22.06.09

RUDOLF SCHOCK SINGT SIR ARTHUR BLISS

Sir Arthur Bliss





Rudolf Schock singt
Sir Arthur Bliss


Mit Elisabeth Schwarzkopf, Victoria de los Angeles und Joan Hammond singt Rudolf Schock in den Jahren 1948, 1949 und 1950 an 'the Royal Opera House Covent Garden' in London.
Schock ist der erste deutsche Sänger, der nach dem Zweiten Weltkrieg ausserhalb der Grenzen seiner Heimat auftreten darf.




Frühling 1950:
Schocks London-Agenda
(Privatarchiv Frau Gisela Schock)


Karl Rankl, Musikdirektor und Dirigent der Londoner Covent Garden Opera, engagiert heranreifendes Talent Rudolf Schock während der Salzburger Festspiele im Sommer 1948. Er macht zur Bedingung, Schock solle möglichst bald imstande sein, Opern in englischer Sprache zu singen. Für jemanden, der nie in der Gelegenheit war, Englisch zu lernen, eine schwere Aufgabe. Es handelte an erster Stelle um die Rolle des Rodolfo in 'La Bohème' von Puccini, deren Premiere schon am 15. Oktober 1948 bevorstand. 'Der Rosenkavalier' von Richard Strauss, 'Die Zauberflöte' von Mozart und 'La Traviata' von Verdi würden folgen.

In der Premiere von 'La Bohème' singt Elisabeth Schwarzkopf die Rolle der Mimi, und weiter sind u.a. Ljuba Welitsch (Musette), Paolo Silveri (Marcello) und Geraint Evans (Schaunard) zu hören. In der Vorstellung am 8. November 1948 wird Mimi von der neuseeländischen Sopranistin Joan Hammond dargestellt. Maria Stader wird neben Schock als Pamina in der 'Zauberflöte' auftreten, und in 'La Traviata' noch einmal Elisabeth Schwarzkopf. Karl Rankl dirigiert die meisen Ausführungen.


Elisabeth Schwarzkopf & Rudolf Schock - Sidney 1949 (Privatarchiv Frau Gisela Schock)


Nach der Opernsaison 1948/1949 übernimmt Rudolf Schock auf Einladung der ABC (Australian Broadcasting Commission) einen Tourneevertrag nach Australien, der für die am 8. Januar 1948 gestorbene Tenorlegende Richard Tauber abgeschlossen worden war. Schocks Auftrag lautet: vierzig vom Rundfunk übertragene Auftritte in ganz Australien. Es handelt sich um Orchester-Konzerte (unter Dirigenten wie Otto Klemperer und Rafaël Kubelik) mit Opernarien in der Originalsprache und 'Liederabende' (Brahms, Schubert, Wolf usw.) mit sechs ganz unterschiedlich zusammengestellten Programmen. Als Auftakt für Australien wird für den 24. Mai 1949 noch ein Schubert-Recital via Radio Singapore festgelegt. Man beabsichtigt nach Australien, die Gastspielreise in Neuseeland fortzusetzen. In Melbourne liest Schock in der Zeitung (!), er bleibe auch während der Saison 1949/1950 in London. Er singt die Rollen der vorigen Saison weiter mit u.a. der spanischen Sopranistin Victoria de los Angeles als Mimi.


'Mme Butterfly' (London 1950) Schwarzkopf/Schock)


Daneben wird sein Repertoire um 'Madame Butterfly' von Puccini erweitert (wieder mit der Schwarzkopf als Partnerin). Ausserdem muss er so bald wie möglich (vom 1. Oktober 1949 an) die Rolle des jungen Dichters Hector de Florac in einer neuen Oper von ARTHUR BLISS: 'THE OLYMPIANS' übernehmen. Die Durchreise nach Neuseeland wird gestrichen.


