deel 2 van 'RS zingt Beethoven') en de solist zijn mooi met elkaar in balans en de uitvoering beantwoordt waarschijnlijk geheel en al aan de religieuze intentie van Ernest Guiraud (Eurodisc-LP 86863 KK).

De derde versie staat op een bandje, dat een fan maakte van Rudolf Schock's allerlaatste concert. Dit concert met koor en orkest vond plaats te Düren op 9 november 1986, drie dagen voor Schock's overlijden. Het opende met het 'Agnus Dei' van Bizet/Guiraud en Rudolf Schock zong - zoals altijd - met hart en ziel. De opname is aangrijpend en beschouw ik - met dank aan de mij onbekende maker - als een kostbaar document.

Krijn de Lege, april 2009