SIR ARTHUR BLISS (1891-1975)

war ein vielseitiger, englischer Komponist. Er schrieb Musik für Orchester, Solostimme und Spezialmusik für Harmonieorchester und Brassbands. Eine spezifische Vorliebe hatte er fürs Theater: er komponierte Ballette und viel Bühnen- und Filmmusik. Im Zweiten Weltkrieg leitete er die Musikabteilung der BBC, und am 29. September 1949 fand die Weltpremiere der Oper 'The Olympians' statt. Erst nach 10 Jahren (1960) kam es zu einer zweiten (kurzen) Oper: 'Tobias und der Engel'. Weil ich mich den Namen dieser Fernsehoper noch erinnere, vermute ich, dass sie im niederländischen Fernsehen ausgestrahlt worden ist. Im Jahre 1950 wurde Arthur Bliss geadelt und 1953 bekam er den Ehrentitel 'Master of the Queen's Music'.



Die Erstaufführung der 'Olympians'

war eine mühsame Affäre. Erst zu Anfang der siebziger Jahre legt Arthur Bliss in einem Fernseh-Interview die historischenTatsachen offen: Der renommierte Romanschriftsteller John Boydon Priestley (1894-1984) hatte das Opernlibretto verfasst. Es handelte von den sich langweilenden, olympischen Göttern, die nach der Legende einmal pro Jahr hinuntersteigen, um sich als umherwandernde Theatergruppe gewöhnlichen Sterblichen zu präsentieren. Priestley und Bliss waren eng an den Proben beteiligt, aber das stellte sich als weniger gut für ihren Blutdruck heraus. Sie ärgerten sich schwarz über die in ihren Augen mangelhaften Vorbereitungen: Dirigent Karl Rankl (1898-1968) machte alles in letzter Sekunde, und die Zeit, die er für die Proben einplante, war viel zu kurz. Dazu kam noch, dass Rankl und der spätere Starregisseur Peter Brook (1925) gar nicht miteinander redeten. Sie kommunizierten ausschliesslich durch Zettel. Die Premiere am 29. September 1949 wurde mit gemischten Gefühlen empfangen: manche Kritiken lobten die Vorstellung, andere waren ausgesprochen negativ. Priestley war der Meinung, der erste Akt sehe prima aus, der zweite produziere teilweise unzusammenhängendes Zeug, und der dritte und letzte Aufzug sei nur ein Misserfolg.


Gibt es eine Aufnahme, worauf Rudolf Schock Arthur Bliss singt?


Rudolf Schock betont in der Biographie, er habe die Hector-Rolle nicht in der ersten, aber - zwei Tage später - wohl in der zweiten Vorstellung der 'Olympians' gesungen. In der Erstaufführung am 29 september 1949 wird Hector, die männliche Hälfte des irdischen Liebespaares, vom vortrefflichen James Johnston gesungen und gespielt, einer der 'leading tenors' aus der englischen Operngeschichte (sehen und hören Sie ihn auf 'YouTube').'


Dennoch scheint es so zu sein, dass es in den BBC-Archiven tatsächlich eine (Tonband-)Aufnahme der Bliss-Oper 'The Olympians' mit Rudolf Schock als Hector gibt. An und für sich ist das bemerkenswert: es wäre logischer gewesen, wenn die BBC die Weltpremiere mit James Johnston festgelegt hätte. Tatsache ist aber, dass im Verzeichnis der Rundfunkübertragungen in Schocks Biographie die Bliss-Oper erwähnt wird. Es sollte sich dann um die spätere (besser eingespielte?) Ausführung vom 18. Dezember 1949 mit Schock handeln. In der ergänzenden Information steht, die Aufzeichnung sei erhalten! Für mich ein guter Grund, Bliss in die 'Faszinationsreihe' aufzunehmen. Ich wäre der BBC ausserordentlich dankbar, wenn sie diese - möglicherweise erhaltene - Aufnahme auf CD veröffentlichen würde.

Krijn de Lege, 1.9.2009 (Ende September 2009 erscheint 'Rudolf Schock singt Anton Bruckner')

1 Kommentar:

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